So stehen die Chancen

Atommüll-Endlager im Landkreis Altötting? Das ist der aktuelle Stand

Die Bundesgesellschaft für Endlagerung (BGE) zieht nach dem ersten Zwischenbericht auch Gebiete im Landkreis Altötting für die Atommüll-Endlagerung in Betracht.
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Die Bundesgesellschaft für Endlagerung (BGE) zieht nach dem ersten Zwischenbericht auch Gebiete im Landkreis Altötting für die Atommüll-Endlagerung in Betracht.

Wie stehen die Chancen, dass es im Landkreis Altötting ein Atommüll-Endlager geben wird? Wie läuft der Prozess? Darüber wurden die Bürgermeister der Region in der Dienstbesprechung vom 18. März aufgeklärt. 

Landkreis Altötting – Insgesamt 90 Gebiete haben in Deutschland laut einem Zwischenbericht der Bundesgesellschaft für Endlagerung (BGE), der im September vorherigen Jahres veröffentlicht wurde, günstige geologische Voraussetzungen für ein Atommüll-Endlager. Auch im Landkreis Altötting gibt es Gebiete, die dafür in Betracht kommen.

Atommüll-Endlager: Zwei Teilgebiete im Landkreis Altötting in der Verlosung

Von einer „relativen großen Betroffenheit“ spricht Bernhard Wieslhuber vom Landratsamt Mühldorf, der die Atommüll-Endlagersuche begleitet und für ganz Oberbayern zuständig ist, in seinem Vortrag vor den Bürgermeistern des Landkreises Altötting. Allerdings sind nach der ersten Auswahl noch rund 54 Prozent der bundesweiten Fläche – in Bayern sogar zwei Drittel der Fläche - aus geologischer Sicht für die Lagerung hochradioaktiver Abfälle geeignet. Nur offensichtlich ungeeignete Gebiete sind dabei ausgeschieden.

Auf die 90 Teilgebiete werden nun Ausschlusskriterien, Mindestanforderungen und geowissenschaftliche Abwägungskriterien angewendet. Besonders ein Ausschlusskriterium könnte sich laut Wieslhuber positiv auf den Landkreis Altötting auswirken: die aktiven Störungszonen, also unterirdische Erdbewegungen. „Dabei sind keine Erdbeben gemeint, sondern eher eine Art Geothermie, die bei uns immer in der Verlosung ist“, erklärt Wieslhuber.

Viele Punkte sprechen gegen Atommüll-Endlager in der Region

Der Landkreis sei durchzogen von solchen Zonen. „Da wird die Kritik schon groß. Man kann aus unserer Sicht kein Endlager zwischen diesen Störungszonen hineinlegen. Das wurde von der BGE auch schon aufgenommen und wird sicherlich ein großes Thema sein“, so Wieslhuber. Die Mindestanforderungen betreffe beispielsweise auch ausreichende Fläche. Das Tongestein, das im Landkreis Altötting vorkommt, würde allerdings die größte Fläche von allen geeigneten Gesteinsarten benötigen.

Weitere Kritikpunkte, die Wieslhuber hervorbringt, ist u.a. die längliche Form der Teilgebiete, die sich daher weniger eignen, sowie die Temperaturempfindlichkeit des Tons. Dieser wird auch unterirdisch sehr warm, dass die Arbeitsbedingungen sehr schwierig wären. „Die Schweizer haben ihr Endlager auch im Tongestein gebaut und würden es nicht nochmal machen. Dort entstand bei der Bearbeitung des Tons sehr viel Staub und hat die Mechanik der Maschinen auf Eis gelegt“, berichtet Wieslhuber.

Schneider: „Wir müssen nicht in Panik verfallen“

Voraussichtlich im August sollen laut BGE sechs Standortregionen feststehen. Da hoffen wir natürlich, dass wir schon nicht mehr zur Auswahl stehen. Ansonsten wird es richtig ernst“, so Wieslhuber. Im weiteren Verfahren werden diese Regionen dann vor Ort genauer betrachtet, ehe in der letzten Runde die letzten zwei bis drei Gebiete auch unterirdisch untersucht werden. Ziel sei es bis 2031 einen Endlagerstandort zu finden.

Landrat Erwin Schneider sprach im Anschluss von beruhigenden Ausführungen. „Wir müssen aus unserer Sicht nicht in Panik verfallen, sondern eine entspannte Bobachtung ist der richtige Weg“, so Schneider abschließend.

jz

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