Abgedichtete Kanaldeckel in Kastl

Moosen: Das Abwasser ist belastet und: "Es stinkt nach Chemie"

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Ein Kanaldeckel im Gewerbegebiet in Kastl. Laut Bürgermeister Gottfried Mitterer sollen die Verschlüsse die Geruchsbelästigung minimieren.
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Kastl – Es gibt ein Problem im Gewerbegebiet Moosen. Dabei geht es um Abwasser und Geruchsbelästigung. Eine Tankreinigungsfirma steht dabei im Fokus. Jetzt wurden die Ergebnisse einer rund dreimonatigen Untersuchung vorgestellt.

Es ist ein schier nicht enden wollendes Werk an Parametern und Messwerten. Letztendlich geht es dabei um die Zusammensetzung des Abwassers aus dem Gewerbegebiet Moosen. Ein wesentlicher Punkt ist der CSB-Wert. Der ist mit 8400 mg/l viel zu hoch. CSB steht für "Chemischer Sauerstoffbedarf" "und ist als Summenparameter ein Maß für die Summe aller im Wasser vorhandenen, unter bestimmten Bedingungen oxidierbaren Stoffe wenn Sauerstoff das Oxidationsmittel wäre". Laienhaft gesagt: Je höher der CSB-Wert im Abwasser, desto schlechter.

Unübliche Zusammensetzung

Der von der Verwaltung der Gemeinde Kastl beauftragte Sachverständige für Wasserwirtschaft Horst Eger kommt zu dem Schluss dass der CSB-Wert im Abwasser des Gewerbegebietes Moosen im Untersuchungszeitraum von Mitte Oktober bis Mitte Januar meist über denen von kommunalem Abwasser lag, zeitweise gar mehrfach überhöht war. Auch bei den Salzen hatte er meist das ca. doppelte bis mehrfache vorgefunden als bei kommunalen Abwässern üblich. Eger fasst das so zusammen, dass die Zusammensetzung dieses Abwassers keinem kommunal üblichen Abwasser entspricht.

Toxisches Inhalationstrauma

Schon seit längerem steht eine im Gewerbegebiet Moosen ansässige Tankreinigungsfirma im Fokus. Der Grund hat erst einmal mit dem Abwasser offenbar nichts zu tun. Es sind die „Ausdünstungen“, die schwallartig von einer Halle auf dem Gelände der Firma auszugehen scheinen. Je nach Wind und Wetter zieht dann ein süß-säuerlich, chemisch riechender Dunst von der Anhöhe Moosen teilweise bis in den eigentlichen Ort.

Mitarbeiter eines Nachbarbetriebes und Bewohner von Betriebswohnungen im Gewerbegebiet Moosen fühlen sich gestört, gar bei ihrer Arbeit beeinträchtigt. Das ging einem Bericht, der innsalzach24.de vorliegt, sogar bis zu einem Notarzteinsatz. Der Befund: Toxisches Inhalationstrauma.

Inhalationstrauma "bezeichnet ein Thoraxtrauma durch Einatmen von ätzenden, giftigen, heißen oder tiefkalten Gasen oder Aerosolen. Hierbei kann es zu einer Schädigung der oberen und unteren Atemwege sowie der Lunge kommen.[1] Man unterscheidet nach der Ursache des Traumas drei Formen:

  • Das thermische Inhalationstrauma
  • Das chemische Inhalationstrauma
  • Das toxische Inhalationstrauma"

„Der Geruch war sehr deutlich“

Ein sehr hoher CSB-Wert im Abwasser sagt - vereinfacht gesagt - aus, dass gerade viel belastetes Abwasser im Kanal ist. Ein Klärwerker sagt auf Nachfrage von innsalzach24.de, dass man belastetes Abwasser geruchlich durchaus wahrnehmen könne. Einen direkten Zusammenhang zwischen hohem CSB-Wert und Geruchsbelästigung könne aber nicht bestätigen.

