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Mit Umfrage: E-Carsharing als Lösung für ÖPNV auf dem Land im Kreis Altötting?

Flexiblere Lösung als Busse oder am Ende zu unflexibel für den Alltag?

Laden am Bahnhof in Regen: Zeit für eine einstündige Pause.
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Seit einigen Monaten gibt es bereits mit „Mümo“ ein E-Car-Sharing-Programm im Landkreis Mühldorf am Inn. Nun interessiert man sich auch im Nachbarlandkreis Altötting dafür.
  • Heinz Seutter
    VonHeinz Seutter
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Das „Mümo“-E-Carsharing-Programm läuft bereits, laut den Verantwortlichen mit zunehmendem Erfolg, seit einigen Monaten im Landkreis Mühldorf am Inn. Nun zeigt man auch im Nachbarlandkreis Altötting Interesse. Doch es gibt auch kritische Stimmen.

Landkreis Altötting - „Ich halte vom Ausbau des ÖPNVs in der ‚alten‘ Form mit mehr Bussen und so weiter als Lösung für den ländlichen Raum nur bedingt etwas. Das macht natürlich Sinn in Ballungszentren. Für das Land habe ich da meine Zweifel, da geht der Trend zu Individualität und Flexibilität. Das kann der traditionelle ÖPNV nicht bieten“, erklärte Altöttings Landrat Erwin Schneider (CSU). „Wenn, wie in Mühldorf, ein paar Kommunen mitmachen wollen, können wir darüber reden. Der Landkreis ist Aufgabenträger für ÖPNV, aber ich würde gerne wenn, dann Geld für passende Lösungen ausgeben. Natürlich kann Carsharing nicht die Lösung für jede Gemeinde sein, aber vielleicht für genügend, damit es sich lohnt, dabei einzusteigen.“

Im Rahmen einer Bürgermeisterdienstbesprechung für den Landkreis Altötting stellten kürzlich Melanie Buchner von Landmobile e.V. und Felix Weiß, energie.concept.bayern. GmbH & Co. KG die Möglichkeiten eines E-Car-Sharing-Konzepts für den Landkreis Altötting vor. Vorbild war dabei das laufende Projekt „Mümo“ im Nachbarlandkreis Mühldorf am Inn. Die anwesenden Gemeindeoberhäupter hatten eine Vielzahl an Fragen und schienen überwiegend interessiert zu sein. Es gab aber auch kritische Stimmen und Haimings Bürgermeister Wolfgang Beier (CSU) wies darauf hin, dass ein Car-Sharing-Projekt das seine Gemeinde bereits betreut eher verhalten angenommen wird.

Car-Sharing-Projekt von „landmobile“ läuft bereits mit „Mümo“ im Landkreis Mühldorf - Auch ein Modell für den Kreis Altötting?

Bereits im Herbst des vergangenen Jahres starteten einige Gemeinden im Landkreis Mühldorf mit einem E-Car-Sharing-Projekt „Mümo“. „Mümo“ steht für „Mühldorf Mobil“. Es ist ein Sharing-Projekt und Teil des Bundes-Förderprojektes „LandMobil – unterwegs in ländlichen Räumen“, das auf drei Jahre ausgelegt ist. Ziel ist, die Mobilitätsangebote im ländlichen Raum zu verbessern. Der Landkreis Mühldorf am Inn und die sieben Projektkommunen Ampfing, Buchbach, Haag, Neumarkt-St. Veit, Oberbergkirchen, Schönberg und Schwindegg sind dafür Mitglied des Vereins „Landmobile e.V.“ geworden. Eine Ausweitung auf weitere Kommunen sowie zusätzliche Angebote wie E-Bikes oder Roller sind geplant. Gefördert wird das Projekt von der Bundesanstalt für Landwirtschaft und Ernährung. Der Landkreis übernimmt 50 Prozent des verbleibenden Eigenanteils nach Abzug der Förderung.

