500 Zuhörer im Altöttinger Kultur- und Kongressforum

Bürgermeisterkandidaten diskutieren über Altöttings Zukunft

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Volles Haus im Kultur- und Kongressforum bei der Podiumsdiskussion der drei Bürgermeisterkanidaten.

Mit großem Interesse verfolgten rund 500 Zuhörer am Sonntagabend im Altöttinger Kultur- und Kongressforum die Diskussion der drei Bürgermeisterkandidaten. Der langjährige Stadtrat und Jugendreferent Stephan Antwerpen(CSU) stellte sich in einer von Chefredakteur Erwin Schwarz vom Alt-Neuöttinger Anzeiger moderierten Diskussionsrunde den kommunalpolitischen Quereinsteigern Marco Keßler(SPD) und Marcel Seehuber("Die Liste").

Zu Beginn der über zwei Stunden dauernden Podiumsdiskussion wurden die Kandidaten vom Moderator Erwin Schwarz nochmals persönlich vorgestellt: 


Bei der Wahl am 15. März tritt der 55-jährige vierfache Familienvater, Berufsschullehrer, bei vielen Vereinen aktive Stadtrat und Jugendreferent Stephan Antwerpen (CSU) gegen die Konkurrenten von der SPD, Marco Keßler, und der unabhängigen Wählerliste "Die Liste", Marcel Seehuber, an. 

Der SPD-Kandidat Marco Keßler ist 45 Jahre alt, Vater von zwei erwachsenen Söhnen, selbständiger Bestattungsunternehmer, ebenfalls Mitglied in zahlreichen Lokalen Vereinen und sozial engagiert, hat aber kommunalpolitisch bisher lediglich interne Ämter bei der SPD ausgefüllt. 


Der dritte Kandidat ist der 43-jährige selbständige Kameramann und Filmemacher Marcel Seehuber aus Altötting, der noch weniger politische Erfahrung hat, allerdings in den letzten Jahren überregional schon durch teils prämierte politische Filme und Dokumentationen auf sich und Altötting aufmerksam gemacht hat.

In einer fast freundschaftlich anmutenden Debatte, die teilweise recht humorvoll geführt wurde, diskutierten die drei Kandidaten unter Anderem über die Wohnungsnot in Altötting. Besonders unterschiedlich fielen auch die Ansichten darüber aus, wie die Stadt und ihr Bürgermeister mit ihren weltlichen Möglichkeiten in Zukunft die kirchliche Geschichte Altöttings würdigen sollten und die Wallfahrt unterstützen könnten. 

Auch die Perspektiven der Naherholung, die Unterstützung der Vereine, die Entwicklung der Gewerbegebiete, der ÖPNV und die Verkehrspolitik und der Haushalt und seine Einsparpotentiale waren Themen. Zuhörer nahmen die Diskussion dabei höchst unterschiedlich wahr. So fand beispielsweise Kreishandwerksmeisterin Helga Wimmer die Diskussion "ganz lässig", während die Diskussion für Stadtrat Anton Dingl(FW) wegen weniger klarer Meinungsverschiedenheiten "flach" war. 

Hier eine kleine Übersicht der Themen und Stellungnahmen während und nach der Diskussion im Gespräch der Kandidaten:

Wohnraum in Altötting

Antwerpen: Wenig Entwicklungsmöglichkeiten durch fehlende Flächen, dennoch Versiegelung zusätzlicher Flächen vermeiden. Fachleute hinzuziehen, die (kirchliche) Eigentümer über sinnvolle Nutzungsmöglichkeiten ihrer Grundstücke beraten. 

Keßler: Mit den Grundstücksbesitzern reden. Grundstück an der Popengasse für günstige Wohnungen nutzen. 

Seehuber: Erfolgsmodell AMK und Sauriaßl-Syndikat fortsetzen, das Mitglieder von "Die Liste" vor über 10 Jahren als Verein gestartet haben. Muss dabei schon jetzt "viele harte Verhandlungen führen". 

Zukunft des Tourismus und der Wallfahrt (z.B. Shrines of Europe) 

Antwerpen: Modernes Hotel auf dem Grundstück an der Popengasse zur weiteren Unterstützung des Kultur- und Kongressforums. "Es kann nicht sein, dass Kongressteilnehmer in Unterneukirchen übernachten müssen". Das Spirituelle wiederbeleben um die Wallfahrt zu unterstützen, wie beispielsweise im Franziskushaus bereits praktiziert. 

Keßler: Will das Thema Anderen überlassen, da er zu wenig Erfahrung mit Partnerstädten und Shrines of Europe. Lieber Sozialwohnungen in der Popengasse, als noch ein Hotel. Will Heimatmuseum, das die weltliche Geschichte der Stadt beleuchtet. 

