Viele Kontrollen auch in der Region

Bayernweiter Blitzmarathon: „Raser gehören erwischt“

Ein Polizist bei einer Geschwindigkeitskontrolle im Rahmen des Blitzmarathons im Landkreis Altötting
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Der Polizei ging es nicht darum, möglichst viele Verwarnungen auszusprechen. Deshalb wurden die Messstellen im Vorfeld auch veröffentlicht. Trotzdem waren auch im Landkreis Altötting ein paar doch zu schnell.

In ganz Bayern startete der 24-stündige Blitzmarathon am Mittwoch, 21. April, um 6 Uhr morgens. An rund 2.100 Messstellen werden dabei Geschwindigkeitskontrollen durchgeführt. Trotz der öffentlichen Vorankündigung erwischte es auch im Landkreis Altötting zahlreiche Verkehrsteilnehmer.

Landkreis Altötting - Zwischen 10 und 12 Uhr haben vier Beamte der Polizeiinspektion Altötting ihre Kontrollstation auf der Kreisstraße AÖ 30, Höhe Plackerstorf bei Pleiskirchen aufgebaut. Jürgen Neumerkel, Sachbearbeiter Verkehr bei der Polizeiinspektion Altötting, begrüßt die präventive Maßnahme. „Die Raser gehören erwischt“, so sein Credo. Denn zu hohe Geschwindigkeiten seien maßgeblich für viele Unfälle verantwortlich.

Blitzmarathon im Landkreis Altötting

„Zu schnelles Fahren ist kein Kavaliersdelikt, sondern die Hauptursache für schwere Verkehrsunfälle“, erklärte auch Bayerns Innenminister Joachim Hermann im Vorfeld des achten Bayerischen Blitzmarathons. Knapp ein Drittel der Verkehrstoten auf Bayerns Straßen gehe darauf zurück. 2020 wurden in Bayern insgesamt 147 Personen durch Geschwindigkeitsunfälle getötet. Das waren trotz des pandemiebedingt geringeren Verkehrsaufkommens mehr Unfalltote als 2019 (141).

Dass in der zweistündigen Kontrollphase bei Pleiskirchen lediglich zwei Autofahrer schneller als die dort erlaubten 60 Stundenkilometern auf dem Tacho hatten, ist für Neumerkel keine große Überraschung. Schließlich war die Aktion angemeldet, zudem merkt man einen Rückgang des Verkehrsaufkommens aufgrund von Corona. Damit man die Raser jedoch erwischt, sei weniger Verkehr förderlich. „Bei zu vielen Teilnehmern werden die kommenden Autos auch vom Gegenverkehr per Lichthupe gewarnt. Zudem hätten sie keine frei Fahrt“, erklärt Neumerkel.

93 Stundenkilometern statt erlaubten 60 - Verkehrssünder zeigen sich einsichtig

Ein Außendienstler aus Niederbayern wurde als erstes mit 80 Stundenkilometern erwischt. „Das war das erste Mal seit sechs Jahren. Ich habe gerade telefoniert und war trotz der Freisprecheinrichtung abgelenkt“, zeigt sich der Fahrer einsichtig. Die Verwarnung in Höhe von rund 30 Euro sei zu verkraften. In der Schweiz, wo er beruflich auch oft unterwegs ist, sei dies wesentlich teurer. Vom Blitzmarathon hätte er gar nichts mitbekommen.

Auch der zweite Verkehrssünder aus dem Landkreis Mühldorf hatte keine Ahnung von der Aktion. „Das ist sehr ärgerlich. Aber ich war irgendwie in Gedanken“, erklärt der Autofahrer. Dabei ist dieser gerade noch an einem Fahrverbot vorbeigeschrammt. 93 Stundenkilometer zeigte die Messung. Abzüglich der drei Stundenkilometer Messtoleranz blieb er damit nur hauchdünn unter der Grenze. Dennoch musste er 80 Euro zahlen und erhält einen Punkt im Verkehrszentralregister.

93 Stundenkilometer statt der erlaubten 60 zeigt die Radarpistole der Polizeiinspektion Altötting an. Es war in der zweistündigen Messung der Spitzenwert in Pleiskirchen.

Neumerkel: „Persönliche Kritik effektiver“

Den Übeltätern wird nach der Kontrolle auch die Anzeige der Laserpistole gezeigt. „Transparenz ist sehr wichtig. Wir wollen auch möglichst viele Gerichtsverhandlungen vermeiden“, so Neumerkel. Generell seien die meisten aber sehr einsichtig. „Die direkte und persönliche Kritik im Gespräch mit dem Beamten ist wesentlich effektiver“, glaubt Neumerkel den Vorteil solcher Messungen. Mit einem Radarwagen könne dagegen eine viel befahrene Strecke besser kontrolliert werden, da die Fahrer nicht persönlich angehalten werden müssen.

Die Polizeiinspektion Altötting wird im Zuge des Blitzmarathons mindestens vier Messstellen durchführen, Burghausen mindestens drei. Bei einer Kontrolle morgens in Garching hätte es laut den Beamten sechs Verkehrsteilnehmer erwischt. Allgemein hat die Polizei gewisse Vorgaben wie oft und wo kontrolliert wird. „Das sind Unfallhäufungs- und Gefahrenstellen“, schildert Neumerkel.

Mit insgesamt rund 1.800 Polizistinnen und Polizisten sowie etwa 50 Bediensteten der kommunalen Verkehrsüberwachung hat sich das Bayerische Innenministerium an der europaweiten Aktion gegen Raser beteiligt. Beim letztmaligen 24-Stunden-Blitzmarathon vom 3. bis zum 4. April 2019 hat die Bayerische Polizei insgesamt 10.821 Geschwindigkeitssünder ertappt, trotz ebenfalls frühzeitig veröffentlichter Messstellen. „Spitzenreiter“ war ein 30-jähriger Autofahrer, der auf der B300 bei Neusäß in Schwaben mit 160 Stundenkilometern anstatt der erlaubten 70 gemessen wurde.

jz

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