Skulpturenweg im Altöttinger Forst

Und dann steht da auf einmal ein Klappstuhl

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Ein Wald, ein Hund, ein Klappstuhl: Den Altöttinger Forst bereichert aktuell der Skulpturenweg "Waldeslust".
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Altötting/Kastl - Ein überdimensionierter Klappstuhl, Scheeweißchen auf einer Schaukel und eine selbsttragende Brücke: Im Altöttinger Forst hat die Kunst Einzug gehalten.

Ein Klappstuhl steht auf einer Lichtung. Mitten im Wald. Im Altöttinger Forst ein paar Kilometer von Kastl entfernt steht da ein roter Klappstuhl. Nicht irgendein roter Klappstuhl, nein. Ein Klappstuhl der siebenmal so lang, siebenmal so breit und siebenmal so hoch ist wie ein gewöhnlicher Klappstuhl. Doch diese außergewöhnliche Erscheinung ist keinesfalls die einzige ihrer Art im Wald bei Kastl, Altötting und Emmerting. Insgesamt 33 Kunstobjekte, meist Skulpturen, sind aktuell im Altöttinger Forst im Rahmen der Aktion "Waldeslust" ausgestellt.

Horst Renner schleppte tagelang Baumstämme

"Schneeweißchen und Rosenrot" von Alexander Brandmeyer (zum Vergrößern Bild anklicken)

Neun Künstler haben sich an "Waldeslust" beteiligt. So unterschiedlich die Werke auch sind, so sehr eint alle Objekte der starke Bezug zu ihrer Umgebung, dem Wald. Mal sitzen "Schneeweißchen und Rosenrot" auf einer Schaukel, hoch oben in den Ästen eines Baumes, mal bahnt sich eine Raupe aus Baumstämmen ihren Weg über den Waldboden. Ein Skulpturenweg mitten im Wald? Für die Künstler war "Waldeslust" scheinbar mehr Ansporn und Anregung als Herausforderung.

Der Kurator der Aktion, der 67-jährige Künstler Horst Renner, war von Anfang an Feuer und Flamme für "Waldeslust". Zuvor hatte Renner lediglich Objekte geschaffen, die in seiner Garage Platz hatten. Manche seiner Kunstwerke waren nur zehn Zentimeter hoch, wenige erreichten eine Höhe von über zwei Metern. "Es war eine Herausforderung für mich, mit größeren Sachen etwas zu schaffen", erzählt Renner. Besonders gefordert war der 67-Jährige bei "Zack Zick", einem Wall aus Baumstämmen. Zwei Tage lang wuchtete Renner gemeinsam mit einem Freund die Baustämme an die richtige Stelle – mit einem guten Freund, wie Renner verrät. "Da muss man schon einen guten Freund haben, der bei einer so schweren Arbeit nicht nur am ersten Tag hilft, sondern auch am zweiten Tag."

Lebenslinien, Klappstuhl, eine selbsttragende Brücke

"Reigen" von Andreas Antwerpen (zum Vergrößern Bild anklicken)

Am Ende der Mühen stand bei "Waldeslust" vielfach ein echter Blickfang, dessen Botschaft dem Betrachter im ersten Moment aber ein wenig kryptisch erscheinen mag. So auch bei "Zack Zick": Wie Renner erklärt, wollte er mit den Baumstämmen die Lebenslinie des Menschen nachzeichnen. "Zack Zick" taucht deshalb auf einer Seite quasi aus dem Waldboden auf und verschwindet auf der anderen Seite wieder unter der Ende. Dazwischen geht es, nun ja, zick-zack.

Gerade die großen Objekte des Skulpturenwegs sind ausdrücklich auch zum Anfassen da. Das Werk "Liegestuhl" von Stefan Esterbauer ist geradezu prädestiniert für eine Kletterpartie. An anderer Stelle steht "Selbsttragend" von Horst Renner. Drei längliche Stämme, die einander tragen und auf diese Weise eine dreigliedrige Brücke bilden, die ebenfalls gerne von Besuchern auf ihre Tragfähigkeit getestet wird. "Das soll zeigen, wie einfach es ist, Brücken zu bauen – auch zwischenmenschlich", erklärt Renner.