In der Gemeinde Ampfing ist das Projekt seit das Projekt schon sehr gut angelaufen, die Erfahrungsberichte seien dort, so die Gemeindeverwaltung, durchwegs positiv. Anfang Juni kam dort in der Folge auch noch ein Elektro-Lastenrad dazu. Laut Ampfings Bürgermeister Josef Grundner (CSU) soll es ansonsten erst einmal bei dem einen Auto bleiben. Nur ein weiteres E-Fahrrad war noch angedacht. In Haag wiederum machte Ende August OVB-Autor Karlheinz Günster, der zuvor noch nie ein Elektroauto gefahren ist, macht den Praxistest. „So einfach kann das sein“, lautete sein insgesamt positives Fazit.

Viel Zustimmung aber auch kritische Stimmen zu Idee für Car-Sharing als ÖPNV-Alternative

„Für den Benutzer läuft quasi alles über eine spezielle App“, erläuterte Melanie Buchner von Landmobile e.V.. „Man bucht einen Termin und eine Nutzungsdauer. Vor und nach der Nutzung ver- und entriegelt man das Auto ebenfalls über die App. Der Zündschlüssel bleibt im Fahrzeug hinterlegt.“ Ebenso in der App integriert seien Dinge wie Nachmeldungen, wenn man das Fahrzeug länger braucht, Schadens- oder Verschmutzungsmeldungen und so weiter. „Im Landkreis Mühldorf hat das Programm schon ein recht umfangreiches Spektrum an Nutzern. Sie sind zwischen 25 und 85 Jahren alt. Leider hatten wir durch den Lockdown zunächst einen Durchhänger, aber seit Mai haben die Nutzerzahlen rasant zugenommen. Wir hoffen nun darauf, dass auf die Dauer immer mehr Leute das Angebot beispielsweise als Alternative zum Zweitwagen oder gerade junge Menschen statt dem ersten eigenen Auto entdecken und nutzen.“

Das Sharingfahrzeug der Gemeinde Ampfing.. Vorne: Josef Grundner, Bürgermeister der Gemeinde Ampfing; rechts: Thomas Nicklbauer, MÜMO-Ansprechpartner der Gemeinde Ampfing; hinten links: Georg Beyschlag, Vorstand landmobile e.V.; hinten rechts: Matthias Trenkler, Projektleitung landmobile e.V.

Wolle eine Gemeinde sich beteiligen, müsse sie Mitglied bei Landmobile e.V. werden. Für Gemeinden mit weniger als 15.000 Einwohnern betrage der jährliche Mitgliedsbeitrag 1300 Euro, darüber seien es 10 Cent pro Einwohner. Hinzu kämen noch 800 Euro für den Unterhalt einer Station und auch die Unterhaltskosten der Fahrzeuge. „Das sollte aber langfristig gut durch Fördermittel und Einnahmen gedeckt werden können.“ Die Fahrzeuge seien Vollkasko-versichert, Schadensverursacher müssten die 300 Euro Selbstbeteiligung übernehmen. „Als Standort bieten sich Rathäuser aber auch beispielsweise Bahnhöfe an.“ In einigen Gemeinden würden die Fahrzeuge dann auch als Dienstwägen genutzt. „So spart man natürlich zusätzlich Geld.“Die Ausführungen ernteten viel Zustimmung und Interessensbekundungen. So bemerkte etwa Tögings Bürgermeister Tobias Windhorst (CSU), das Programm könnte in seiner Gemeinde für auswärtige Zugreisende eine Alternative zum Taxi sein.

Doch gab es auch kritische Stimmen. Allen voran wies Haimings Bürgermeister Wolfgang Beier (CSU) auf die Probleme eines solchen Projekts hin. Die Gemeinde betreibt bereits ein eigenes Car-Sharing-Programm mit einem Fahrzeug, welches demnächst noch durch ein E-Auto ergänzt werden soll. „Das Hauptproblem ist die Bewusstseinsbildung für so ein Programm. Bei uns wird es bisher eher verhalten angenommen. Und es ist, nüchtern betrachtet, immer nur eine Zwischenlösung. Denn anders als bei großen Car-Sharing-Programmen in der Stadt kann man das Auto nicht einfach irgendwo abstellen, sondern muss es selbst zurückbringen. Es ist also nicht für die ‚letzte Meile‘ zurück in die eigenen vier Wände benutzbar. Für einige Leute wird es also für viele Alltagsnutzungen, wie beispielsweise einen Einkauf automatisch unattraktiv!“

hs

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