A94: Immer wieder Geisterfahrer

Landkreis - Am vergangenen Sonntag fuhr ein 52-Jähriger falsch auf die A94 auf und wurde zum Geisterfahrer. Ein Phänomen, das sich auf der Autobahn im Landkreis häuft.

"Die Masse der Geisterfahrer ist mit dem Straßenverkehr der heutigen Zeit überfordert", erklärt Johann Ertl, Erster Polizeihauptkommissar an der Verkehrspolizeiinspektion Traunstein. Dieser Aspekt würde vor allem ältere Autofahrer betreffen. "Bei jungen Geisterfahrern sind die Ursachen oft Alkohol oder Drogen", so der Fachmann. In seltenen Fällen seien Mutproben oder Selbstmord-Absichten schuld daran, dass jemand falsch herum auf die Autobahn auffahren würde.

Die Festnahme eines Geisterfahrers sei schwierig. Von 20 hätten die Beamten auf der A94 zwischen Marktl und Ampfing in den Jahren 2009 und 2010 lediglich Neun erwischt. "Wenn niemand zu Schaden kommt, handelt es sich um eine Ordnungswidrigkeit, die mit 400 bis 500 Euro Bußgeld bestraft wird", erklärt Ertl. Wird jemand konkret gefährdet, sei es eine Straftat, die vor Gericht verhandelt werden müsse.

"Der Bereich zwischen Marktl und Ampfing der A94 ist einer unserer Schwerpunkte in Südostbayern", meint der Beamte. Zehn bis 15 Geisterfahrer seien im Durchschnitt hier jährlich unterwegs. Zwei bis vier seien es vergleichsweise auf der A8 im Bereich München - Salzburg. "Das liegt vielleicht am größen Verkehrsaufkommen auf der A8, genau kann man das aber nicht sagen." Eine leere Autobahn würde eher zum Falschfahren verleiten als eine vielbefahrene.

Von März 2007 bis heute zählten die Beamten insgesamt 41 Geisterfahrer auf der A94. 13 davon und somit die meisten seien an der Anschlussstelle Altötting auf die Autobahn aufgefahren. Woran das liege, sei laut Ertl aber unklar. 

Um künftig die Zahl der Geisterfahrer auf der A94 zu minimieren, seien schon einige Maßnahmen getroffen worden. "Wir haben sogar die Reflektoren an den Straßenpfosten auf der Falschfahrerseite entfernt. Die Zahl der Geisterfahrer ist mittlerweile auch gesunken, im Vergleich zu anderen Autobahnen ist sie aber immer noch zu hoch."

Darum findet auch das Pilotprojekt, auf das sich der bayerische Innenminister Joachim Hermann und Bundesverkehrsminister Peter Ramsauer kürzlich geeinigt haben, großen Anklang bei dem Hauptkommissar: An der Autobahn 3 von der deutsch-österreichischen Grenze bis zum Autobahnkreuz Deggendorf und an der A8 von der Bundesgrenze bis zum Chiemsee sollen große gelbe Warnschilder aufgestellt werden, auf denen eine schwarze Hand mit einem roten "Einfahrt-verboten"-Schild abgebildet ist. Zusätzlich ist der Schriftzug "STOP-FALSCH" zu lesen.

"Wenn wir mit solchen Schildern auch nur einen Geisterfahrer verhüten können, lohnen sie sich", sagt Ertl. "Ich werde dafür kämpfen, dass die Betroffenen den Pilotversuch auch auf die A94 ausweiten. Denn wenn ich wieder einmal wegen eines Geisterfahrers die Angehörigen eines Unfallopfers besuchen muss, will ich mir nicht vorwerfen, ich hätte nicht alles versucht, um den Unfall zu verhindern."

Anette Mrugala

Rubriklistenbild: © Anette Mrugala

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