Von einem dubiosen Angebot ist die Rede

AfD-Initiative: PFOA-Blutuntersuchung für 70 statt 125 Euro?

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Kastl/Landkreis Altötting – Der AfD-Kreisverband Altötting hat laut eines Berichtes der Passauer Neuen Presse (PNP) mit einer Flyer-Aktion Bürgerinnen und Bürgern aus Kastl ein Angebot zu einer behördenunabhängigen Blutuntersuchung auf PFOA gemacht. Nur 70 statt 125 Euro soll sie kosten und am Mittwochabend soll sie stattfinden. Von einem dubiosen Angebot ist die Rede.

Auf Nachfrage von innsalzach24.de erklären Oliver Multusch und Thomas Schwembauer (beide AfD), dass es sich tatsächlich um ein konkretes Angebot handle, das der Kreisverband Altötting den Bürgern des Landkreises mache. „Der Kreisverband Altötting der AfD startet diese Initiative erstens aufgrund der PFOA-Emissionen aus dem Chemiepark Gendorf und zweitens aufgrund der einjährigen Weigerung der Altparteien, der betroffenen Bevölkerung einen Weg zu eröffnen ihren persönlichen PFOA-Wert zu ermitteln“, heißt es dazu in einer Pressemitteilung.

Nur der Selbstkostenpreis soll fällig werden

Dahinter steht laut Multusch und Schwembauer eine Zusammenarbeit mit einem Mediziner mit Praxis in Altötting. Der hat offenbar den Kontakt zu einem entsprechenden Labor hergestellt, das diese Blutuntersuchung zu einem Selbstkostenpreis von 70 Euro anbietet. Niemand (außer natürlich diesem Labor) verdiene an der Aktion, nicht die Partei, nicht der Kreisverband der Partei und auch nicht der praktizierende Mediziner.

Ein Angebot an alle, die ihre Belastung mit PFOA wissen wollen

Der Mediziner, der hier nicht genannt werden will, erklärt auf Nachfrage von innsalzach24.de, dass er den Menschen, die verunsichert sind und ihre Belastung mit PFOA wissen wollen, in soweit zur Verfügung stehe, dass er als fachlich ausgebildete Person die Blutabnahmen vornehmen werde.

Ausschnitt vom Flyer, der in Kastl verteilt wurde.

Anonymisierte Laborergebnisse

Der Ablauf dieser Aktion ist laut Auskunft der AfD-Vertreter Multusch und Schwembauer so: 

  • Auf dem Flugblatt steht eine Handynummer. 
  • Die gehört einem Mitglied des AfD-Kreisverbands. 
  • Dort muss man anrufen und sich anmelden. Schließlich erfährt man seinen Termin für die Blutabnahme sowie den genauen Ort dafür. 

Der genaue Ort stehe noch nicht 100-prozentig fest. Das sei unter anderem abhängig von der Zahl der Anmeldungen. Auf Nachfrage von innsalzach24.de heißt es, dass die Blutabnahmen in Praxisräumen in Altötting stattfinden werden.

Die sensiblen Patientendaten werden den Aussagen nach so verschlüsselt, dass nur der Patient selbst sein eigenes PFOA-Ergebnis sehen kann. Es sei eben ein Angebot an die, die es gerne wissen und nicht erst darauf warten wollen, ob sie in die Gruppe derer kommen, die am geplanten Monitoring von 750 Freiwilligen im Landkreis Altötting teilnehmen können.

„(…) die Möglichkeit zu erhalten, die eigene Krebs-Prophylaxe anzupassen“

Der Kreisverband Altötting der AfD tritt im Gegensatz zu den Altparteien dafür ein, jedem interessierten Bürger im Landkreis die Möglichkeit zu geben, seine individuelle PFOA-Belastung im Blut bestimmen lassen zu können. Diese Notwendigkeiten ergeben sich schon aus dem Umstand, dass ein Bürger seine PFOA-Belastung kennen muss, um sein individuelles Krebs-Risiko überhaupt kennen zu können, und hiervon abhängig überhaupt erst die Möglichkeit zu erhalten, die eigene Krebs-Prophylaxe anzupassen“, heißt es weiter in der Pressemeldung des Kreisverbands der Partei.

„Ein völliger Schmarrn“

Das hat laut PNP Landrat Erwin Schneider (CSU) im Zusammenhang mit der Aktion der AfD gesagt. Das angekündigte Monitoring werde kommen und die Kosten werde der Freistaat übernehmen. Davon, dass sich Bürger an den Kosten direkt beteiligen müssen, könne keine Rede sein. Insgesamt 750 Personen aus fünf Gebieten im Landkreis sollen in punkto PFOA im Blut untersucht werden: demnächst und dann wieder nach drei bis vier Jahren. Dann ist laut Experten die Halbwertszeit von PFOA im menschlichen Körper erreicht. Es sollte sich eine Verbesserung zeigen. Für den Wasserversorger Kastl (betroffen sind Kastl und Tüßling) sind 150 Personen vorgesehen (75 Kastl/75 Tüßling).

So geht es weiter in Sachen PFOA in Kastl:

Das Landratsamt Altötting hat Ende November die entsprechende Baugenehmigungfür die Errichtung der Aktivkohlefilteranlage für die Brunnen in Kastl“ erteilt. Sie soll frühestens im Sommer dieses Jahres in Betrieb gehen. Mit so einer Anlage ist es möglich, den Leitwert für PFOA im Trinkwasser deutlich zu unterschreiten. Damit folgen die betroffenen Wasserversorger dem Expertenrat. Der Haupteintrag von PFOA in den Körper erfolgt nämlich über belastetes getrunkenes Trinkwasser. Duschen oder gar Wäsche damit zu waschen ist völlig unbedenklich genau wie der Genuss von Lebensmitteln aus dem Eigenanbau bzw. Anbau in der Region.

Gefragt, warum man die Flyer nur in Kastl verteilt hat, wo es doch ein Angebot an alle Bürger ist, heißt es vom AfD-Kreisverband, dass die eigenen Mittel (finanziell/Manpower) beschränkt seien. 

Rubriklistenbild: © picture-alliance / dpa/dpaweb

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