Altöttings Landrat Schneider unterstützt Walchs Corona-Öffnungssystematik

„Je höher die Impfrate, desto größer werden die Fragezeichen hinter den Inzidenzen“

Landkrat des Kreises Altötting: Erwin Schneider (CSU).
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Erwin Schneider ist Landrat des Kreises Altötting.

Gemeinsam mit weiteren Unterstützern legte Traunsteins Landrat Siegfried Walch der Regierung von Ministerpräsident Söder ein Konzept für eine geänderte Corona-Öffnungssystematik vor. Einer, der zu 100 Prozent hinter Walchs Schreiben steht, ist Altöttings Landrat Erwin Schneider.

„Natürlich unterstütze ich die Öffnungssystematik von Sigfried Walch. Sie ist in meinen Augen sehr ausgewogen und dem habe ich nichts zuzufügen“, bestätigt Schneider im Gespräch mit innsalzach24.de. „Ich finde den Ansatz richtig, künftig nicht mehr nur auf die Inzidenz zu setzen, sondern auch andere Faktoren zu berücksichtigen. Das Konzept beruht ja auf dem Impffortschritt - das ist der Weg aus der Corona-Krise. Je schneller wir impfen, desto schneller kommen wir raus aus den ganzen Beschränkungen.“

Fokus auf Impffortschritt legen und altersmäßige Inzidenzwerte ermitteln

So wie es aktuell läuft mit ständig wechselnden Vorgaben, Öffnungen und Wiederschließungen, weil die Zahlen um die 100er-Inzidenz schwanken, könne es in den Augen Schneider nicht weitergehen. Zwischen dem jetzigen Stand und dem Schluss der Pandemie müsse auf jeden Fall ein Perspektiven-Wechsel vollzogen werden: „Freilich sind die Inzidenzwerte nicht vernachlässigbar, sie spielen weiterhin eine gewisse Rolle. Je mehr aber durchgeimpft sind, desto mehr verliert diese Rolle an Bedeutung.“

Um weiter verlässliche Zahlen zu liefern, müsse der aktuell gerechnete Wert der Inzidenzen auf altersmäßige Inzidenzwerte runtergebrochen werden: „Die Frage ist doch, welchen Inzidenzwert haben die über 80-Jährigen oder die Kinder bis zehn Jahre? Das müsste mehr aufgedröselt werden. Je höher die Impfrate, desto größer werden die Fragezeichen hinter den Inzidenzen. Die Sieben-Tage-Inzidenz kann bei 2000 liegen, wenn Menschen infiziert sind, denen das nichts tut. Das ist noch immer die Mehrheit der Bevölkerung, die eine solche Infektion relativ schadlos durchstehen. Entscheidend ist, dass die Inzidenzen bei den vulnerablen Gruppen sinken.“

Ziel: Schnellstmöglich die Impfungen vorantreiben

„Wir erhoffen uns von der Öffnungssystematik auch eine Erleichterung für die Bürger, die verständlicherweise zunehmend genervt sind. Es spornt alle an, wenn die Öffnungsschritte in Abhängigkeit von der Impfrate erfolgen. Aktuell sind wir zwar noch von der Menge an Impfstoff begrenzt, aber das wird sich im April ändern. Dann geht es darum, möglichst viel Impfungen an die Frau und an den Mann zu bringen“, so Schneider.

Er ist zuversichtlich, dass die Bevölkerung im Laufe des Frühjahrs/Sommers durchgeimpft werden könne und schon im Juni im Landkreis Altötting jedem Bürger ein Impfangebot gemacht werden könne. „Da bin ich sehr optimistisch. Der Impfturbo ist aktuell zu einer Schnecke geworden wegen Astra Zeneca, doch das wird wieder an Fahrt aufnehmen.“

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Freilich müsse man nicht sofort mit einer Umsetzung beginnen, zumal die Antwort der Regierung auf das Schreiben Walchs noch ausstehe, räumt Schneider ein. Das genüge auch in ein paar Wochen. Denn der aktuell geltende Stufenplan der Regierung sei im Gesamten „schon in Ordnung“. Allerdings gebe es Schneider zufolge „eine Reihe an Ungerechtigkeiten“ - gerade was Öffnungen bestimmter Branchen anbelange: „Natürlich stößt es den Bürgern sauer auf, wenn sie sehen, dass Friseure öffnen dürfen, die Gastronomie aber nicht. Da fehlt eine sachlich korrekte Antwort. Allerdings ist es auch ein schwieriges Unterfangen der Verantwortlichen. Man darf das nicht so einseitig sehen.“

Persönliche Situation rückt bei vielen in den Vordergrund

Festzustellen sei, dass mittlerweile jeder Bürger die Pandemie aus seiner Lage heraus betrachtet. „Die Politik trifft Regelungen, die für das Allgemeinwohl den besten Nutzen bringen und da sehe ich immer mehr, dass das in den Hintergrund gerät. Vor ein paar Monaten haben die Menschen eher die Gesamtsituation gesehen, inzwischen ist es so, dass sie ihre persönliche Situation in den Fokus rücken.“

Hier müsse Schneider zufolge unterschieden werden zwischen wahren Problemen wie Existenznöten und Verlustängsten, wenn der eigene Betrieb monatelang geschlossen ist während des Lockdowns und „Luxusproblemen“, wenn man ob der Pandemie-Beschränkungen seinen Freizeitsport nicht auf dem Tennis- oder Golfplatz ausüben könne.

Natürlich sagt ein jeder, dass es nun reicht. Aber ich habe deshalb nicht für jede Not das gleiche Verständnis. Nerven tut es mich auch, aber das kriegen wir schon hin. Diejenigen, denen es noch gut geht, sollten bisserl Piano machen und an die denken, denen es in der Krise schlecht geht“, mahnt der Altöttinger Landrat abschließend.

mb

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