Gefährden Arbeitgeber Feuerwehreinsätze?

Landkreis - Die Freiwilligen Feuerwehren sehen ihre Einsätze gefährdet. Denn immer mehr berufstätige Einsatzkräfte werden von ihren Arbeitgebern nicht mehr für einen Einsatz unter der Arbeitszeit freigestellt.

"Im Landkreis Altötting ist es genauso wie im übrigen Bayern: Es gibt immer wieder Probleme, wenn berufstätige Einsatzkräfte der Freiwilligen Feuerwehren vom Arbeitgeber freigestellt werden sollen", meint Werner Huber, Kreisbrandrat für den Landkreis Altötting. Die Schwierigkeit habe sich in den letzten Jahren verschlimmert, die Feuerwehren bekämen heute nur wenig Unterstützung von den Arbeitgebern. "Die mittelständischen und kleinen Betriebe kommen uns noch eher entgegen, bei den großen gibt es eigentlich keine Chance", so der Kreisbrandrat.

Im Landkreis Mühldorf bietet sich dasselbe Bild, wie Kreisbrandrat Karl Neulinger bestätigt. "Die Alarmsicherheit tagsüber ist ein Thema. Nachts und am Wochenende sind eigentlich genug Einsatzkräfte verfügbar." Problematisch seien nicht nur die unkooperativen Arbeitgeber, sondern auch die Tatsache, dass viele Feuerwehrmänner und -frauen Pendler seien. "Sie sind dann tagsüber gar nicht in der Nähe des Einsatzortes und scheiden somit komplett aus", sagt Neulinger.

Die Arbeitgeber könne Neulinger aber auch verstehen. "Heute hängt vieles von einem Arbeiter ab. Zieht man beispielsweise einen Dreher von einer Maschine ab, steht die gesamte Produktion still." Früher seien viele Landwirte Mitglieder der Feuerwehr gewesen, die sich ihre Zeit selbst einteilen konnten. Aktuell könnten das viele Einsatzkräfte nicht.

"Nach einem nächtlichen Einsatz haben die Arbeitgeber auch mal Urlaub gegeben, das ist jetzt undenkbar", berichtet Werner Huber. Sicher habe es etwas damit zu tun, dass viele Firmen momentan weniger Personal beschäftigen würden als noch vor einigen Jahren.

Die Lösung liegt für die Feuerwehren derzeit in der gemeindeübergreifenden Zusammenarbeit. "So müssen zu einem Einsatz eben die Feuerwehren aus zwei oder drei Gemeinden ausrücken. Anders geht es nicht", betont Huber. Gespräche mit den Arbeitgebern werden immer wieder geführt, oft würden sie aber nichts bringen.

"Wir versuchen unsere aktive Mannschaft mit Jugendlichen zu verstärken", erklärt Karl Neulinger. Dank der guten Jugendarbeit im Landkreis Mühldorf könne der Stand an Einsatzkräften gehalten werden. Trotzdem werde es immer schwieriger, Jugendliche für die Feuerwehr zu gewinnen.

Auf längere Sicht sind die Einsätze der Freiwilligen Feuerwehren gefährdet. Das befürchten die Kreisbrandräte beider Landkreise. "Die Politik wäre hier gefordert", so Huber. In erster Linie sind aber die Betriebe gefordert: Sie sollten alles daran setzen, den Einsatzkräften eine Freistellung zu ermöglichen.

Anette Mrugala

Rubriklistenbild: © dpa

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