Auf erste Nachfrage bei der Tankreinigungsfirma sagt ein Sprecher dazu, dass das Kanalnetz im Gewerbegebiet Moosen überdimensioniert sei. Anders gesagt: Es werde zu wenig Abwasser eingeleitet. Die Folge: Das Abwasser der Tankreinigungsfirma könne – obwohl mit Wasser nachgespült - nicht schnell genug ablaufen. So könne er zwei offenbar wesentliche Tage von Geruchsbelästigung erklären, wie beispielsweise den 8. Dezember. Da war ein CSB-Wert von 8.400 mg/l gemessen worden. Recherchen von innsalzach24.de zufolge sind zwischen 1.000 und 1.200 normal. Weitere Auskünfte von der Tankreinigungsfirma soll es Anfang nächster Woche von einem weiteren Sprecher geben.

Der Sachverständige berichtet: „Geruch vor Ort wurde bei den zwei (im Untersuchungszeitraum jeweils) wöchentlichen Besuchen zeitweise, entsprechend den Probeninhalten wahrgenommen.“ Zum 8. Dezember sagt er: „(Der Geruch war) kurz nach dem Kreisverkehr an der Straße am Wald sehr deutlich, weshalb zu den hohen Werten der ´Kleinanalyse´ eine große Untersuchung angeordnet wurde.“

Das sagt die Genehmigungs- und Aufsichtsbehörde:

Nach dem Bundes-Immissionschutzgesetz ist das Landratsamt Altötting Genehmigungs- und Überwachungsbehörde für derartige Anlagen zur Innenreinigung von Tankfahrzeugen. Von dort heißt es weiter: „Das Landratsamt als untere Wasserrechtsbehörde überwacht die Erfüllung der öffentlich-rechtlichen Verpflichtungen, die entsprechend wasserrechtlicher Bestimmungen einzuhalten sind.

Seit Inbetriebnahme der Tankreinigung habe es wiederkehrend Beschwerden von den umliegenden Anwesen (Wohngebäude und/oder Gewerbebetriebe) über Geruchsbelästigungen gegeben. „Diesen Beschwerden wurde mit der gebotenen Sorgfalt durch Anforderung und Sichtung von Betreiberunterlagen, aber v.a. durch eine Vielzahl von Ortseinsichten - unangekündigt wie angemeldet - nachgegangen.“ Ein Sprecher der gegenständlichen Firma sprach von rund 50 Besuchen von Kontrollbehörden-Seite.

Insbesondere die vor-Ort Termine in unterschiedlichster zeitlicher Intensität erbrachten jedoch regelmäßig keine Anhaltspunkte für eine nicht bescheidkonforme Betriebsweise der Tankreinigungsanlage“, so die Auskunft vom Landratsamt. „Ergänzend ergingen an den Betreiber jüngst wasser- und immissionsschutzrechtliche Änderungsbescheide, mit welchen der bisherige Auflagenkatalog angepasst und optimiert wurde.

Gemäß den Ausführungen der im jeweiligen Änderungsverfahren beteiligten Fachgutachter sind bei genehmigungskonformem Anlagenbetrieb keine gesundheitlichen Beeinträchtigungen für die Anwohner zu erwarten und betriebsbedingt entstehende Geruchsimmissionen nicht als erheblich im Sinne des Bundes-Immissionsschutzgesetzes zu werten“, so das Landratsamt.

Das sagt der Bürgermeister:

Gottfried Mitterer sagt auf Nachfrage von innsalzach24.de am Donnerstagnachmittag, dass es demnächst "ein konstruktives Gespräch" zu diesem Thema geben werde. Daran werden alle Fachbehörden, der Sachverständige, er selbst und auch der Betreiber der Tankreinigung teilnehmen, so Mitterer. Ziel sei es, gemeinsam ein Lösung zu finden. Es werde wohl a) um die Ergebnisse der Abwasser-Untersuchungen gehen aber auch b) um die Beschwerden der Nachbarn der Tankreinigung im Gewerbegebiet Moosen wie auch um die von Bürgern aus Kastl. 

Mehr zu diesem Thema lesen Sie am Freitag.

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