Neue Variante soll weiter verfolgt werden 

Enorme Preissteigerung beim Hochwasserschutz in Neuötting

Der Mörnbach in Neuötting wäre ohne Hochwasserschutz-Maßnahmen eine Gefahr.
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Der Mörnbach in Neuötting wäre ohne Hochwasserschutz-Maßnahmen eine Gefahr. Bei einem Jahrhunderthochwasser kalkulieren die Planer mit einem benötigtem Wasserabfluss von 42,5 Kubikmeter pro Sekunde. Aktuelle Messungen ergeben jedoch in einzelnen Bereichen nur einen maximalen Wert von 7,5.

In der Stadtratssitzung vom Donnerstag, 15. April, stellte das Wasserwirtschaftsamt Traunstein den aktuellen Planungsstand und mögliche Varianten für einen Hochwasserschutz in Neuötting vor. Auch wenn nun eine neue und damit die kostengünstigste Alternative verfolgt werden soll, liegen die Kosten hierfür deutlich über den ursprünglichen Planungen.

Neuötting - Die ersten Planungen aus dem Jahr 2017 von Gesamtkosten sind von rund 14,5 Millionen Euro ausgegangen. Nun liegen die einzelnen Varianten grob geschätzt zwischen 37,8 Millionen und 55 Millionen Euro. Die damaligen Kosten seien laut Walter Raith, Leiter Wasserwirtschaftsamt Traunstein, nicht mehr haltbar.

Neue Variante für Hochwasserschutz in Neuötting - Kosten wurden unterschätzt

Die damaligen Zahlen beruhen noch auf Planungen aus dem Jahr 2015. Man habe den Grunderwerb unterschätzt und die Baukosten seien rasant gestiegen. Auch der innerstädtische Ausbau bei zwei Varianten sei wesentlich teurer als zunächst angenommen. Dabei müssten zwischen 32 und 41 Brücken im Stadtgebiet von Alt- und Neuötting angehoben werden. Eine Lösung mit einem Rückhaltebecken ohne innerstädtischen Ausbau wäre aufgrund der benötigten Fläche nicht möglich.

Daher habe man die Planungen nochmals überdacht und sei auf eine neue Variante gestoßen, die zugleich auch die kostengünstigste ist. Bei dieser soll der Mörnbach vor Altötting in den Inn übergeleitet werden. Bis zur B299 soll dies unterirdisch erfolgen, ehe es entlang der Bundesstraße mithilfe einer Flutmulde abfließen kann. Ohne Hochwasser könnte diese Grube zum Beispiel auch als Radweg fungieren. Die Wassermenge wäre für den Inn nur maginal. Die Fläche über dem unterirdischen Kanal könnte weiterhin landwirtschaftlich genutzt werden.

Hochwasserschutz sei für Horst Schwarzer (CSU) sehr wichtig. Schon bei den ersten Planungen hätte es vom Gremium Überlegungen mit einer Überleitung zum Inn gegeben. Man müsse die Stadtgebiete rechtzeitig abschotten, um möglichst wenig bis gar keinen Schaden zu haben. Damals wären allerdings laut dem Wasserwirtschaftsamt noch Tüßling und Teising beteiligt gewesen und eine Überleitung wäre dann nicht möglich gewesen.

Rund 19 Millionen Euro müssen sich Alt- und Neuötting aufteilen

Die Kosten von rund 37,8 Millionen Euro würde laut Raith zur Hälfte vom Freistaat Bayern übernommen, die andere Hälfte müssten sich in diesem Fall Alt- und Neuötting aufteilen. Bei der ursprünglichen Planung wären die Kosten für die jeweilige Stadt anhand der lokalen Baumaßnahmen berechnet worden. Dies sei mit der Überleitung in den Inn aber hinfällig. Die Kosten würden sich dann nach den Schadenspotentiale der jeweiligen Stadt richten. Genaue Zahlen könne Raith erst in zwei Jahren nennen, wenn die konkreten Planungen abgeschlossen sind.

Damals waren rund 2,5 Millionen Euro für Neuötting im Gespräch. Diese Summe dürfte auf mindestens sieben Millionen Euro ansteigen. Claudia Hann (CSU) war über die enorme Kostensteigerung sehr verwundert und erkundigte sich, ob es denn in ein paar Jahren noch höher sein könnte. Laut Raith habe man jetzt bereits höher kalkuliert und einen Puffer eingeplant. Zudem gebe es bei der bevorzugten Variante wenig Projektunsicherheiten.

Trotz hoher Kosten stimmen beide Städte für weitere Planung

Projektleiter Richard Heinz hält einen Baubeginn in sechs Jahren für realistisch, gefolgt von zwei Jahren Bauzeit. Einen Zwang für diese Maßnahmen gebe es aber nicht. Der Freistaat Bayern sei hier nur verpflichtet, wenn die Kosten der betroffenen Kommunen geklärt sind. Altöttings Bürgermeister Stephan Antwerpen war über die neuen Kostenschätzungen schockiert, dennoch hält es der Stadtrat der Kreisstadt für eine notwendige Maßnahme.

Auch für Bürgermeister Peter Haugeneder sei es letztlich egal, ob es am Ende sieben oder acht Millionen Euro kostet. Wie Jürgen Gastel (SPD) sehe er darin eine Aufwertung der Überschwemmungsgebiete. Daher sollte man die Planungen „vordringlich“ und „ernsthaft“ weiterführen. Das sahen auch alle anderen Mitglieder im Stadtrat so und stimmten einstimmig für die Weiterverfolgung der Planungen.

jz

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