"Auf Mallorca kennt man sich besser aus"

Künstler Horst Renner (rechts) mit Joachim Keßler von den Bayerischen Staatsforsten (zum Vergrößern Bild anklicken)

"Waldeslust" ist eine Aktion der Bayerischen Staatsforsten. Am Anfang stand die Idee, Kunst in den Wald zu bringen. Weil sich dort Skulpturen besser eignen als Ölgemälde oder feine Schnitzereien, stand schnell fest, wo die Reise hingehen sollte. Bis zum Start der Kunstaktion dauerte es aber, auch als in Horst Renner bereits ein Kurator gefunden war, noch etwa ein Jahr. Mit der Unterstützung mehrerer Firmen aus der Region und den Städten und Gemeinden rund um den Altöttinger Forst konnte die Aktion dann im Sommer dieses Jahres starten.

Doch was treibt die Staatsforsten um, ihre Wälder in Galerien zu verwandeln? "Das Ziel des Spiels war es, dass die Leute sehen, dass sich was tut im Wald", erklärt Renner und Joachim Kessler von den Bayerischen Staatsforsten ergänzt: "Wir haben sonst immer nur unsere 'Stammkundschaft', wie zum Beispiel Jogger, die den Wald als Kulisse kennen." Die Bayerischen Staatsforsten wollten deshalb auch einmal anderen Menschen den Wald näherbringen. "Auf Mallorca kennt man sich fast besser aus als im Kastler Wald", so Keßler. Das Vorhaben, die Menschen mit einer Kunstaktion in den Wald zu locken, ist offenbar erfolgreich: Wie Keßler sagt, erzähle der Förster ständig, dass es Wahnsinn sei, was aktuell los ist im Wald. So viele Menschen kommen derzeit, um sich "Waldeslust" anzusehen.

Bürgermeister Hofauer grüßt aus einem Baumstamm

Hätten Sie ihn erkannt? Altöttings Bürgermeister Herbert Hofauer, kreiert von Alexander Brandmeyer (zum Vergrößern Bild anklicken)

Wer den Skulpturenweg vor Ort selbst in Augenschein nehmen möchte, muss Zeit mitbringen – und gut zu Fuß sein. Der Weg verläuft zwar entlang der Straßen im Altöttinger Forst und ist gut ausgeschildert. Allerdings erstreckt sich Waldeslust über mehrere Kilometer. Ideal ist es deshalb, den Weg zu Fuß nacheinander in Etappen von Altötting, Kastl und Emmerting aus anzusteuern. Eine sehr praktische Option ist das Fahrrad. Mit dem Auto darf der Skulpturenweg allerdings nicht befahren werden.

Unterwegs begegnet den Besuchern dann das ein oder andere bekannte Gesicht. Alexander Brandmeyer hat die Köpfe mehrerer Lokalpolitiker modelliert. Altöttings Bürgermeister Herbert Hofauer steht schon im Wald, die Köpfe weiterer Bürgermeister sowie Landrat Erwin Schneiders Haupt sind bereits modelliert und müssen nun noch gebrannt werden.

Ein Rundgang über den Skulpturenweg in Bildern:

Skulpturenweg Waldeslust im Altöttinger Forst

Werke wandeln ständig ihre Gestalt

Der Skulpturenweg wandelt also noch immer seine Gestalt. Zwei weitere Werke – "Specht" von Johann Löffelmann und "Engel" von Josef Kohlmeier – entstehen gerade, und das auf einer Lichtung mitten im Wald. Außerdem verändert sich mit den Jahreszeiten auch die Erscheinung der Kunstwerke. "Das schaut einfach jeden Tag anders aus", sagt Keßler. Sogar über den Tagesverlauf erscheinen die Objekte buchstäblich in einem anderen Licht. Das aus einem Stamm gehauene Werk "Abendsonne" von Charlie Hofschaller heißt nicht umsonst so, wird es doch Abends regelrecht von der Sonne angestrahlt.

Die Ausstellung läuft offiziell 2014 und 2015, was später mit den Kunstwerken passieren soll, ist noch unklar. Zumindest in den nächsten Monaten ist "Waldeslust" aber weiter für jedermann zu bestaunen. Schon bald steht der nächste große Wandel der Kunstwerke an. Im Winter kommt "Waldeslust" erstmals mit Schnee in Berührung.

Anmerkung der Redaktion:

In diesem Artikel stand ursprünglich, der Skulpturenweg könne mit dem Auto befahren werden. Dies ist nicht korrekt. Der Skulpturenweg darf tatsächlich nicht mit dem Auto befahren werden. Wir bitten, diesen Fehler zu entschuldigen.

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