Innenminister lobt Katastrophenschützer

+
EU-Pläne zu eigenen Katastrophenschutzeinheiten nannte Herrmann eine Fehlentwicklung.

Mühldorf/Altötting - "Es ist großartig, was es in Bayern an ehrenamtlicher Einsatzbereitschaft gibt. Das ist unbezahlbar", lobt Innenminister Joachim Herrmann in Altötting die Katastrophenschützer.

Gemeinsam mit dem CSU-Bundestagsabgeordneten Stephan Mayer, der das Forum "Bevölkerungs- und Katastrophenschutz" im Altöttinger Hotel "Zur Post" initiiert hatte, informierte Herrmann über aktuelle Entwicklungen im Zivil- und Katastrophenschutz und beantwortete Fragen der geladenen Vertreter von Feuerwehren, Rettungsdiesten und THW.

Großes Thema war der neue Feuerwehrführerschein, mit dem es Mitgliedern von Feuerwehren und anderen Hilfsorganisation, nach interner Schulung, gestattet wird Fahrzeuge bis 7,5 Tonnen zu führen (wir berichteten). Einzige Voraussetzung ist, neben der Einweisung und Eignung, der Besitz der Führerscheinklasse B, also eines Pkw-Führerscheins. Innenminister Herrmann erklärte, dass dieser Führerschein notwendig geworden sei, um die Einsatzbereitschaft der verschiedenen Organisaitionen sicher zu stellen. Die Problematik hatte sich ergeben, da nach dem Wegfall der alten Führerscheinklasse 3 immer weniger junge Menschen einen Lkw-Führerschein, zum Bewegen der Einsatzfahrzeuge, besitzen.

Hermann sagte, er sei froh, dass das Gesetz, nach jahrelangen bayerischen Bemühungen, endlich Bundesrat und Bundestag passiert hat. Weiterhin berichtete er, dass sich der bayerische Ministerrat in dieser Woche mit der bayerischen Ausführungsverordnung befassen werde und dann zeitnah mit der Ausbildung der neuen Fahrer begonnen werden könne.

Weiterhin thematisierte er den Wegfall der Wehrpflicht, der nach seinen Worten besonders das Technische Hilfswerk als Zivil- und Katastrophenschutzorganisation des Bundes betreffen werde. Rund ein Drittel der aktiven Helferschaft leisteten bisher ihren Dienst beim THW, als Ersatz zum Dienst bei der Bundeswehr. "Der Wegfall wird sich sicherlich nicht von einem Tag auf den anderen bemerkbar machen, aber wir stehen vor einer großen Herausforderung, über Jahre hinweg", sagte er. Bei der Feuerwehr habe man derzeit kein akutes Nachwuchsproblem, jedoch müsse man auch hier vorbeugend tätig werden und Werbung betreiben, sagte Herrmann. Weiter sagte der Minister. "Wir müssen in der Bevölkerung deutlich machen, wie wichtig das Ehrenamt ist, aber auch zeigen, wie viel Spaß das Engagement bei Feuerwehren, Rettungsdiensten und THW machen kann".

Stephan Mayer schlug in diesem Zusammenhang vor, sich Gedanken zu machen, wie das Ehrenamt noch attraktiver gestaltet werden könne. Es müssten auf allen politischen Ebenen auch unkonventionelle Dinge gedacht werden. Möglich wäre nach seinen Worten Aktiven in Feuerwehr, Rettungsdiensten und THW, Vorteile bei der Studienplatzvergabe einzuräumen oder zusätzliche Anreize bei der Altersvorsorge zu schaffen.

Kurz ging Herrmann anschließend auf die Pläne der EU ein, eigene Katastrophenschutz-Einheiten aufzustellen, was er als absolute Fehlentwicklung betrachtet. Weitere Fragen befassten sich mit der Notstrom-Absicherung der neuen Digitalfunkmasten, die nach Wissen des Ministers gesichert sei, und der Übernahme von Betriebskosten bei den Rettungsdiensten durch den Staat. Dies sei, so Joachim Herrmann, eine Aufgabe der Krankenkassen und nicht des Staates. Gleichzeitig betonte er jedoch, dass eine Förderung des Ehrenamtes sehr wohl im Sinne des Staates sei.

ago/Mühldorfer Anzeiger

Zurück zur Übersicht: Region Alt-/Neuötting

Das könnte Sie auch interessieren

Kommentare

Live: Top-Artikel unserer Leser