Debatte im Stadtrat

Kommt die Hochschule nach Neuötting?

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Lernen schon in wenigen Jahren hunderte Studenten in Neuötting? Stadtrat Martin Ober findet, die Stadt sollte sich zumindest um die Hochschule bemühen.
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Neuötting - Der Landkreis bekommt eine Hochschule, Burghausen ist der große Favorit. Jetzt bringt sich (vielleicht) auch Neuötting als Hochschulstandort ins Gespräch.

Es war eine großartige Nachricht für die gesamte Region: Am Dienstag machte das bayerische Kabinett den Weg frei für Hochschulstandorte in Mühldorf, Pfarrkirchen (Landkreis Rottal-Inn) und im Landkreis Altötting. Bis zu 500 Studenten könnten künftig in vier dualen Studiengängen im Landkreis Altötting studieren. Noch steht nicht fest, wo genau die Hochschule angesiedelt werden soll, heißer Kandidat scheint gegenwärtig die Stadt Burghausen zu sein. Bürgermeister Hans Steindl gab sich am Mittwoch im Stadtrat bereits recht selbstbewusst, sprach davon, dass die Bildungseinrichtung Chance und Privileg sei.

Womöglich bekommt Burghausen nun aber Konkurrenz von unerwarteter Seite. Der Neuöttinger Stadtrat Martin Ober (Grüne) hat in der Sitzung des Gremiums am Donnerstagabend beantragt, dass sich Neuötting um die Hochschule bewirbt. Eine Hochschule in Neuötting sei eine "Riesenchance", der Stadt eine neue Ausrichtung zu geben, erklärte Ober am Abend im Stadtrat. Die Vorteile könne man auf die Schnelle gar nicht abschätzen. Ziel sei, die Hochschule nach Neuötting oder ins Mittelzentrum Alt-/Neuötting zu holen.

Gastel: Visionen sollten realitätsnah sei

Im Gremium gab es für Obers Vorstoß ein positives Echo, gemischt mit einigen vorsichtigen Stimmen. "Der Zug ist im Rollen seit einigen Jahren, aber ist noch nicht abgefahren", sagte Veit Hartsperger. Der CSU-Stadtrat möchte die Überlegungen aber nicht auf die Hochschule beschränken, sondern auf die Fach- und Berufsoberschule ausweiten. "Ich finde, solche Dinge sind sehr, sehr passend für eine Altstadt." Wichtige Fragen seien allerdings die des Wohnraums, der Einkaufs- und Parkmöglichkeiten. "Wir sollten uns generell mit einer Art Stadtentwicklungskonzept beschäftigen", sagte Hartsperger, der zudem dafür plädierte, den Kontakt mit der Stadt Altötting zu suchen.

Skeptisch äußerte sich SPD-Fraktionssprecher Jürgen Gastel. Einerseits sei der Antrag von Ober schwer abzulehnen. Andererseits sollten Visionen in der Kommunalpolitik realitätsnah sein, so Gastel. Es sei schwierig, auf einen rollenden Zug aufzuspringen. "Wer hat den Zug denn ins Rollen gebracht?", fragte Gastel rhetorisch. Der SPD-Fraktionssprecher hält es der Stadt Burghausen gegenüber nicht für fair, jetzt auf den Zug aufzuspringen. Zudem verfüge man über keinen für eine Hochschule erforderlichen funktionierenden öffentlichen Nahverkehr. Realistischer bewertet Gastel die Ansiedlung der FOS/BOS in Neuötting, den Antrag Obers bewertet er deshalb als "Initiativantrag".

Mayer regt fraktionsübergreifenden Antrag an

Auch Bürgermeister Peter Haugeneder (SPD) bremste die Erwartungen ein wenig. Bei der Standortdebatte sei zwar "Ergebnisoffenheit" gegeben. Andererseits seien "gewisse Züge auf dem Gleis". Stadtrat Stephan Mayer (CSU) schlug vor, den Antrag zurückzustellen, sich zusammenzusetzen und einen gemeinsamen, fraktionsübergreifenden Antrag zu erarbeiten. "Ich befürworte die Grundintention des Antrags, den Standort Neuötting zu stärken", sagte Mayer. Er glaube aber, dass für einen Standort in Burghausen viel spreche. Zudem könnte die Stadt Burghausen einen Neuöttinger Vorstoß als "Affront" betrachten. Mayer würde den Antrag deshalb gerne "vom Spektrum her" noch erweitern, "um dem Antrag noch mehr Stärke zu verleihen".

Nach kurzer Diskussion beschloss das Gremium schließlich einstimmig, Mayers Vorschlag zu folgen. Nächste Woche soll sich eine Arbeitsgruppe zusammensetzen und über einen gemeinsamen Antrag beraten. Die Ergebnisse der Arbeitsgruppe sollen dann in der kommenden Stadtratssitzung Thema sein.

Ober konnte mit diesem Kompromiss zwar leben, war aber skeptisch, ob das das richtige Vorgehen ist. Er hätte gerne schon jetzt etwas Greifbares gehabt, erklärte Ober. "Ich bin der Meinung, die Zeit läuft - die Zeit rennt in diesem Fall."

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