Dramatisches Beispiel aus Burgkirchen an der Alz

Eschentriebsterben: Wie ein Pilz unsere Heimat zerfrisst

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Burgkirchen/Bayern - Kein Zweifel: Unsere Heimat verändert sich ständig. Egal, wie man zum einen oder anderen Bauprojekt steht, die Natur macht da auch kräftig mit. So kann ein Schlauchpilz so manches Ortsbild auch dramatisch verändern.

Es ist offensichtlich: Unsere Heimat verändert sich. Bauprojekt hier, Umgehungsstraße da – Es ist wohl der Mensch, der den größten Anteil an dieser Veränderung hat. Welchen Anteil er am sogenannten Eschentriebsterben hat, ist ungewiss. Sicher ist, dass diese Baumkrankheit unsere Heimat teilweise dramatisch verändert. Dann nämlich, wenn uns kranke Bäume zu nahe kommen.

Verkehrssicherungspflicht im Straßenbegleitgrün

Der Reibwirtsberg in Burgkirchen an der Alz: Da, wo bis vor kurzem noch Bäume standen, sind jetzt fast nur noch Stumpen zu sehen. Schön geht anders. Es habe kein Weg daran vorbei geführt, so die Gemeinde, wegen der Verkehrssicherungspflicht.

Der Bereich, wo bis vor kurzem noch Bäume standen, nennt sich „Straßenbegleitgrün“. Die Gemeinde ist dafür verantwortlich. Neben landschaftsgärtnerischen Arbeiten geht es vor allem um die Verkehrssicherungspflicht.

Eschentriebsterben in Bayern: Wie ein Pilz unsere Heimat zerfrisst

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Der Reibwirtsberg wurde deswegen so berserkerartig ausgeholzt, weil von den Bäumen Gefahr für die Verkehrssicherheit ausgegangen war. Da, wo heute nur noch Stumpen zu sehen sind, waren vorher meist Eschen gestanden. Sie waren krank und drohten abzubrechen und/oder umzufallen.

Ergebnis: Kahlschlag

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Da die Gemeinde Burgkirchen an der Alz die Verkehrssicherungspflicht an öffentlichen Wegen, Straßen und Plätzen sehr ernst nimmt, werden jährlich die Bäume im Straßenbegleitgrün von ausgebildeten Baumkontrolleuren auf ihre Sicherheit überprüft“, heißt es aus dem Rathaus. Da sind die Eschen am Beispiel Reibwirtsberg also durchgefallen. Das Ergebnis: Kahlschlag.

Ein Schlauchpilz aus Asien ist schuld

Der Grund für den Kahlschlag ist eine Baumkrankheit, das sogenannte Eschentriebsterben. „Das Eschentriebsterben wurde in Europa erstmals 1990 im Baltikum wahrgenommen und 2006 in Polen beschrieben. Sechs Jahre später war die damals noch rätselhafte Krankheit auch in Bayern angelangt, wo sie mittlerweile flächendeckend auftritt. Erst 2010 konnte ein Schlauchpilz als Erreger identifiziert werden, das ursprünglich aus Asien stammende, „Falsche Weiße Stengelbecherchen“ (Hymenoscyphus pseudoalbidus), inzwischen umbenannt in Hymenoscyphus fraxineus.“ (Quelle: Untere Naturschutzbehörde/Landratsamt Altötting)

Das Problem an Hymenoscyphus fraxineus ist, dass er die Eschen von innen her zerfrisst. Lange sieht man von außen davon nichts. Ältere Eschen brechen von oben her ab. Nicht auszudenken, so ein gewichtiges Stück Holz würde ohne Vorwarnung auf die Straße krachen. Die Gemeinde Burgkirchen konnte also nicht anders, als den Kahlschlag an solchen Stellen im Gemeindegebiet zu veranlassen.

Die Verkehrssicherungspflicht gilt für alle

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"Da der letzte Sommer besonders heiß war", heißt es aus dem Rathaus der Alzgemeinde, "wurden auch andere Baumarten zum Teil sehr geschädigt". So hätten auch Eichen und Buchen im Gemeindebereich entfernt werden müssen. "Die Verkehrssicherungspflicht gilt übrigens auch für private Grundstücksbesitzer, wenn Bäume an öffentlich gewidmeten Straßen stehen."

Auf Nachfrage von innsalzach24.de beim Landratsamt Altötting zum Thema Eschentriebsterben/kranke und gefährliche Bäume und dessen Zuständigkeiten heißt es: 

"Auf bewaldeten Eigentumsflächen des Naturschutzes an Straßen und Wegen, wo erhöhte Verkehrssicherungspflichten gelten, werden bei Schadensfeststellung die Bäume entnommen. Dies ist zum Beispiel im Hangwald Töging schon geschehen. Die Schadensfeststellung trifft das Forstamt als die, für den Kommunalwald beauftragte Stelle. Die tatsächliche Beseitigung erfolgt dann nach externer Ausschreibung durch entsprechende Forstbetriebe.

Gleiches Prozedere gilt bei Nichtwaldungen, also Einzelbäumen und Alleen, die einen naturschutzrechtlichen Status haben (z.B. Eschenalle zwischen Altötting und Tüßling) nur werden hier die Schäden nicht vom Forstamt, sondern von einem Baumgutachter festgestellt und danach die erforderlichen Arbeit vergeben."

Rubriklistenbild: © Raphael Weiß

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