Offener Brief an Ramsauer

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Burgkirchen - Bundesverkehrsminister Dr. Peter Ramsauer wird am kommenden Samstag das elektronische Stellwerk Kastl symbolisch in Betrieb nehmen. Im Vorfeld haben die Gendorfer Betriebsräte einen offenen Brief an ihn geschrieben.

Lesen Sie hier den Brief der Gendorfer Betriebsräte an Bundesverkehrsminister Dr. Peter Ramsauer:

 

An Herrn Dr. Peter Ramsauer, Bundesminister für Verkehr, Bau und Stadtentwicklung.

Arbeitnehmer fordern wettbewerbsfähige Infrastruktur für das südostbayerische Chemiedreieck!

 

Sehr geehrter Herr Bundesminister,

am Industriepark Werk GENDORF mit den Unternehmen Clariant, Dyneon, Gore, InfraServ Gendorf, Klöckner Pentaplast, Linde und Vinnolit sind derzeit ca. 4000 Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmer beschäftigt. Damit ist der Industriepark nach der Wacker AG der zweitgrößte Arbeitgeber des südostbayerischen Chemiedreiecks. Diese 4000 Beschäftigten und ihre Familien fordern von der Bundesregierung den schnellstmöglichen Ausbau der A94 und den elektrifizierten, zweigleisigen Ausbau der Bahnverbindung zwischen München und Burghausen.

Hintergrund dieser Forderung ist die Angst um ihre Arbeitsplätze. Nach jahrzehntelanger Hinhaltetaktik ist das Vertrauen in die Bundesregierung, was die Versprechen zum Ausbau der Infrastruktur betreffen, fast gänzlich verschwunden. Dieser Vertrauensverlust ist jedoch nicht nur bei den Arbeitnehmern zu verspüren, auch auf Seiten der Arbeitgeber schwindet das Vertrauen kontinuierlich, was sich nachhaltig auf die Arbeitsplätze auswirken wird.

Wenn Investitionsentscheidungen auf Grund mangelhafter Infrastruktur nicht mehr zu Gunsten des Industrieparks fallen, kann der Status Quo nicht gehalten werden, es beginnt ein gnadenloser Rückzug aus dem Standort, der Region und letztlich aus Deutschland. Investitionen bedeuten Arbeitsplätze, ohne Investitionen stirbt der Standort, verschwinden die Arbeitsplätze und geht einer der wirtschaftlich stärksten Industrieparks in Bayern zu Grunde.

Deshalb fordern die Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmer verlässliche Aussagen zu folgenden Punkten:

1. Wann ist der Ausbau der Bundesautobahn A94 definitiv fertig, und nicht, wann könnte er fertig sein? Hier geht es nach den rechtlichen Grundlagen, die jetzt zum Großteil geschaffen wurden, „nur“ noch um die Finanzierung. Und hier ist die von der Bundesregierung lange vergessene Region des südostbayerischen Chemiedreiecks nun endlich einmal am Zuge.

2. Wann steht die durchgängige Finanzierung für die Planung und Realisierung des zweigleisigen Bahnausbaus zwischen München und Burghausen, der schon vor mehr als 100 Jahren vorgeschlagen wurde, fest? Damit einhergehen muss die lückenlose Elektrifizierung der Strecke inklusive aller notwendigen Schallschutzmaßnahmen. Auch hier fordern die Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmer, die allesamt gute Steuerzahler sind, verlässliche Zusagen. Der Ausbau der Bahnstrecke ist für den Erhalt der Arbeitsplätze in der Region noch entscheidender als die Autobahnanbindung. Begegnungsabschnitte und elektronische Stellwerke sind „schön zu haben“, beseitigen jedoch nicht das eigentliche Problem.

3. Wann wird die Walpertskirchener Spange gebaut? Wir fordern eine zeitgemäße, den heutigen Standards entsprechende Anbindung des südostbayerischen Chemiedreieckes an den Flughafen München.

Sehr geehrter Herr Dr. Ramsauer, trotz der durch die Bundesregierung viel zu lange vernachlässigten Infrastruktur hat sich die chemische Industrie am Industriepark Werk GENDORF erfolgreich behauptet. Durch die Investitionstätigkeiten der Unternehmen und der damit einhergehenden Produktionserweiterungen der letzten Jahre ist die ohnehin schon mangelhafte Verkehresanbindung jetzt aber endgültig am Ende ihrer Belastbarkeit angekommen. Zukünftige Investitionen werden auf Grund der mangelhaften Infrastruktur massiv hinterfragt. Ich hoffe, Sie erkennen, wie uns die derzeitige Situation emotional bewegt. Die Arbeitnehmer des Industrieparks Werk GENDORF schätzen den Einsatz der Bundestagsmitglieder der Region zur Verbesserung der Infrastruktur sehr. Sie kennen die Ängste und Nöte der Menschen vor Ort. Bitte schenken Sie ihnen und uns Ihr Gehör.

 

Michael Schnabl

Betriebsratsvorsitzender der InfraServ GmbH & Co. Gendorf KG u. Sprecher der Betriebsräte-Arbeitsgemeinschaft am Industriepark Werk Gendorf

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