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Forschung trifft auf Erfahrung

TU München erforscht effizienten Düngereinsatz im Landkreis Altötting

Dr. Franz-Xaver Maidl erklärt die Spektralanalyse des von den Pflanzen reflektierten Lichts, woraus man den Düngebedarf erkennt.
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Dr. Franz-Xaver Maidl erklärt die Spektralanalyse des von den Pflanzen reflektierten Lichts, woraus man den Düngebedarf erkennt.

Burghausen - Am Donnerstag fand ein Ortstermin auf zwei landwirtschaftlichen Nutzflächen in der Nähe von Burgkirchen bzw. Burghausen statt. Dort führt die TU München aktuell mit modernster Technik eine Feldstudie zur Auswirkung von Düngemitteln auf den Ertrag durch. Mit dabei war unter Anderem Burgkirchens Bürgermeister Johann Krichenbauer(FW) und weitere Vertreter von Politik und Verbänden sowie Landwirte und andere Interessierte aus der Region.

"Weniger ist oft mehr", meint Professor Dr. Kurt-Jürgen Hülsbergen vom Lehrstuhl für ökologischen Landbau an der TU München. Konkreter Forschungsgegenstand seines insgesamt rund 40 Personen umfassenden Teams ist es, genauer zu untersuchen, wie man den Verbrauch an (künstlichen) Düngemitteln optimieren kann. Dies ist nicht nur im Hinblick auf den Nitratgehalt und damit die Qualität des Grundwassers interessant, sondern jedes eingesparte Kilo an Kunstdünger bemerkt schließlich auch der Landwirt in seinem Geldbeutel.

Bei ihren Forschungen arbeitet das Team der Universität mit den neuesten Forschungsmethoden. Auf zwei Feldern von Christian Steinberger und Ludwig Seidl, sind momentan jeweils 24 Versuchsflächen(sechs verschiedene Düngerhythmen und -mengen auf jeweils vier Vergleichsfeldern) untergebracht, die unterschiedlich gedüngt wurden und deren Ertrag am Ende miteinander verglichen wird. Die Wissenschaftler zeigten auf dem einen Feld, wie sie mit einer Drohne zweimal pro Woche eine Ertragskarte machen, die den Wuchs der Wintergerste aus der Luft analysiert. "Da bekommt man hervorragend aufgelöste Bilder aus der Luft, die man automatisiert auswerten kann", erklärt Doktorand Thomas Mösl. Die Bilder landen nämlich auch auf einem Tablet, wo selbst der Laie die unterschiedliche Bewuchsdichte in den Testfeldern auf Anhieb besser erkennt, als wenn man direkt davor steht.

Feldtests der TU München im Landkreis Altötting

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Einen anderen Teil des Feldversuchs erklärt Dr. Franz-Xaver Maidl im nur wenige hundert Meter entfernten Winterweizenfeld. "Grün ist nicht gleich grün!", erklärt der Agrarwissenschaftler. Jede Pflanze strahlt nämlich auch alle anderen Farben ab, woraus die Wissenschaftler die aktuellen biochemischen Vorgänge in der Pflanze erkennen und ihren aktuellen Düngebedarf ableiten können. Da die Grünanteile des Lichts aber stark überwiegen, schauen die Pflanzen für das menschliche Auge schlicht grün aus. Ziel dieser Forschung wäre es, ein System zu entwickeln, mit dem der Landwirt bei einer Überfahrt vorne den individuellen Düngerbedarf in einem Teilbereich seines Feldes misst und diesen hinten dann auch gleich ausbringt. An dem entsprechenden Steuerungssystem und -software arbeitet das Team von der TU München also gerade.

Nur auf die Menge des Düngers kommt es für den Ertrag jedenfalls nicht an. Dafür hat Prof. Hülsbergen eine Erklärung: "Die Aufnahmefähigkeit für den Stickstoff ist in so einem Feld sehr kleinräumig!". Vor allem der Kohlenstoffanteil in der Erde sei entscheidend, wie viel Stickstoff-Dünger der Boden überhaupt aufnehmen kann. Dann wird der Dünger wieder ausgewaschen, bevor ihn die Pflanze überhaupt aufnehmen kann. Im Schnitt sei der Humusgehalt in ökologisch bewirtschafteten Feldern geringfügig höher, so der Forscher. "Den Humus kann man durch Zwischenfrüchte verbessern, zum Beispiel Klee", erklärt Kreisrat Hans Huber(ÖDP), der selbst Ökolandwirt ist: das große Wurzelwerk der Leguminosen trägt langfristig zur Humusbildung bei. Allerdings dauert das Jahre. Neuerdings bieten Firmen Zwischenfrucht-Saaten an, die jeder Landwirt nach dem individuellen Bedarf auf seinen Feldern einsetzen kann.

Die Bodenmessungen im Wintergerstefeld von Christian Steinberger ergaben, dass etwa 40% des Fläche das Nitrat gar nicht gut aufnimmt. Dort wäre ein umfangreicher Einsatz von Kunstdünger also nicht nur Verschwendung, sondern er würde auch relativ schnell das Grundwasser belasten. Die Alternative der Öko-Landwirte, ausschließlich mit Gülle zu düngen, hat aber auch ihre Schwächen: sie setzt zwar das Nitrat selbst nicht so schnell frei, ist aber deswegen auch weniger gut dosierbar. Zu guter Letzt muss jeder Landwirt auch darauf achten, wann er den Dünger und die anderen chemischen Hilfsmittel ausbringt: regnet es beispielsweise wenig, wie in diesem Frühjahr, bringen die die Nitratkörner wenig, die sich ja nur mit Wasser lösen.

Peter Becker

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