Seehuber: Sieht Shrines of Europe nicht als Lösung und würde sie an einen Referenten abgeben. Kennt Bettenzahl nicht, ist aber gegen noch ein weiteres Hotel, weil es schon genug gibt.

Verkehr und ÖPNV 

Antwerpen: Inneren Bereich um Kapellplatz, z.B. innere Mühldorfer Straße und Burghauser Straße verkehrsberuhigen um Fahrradfahren für Altöttinger attraktiver zu machen. Mehr Zebrastreifen. Verkehrssituation am westlichen Ende der Mühldorfer Straße unbefriedigend, möglicherweise großer Kreisverkehr auf Bundesstraße. Situation bei der Weiß-Ferdl-Schule entschärfen, "Schüler müssen nicht mit dem Auto bis vor die Haustüre gefahren werden". Insgesamt mehr Zebrastreifen. Ggf. "Bürgerwacht", um lokale Verkehrsraudis und notorische Falschparker einzubremsen. 

Keßler: Ist kein Radfahrer, will sich aber für Radlwege einsetzen. Es müssen Konzepte erarbeitet werden, vielleicht in Zusammenarbeit mit Nachbarstadt Neuötting, um Schulverkehr und andere Verkehrsbelastungen besser zu lösen. 

Seehuber: Im ganzen Stadtgebiet mehr 30-er Zonen und Überquerungshilfen für mehr Sicherheit. Übergeordnetes Verkehrskonzept erarbeiten: "Verkehrs- und Stadtplaner drüber schauen lassen". 

Wirtschaftliche Entwicklung und Haushalt 

Antwerpen: Vision eines modernen Gewerbezentrums zwischen Tillyplatz, innerer Bahnhofstraße, Reischlstraße und Trostberger Straße. Auch Gewerbegebiet an einem möglichen Bundesstraßenkreisel B299(siehe "Verkehr und ÖPNV") andenken. "Wir müssen Altötting für das Gewerbe attraktiv halten". Einsparpotentiale prüfen. 

Keßler: Kein kompaktes Konzept, "wird schwer". Will nach Möglichkeit überregionale Investoren finden. Kein neues Kino wegen zusätzlicher Verkehrsbelastung. 

Seehuber: Hält zum Beispiel Ordnungsgelder für möglich, wenn für gewerbliche Objekte nicht zügig passende Nachnutzung gefunden wird. Keine weiteren Gewerbegebiete, wenn dann nur in Zusammenarbeit mit der Nachbarstadt Neuötting. Kino in Zusammenarbeit mit Neuötting.

Naherholung

Antwerpen: Will keine Versprechungen machen, da Kosten für Badesee in Kiesgrube immens wären und es schon genügend beheizte Bäder und Badeseen in der Region gibt. Möglicherweise aber ehemaliges Bäderhaus südwestlich des Freibades wiederbeleben, ggf. auch als "Wellness-Tempel". 

Keßler: Kein konkretes Konzept für Naherholung. Am Parkfriedhof in Altötting "muss dringend was gemacht werden". 

Seehuber: Begrüßt Pläne zur Renaturierung von Kiesgruben und sieht diese bislang im Privatbesitz befindlichen Orte als künftige Naherholungsgebiete, die durch städtische Verordnungen auch sozialverträglich zu lösen wären. 

Vereine 

Antwerpen: Vereine und andere Initiativen, wie "Kultur im Park" sollen nach Maß gefördert werden. Allerdings solche neue Aktivitäten nicht durch städtischen Bürokratismus ersticken. Kann sich die Anstellung eines hauptamtlichen Ansprechpartners für die Vereine bei der Stadt vorstellen, "der die Ehrenamtlichen unterstützt".

Keßler: Städtischer Bauhof könnte als Vereinshaus ausgebaut werden, dass zum Beispiel die "ANTHA eigene Bühne" dort bekommt. Kein hauptamtlicher Vereinsmanager, "die dürfen jederzeit zu mir als Bürgermeister kommen". 

Seehuber: Hält einen hauptamtlichen Vereinskoordinator nicht für nötig, da man den Ehrenamtlichen auch eine "bessere Flasche Wein kaufen" kann. 

Insgesamt zeigten sich alle drei Kandidaten bei der Diskussion beredt und kommunikativ, versuchten aber konkrete Antworten auf Entscheidungsfragen zu vermeiden und erklärten lieber den ganzen Themenkomplex, um so ihre Weitsicht zu bekunden. Bedingt durch sein langjähriges kommunalpolitisches Engagement konnte Stephan Antwerpen dabei meist mit genauerer Sachkenntnis und konkreteren Vorschlägen punkten, während seine Konkurrenten gelegentlich mit ihren Visionen und grundlegenden Einstellungen für Applaus sorgten.

Peter Becker

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