Erfindung aus Burgkirchen verbessert Arbeitssicherheit

Nach einem Unfall an der Fräsmaschine: So sind die Finger sicher

+
Nach einem Unfall an der Fräsmaschine: So sind die Finger sicher
  • schließen

Burgkirchen an der Alz – Viel vergossenes Blut und eine Idee: Wie ein Ausbilder der Bildungsakademie Inn-Salzach (BIT) die „Arbeitssicherheit und Gesundheit in der Arbeit“ verbessert hat. innsalzach24.de berichtet exklusiv.

Es war ein Unfall in der Lehrwerkstatt der Bildungsakademie Inn-Salzach (BIT), der den dortigen Ausbilder Norbert Hammerl zum Nachdenken brachte: Eine Auszubildende hatte an einer Fräsmaschine für Metall gearbeitet und sich dabei an der Hand verletzt. Es habe schon sehr schlimm ausgehen mit dem vielen Blut überall. Letztendlich aber habe die Frau keine dauerhaften gesundheitlichen Schäden davon getragen, so Hammerl.

Hat da wer was falsch gemacht? Die Antwort darauf lautet klipp und klar „Nein“: weder ihr Ausbilder noch die Frau. Dies ist vielmehr die Geschichte einer Idee, welche die Arbeitssicherheit und Gesundheit in der Arbeit an Fräsmaschinen für Metall verbessern kann. In der Lehrwerkstatt der Bildungsakademie Inn-Salzach ist sie bereits umgesetzt und als „Handschutz für die Zuführung des Kühlschmiermittels“ im Einsatz.

Es kann zu schlimmen Verletzungen kommen

Um Fräsarbeiten an Metallstücken vornehmen zu können, braucht es sogenanntes Kühlschmiermittel. Das wird über eine Leitung vom Gerät auf die Frässtelle zugeführt. Diese Leitung muss manuell justiert werden. Die Gefahr: Bei dem manuellen Justiervorgang kann die Leitung von dem Fräswerkzeug erfasst und mitgerissen werden. Das hat der Unfall in der Lehrwerkstatt der BIT (Tochterfirma der InfraServ Gendorf) gezeigt.

So sieht das untere Stück der Kühlschmiermittelleitung zum Fräswerkzeug nach Norbert Hammerls Erfindung aus: Die Ummantelung der Leitung verhindert das "Einziehen" der Leitung durch das Fräswerkzeug. 

Das Fräswerkzeug hat eine Geschwindigkeit von 160 Umdrehungen pro Minute. Kommt die Kühlschmiermittelleitung mit ihrer spezifischen Form an den Fräskopf, sind die Finger, ist die Hand der Bedienerin, des Bedieners in Gefahr. Soll heißen: So schnell bringt man die Finger/die Hand da nicht weg und es kann zu schlimmen Verletzungen kommen. Vom Prinzip her ist das wohl vergleichbar mit der Gefahr beim Schnibbeln in der Küche wenn man versucht, es den Fernsehköchen gleich zu tun und das aus falschem Ehrgeiz genau so schnell wie die: Ist die Hand, die nicht am Messer ist nicht locker genug, macht es „Aua“.

„Arbeitsschutz und Gesundheit in der Arbeit“

Das Problem an dieser Leitung für Kühlschmiermittel ist ihre gliedrige Form. Das muss aber so sein. Material und Form machen sie stabil und trotzdem justierbar. Die Idee zur Verbesserung und damit für mehr „Arbeitsschutz und Gesundheit in der Arbeit“ stammt von Ausbilder Norbert Hammerl besteht aus zwei Teilen:

  1. Am unteren Ende der Leitung für Kühlschmiermittel gibt es eine Ummantelung, die glatt ist. Sie verhindert das blitzartige Einziehen durch das Fräswerkzeug: Die Leitung rutscht daran ab.
  2. Weiter oben gibt es einen Halbkugelgriff. Will man die Kühlschmiermittelleitung justieren, sind die Finger im Fall Falles des Falles durch dessen Form geschützt.

Beides ist aus Kunststoff. Der Prototyp wurde mittels 3D-Drucker gefertigt. Der Halbkugelgriff besteht aus zwei Teilen. Er kann mittels zweier Schrauben einfach und flexibel an der Schmiermittelleitung befestigt werden.

Der Halbkugelgriff bietet Schutz für die Finger, sollte die Leitung durch das Fräswerkzeug blitzschnell eingezogen werden.

Erfolg ist, wenn nix passiert

Mit seiner Erfindung hat Norbert Hammerl den ersten Platz in der Kategorie „Beste Idee aus Arbeitssicherheit und Gesundheit in der Arbeit“ des Deutschen Instituts für Ideen und Qualifikationsmanagement für die InfraServ gewonnen. Dieses unterstützt Menschen mit Rat und Tat, die das Ideenmanagement in ihrer Organisation vorantreiben und damit einen entscheidenden Beitrag für den Erfolg ihres Unternehmens leisten. Erfolg bedeutet bei der InfraServ - wie wohl überall - neben den Geschäftszahlen, dass es keine Arbeitsunfälle gibt. Das erklärt Dr. Stefan Kirschner, Leiter der Arbeitssicherheit bei der InfraServ Gendorf. Dies sei Teil der Unternehmensphilosophie.

Rund 50 Azubis im in der Bildungsakademie Inn-Salzach (BIT Gendorf) profitieren schon davon. Auf Nachfrage von innsalzach24.de erklärt Norbert Hammerl, dass die Fräsmaschinen ohne seine Idee als sicher gelten. Ob, wann und wie seine Vorrichtung flächendeckend eingeführt wird, könne er nicht sagen

Zurück zur Übersicht: Landkreis Altötting

Auch interessant

Kommentare

Live: Top-Artikel unserer Leser

MEHR AUS DEM RESSORT