Kandidatenvorstellung Bundestagswahl 2017

Steckbrief-Fragebogen: Peter Uldahl (Bündnis 90/Die Grünen) 

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Kandidiert für die Grünen um ein Direktmandat: Peter Uldahl. 

Altötting/Mühldorf - Am Sonntag, 24. September, wird in Deutschland ein neuer Bundestag gewählt. Im Wahlkreis Altötting (212) bewerben sich acht Kandidaten um das Direktmandat. Wir stellen alle Kandidaten einzeln vor - heute: Peter Uldahl (Bündnis 90/Die Grünen). 

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Die Antworten auf den Fragebogen von innsalzach24.de

Name? 

Peter Uldahl 

Partei? 

Bündnis 90/Die Grünen 

Alter? 

53 Jahre jung 

Wohnort? 

Ampfing 

Familienstand? 

seit 26 Jahren glücklich verheiratet mit derselben wunderbaren Frau 

Anzahl Kinder? 

1 erwachsener Sohn 

(Erlernter) Beruf/Studium? 

Ich arbeite in München als Verkaufsrepräsentant in einer Firma, die Großküchentechnik verkauft. Vorher war ich in der Gastronomie tätig und bin gelernter Küchenmeister. 

Politische Karriere? 

Live-Debatte: 

Mir ist Basisdemokratie sehr wichtig, deshalb bin ich hier in der Region auf Kreisebene aktiv. Seit April 2008 bin ich Vorstandssprecher des grünen Kreisverbandes in Mühldorf. Mai 2014 wurde ich in den Kreistag im Landkreis Mühldorf gewählt, dort bin ich im Ausschuss für Umwelt, Nahverkehr, Natur und Tourismus tätig. 2009 bin ich schon einmal als Direktkandidat für die Bundestagswahl angetreten und habe 8% der Stimmen erhalten. 

Vorbilder in der Politik? 

Willy Brandt - durch seine vorausschauende Ostpolitik konnte der Kalte Krieg in Europa beendet werden. 

Was verbindet Sie mit unserer Region? Was ist das Besondere bei uns? 

In meiner Kindheit bin ich mit meiner Familie kreuz und quer durch Bayern gezogen, daher kenne ich viele Ecken unserer schönen Heimat. 1988 zog ich von München in unsere Region. 

Bei uns ist es einfach unglaublich schön; Voralpenland, hohe Lebensqualität und offene Menschen. Wir leben, wo andere Urlaub machen. 

Unsere Umwelt sollte es uns wert sein, mit ihr nachhaltig und wirtschaftlich schonend umzugehen – egal ob als Landwirt, Konsument oder Politiker. 

Warum sollten die Bürger Ihnen ihre Stimme geben? Was sind Ihre Qualifikationen/Kompetenzen? 

Ich persönlich bringe mein jahrzehntelanges politisches Engagement und meine Bodenständigkeit und Erfahrung als Arbeiter ein, damit der Überhang an Beamten und Juristen im Bundestag etwas ausgeglichen wird. 

Wir leben in Zeiten großer Veränderung, die manchmal bedrohlich erscheinen, aber auch viele Chancen eröffnen. Wir Grünen stellen uns diesen Veränderungen mit neuen Ideen, Mut und Integrität und wollen ALLE Mitglieder unsere Gesellschaft mitnehmen in ein neues Zeitalter. Unser Wahlspruch “Zukunft wird aus Mut gemacht” kommt von Herzen. 

Was sind Ihre drei wichtigsten politischen Ziele?

Politisch geprägt hat mich die Erfahrung mit Tschernobyl, als man plötzlich nicht mehr seinen Salat aus dem Garten holen oder Pilze sammeln konnte. Wir leben immer noch mit den Spätfolgen, auch wenn dies nicht allen bewusst ist. Zudem fordert der Klimawandel eine Anpassung unserer Lebensweise. 

Daher liegen mir Umweltschutz, Energiewende sowie Nachhaltigkeit in Landwirtschaft, Bau- und Verkehrsplanung ganz besonders am Herzen. Wasser, Boden und Luft sind von unserer Art und Weise zu produzieren und zu konsumieren stark bedroht. 

Gerade hier in Bayern ist unsere schöne Natur das kostbarste wirtschaftliche Gut, das wir haben. Das müssen wir pfleglich und schonend behandeln. 

Was wollen Sie für die Menschen in der Region bewirken?

Wenn die bayrische Regierung Regionalfördermittel des Bundes lieber in einen zweiten S-Bahntunnel in München investiert anstatt in den Stundentakt auf der von Pendlern stark benutzen Strecke Mühldorf-Salzburg, dann stimmt etwas nicht. 

Die Lebensqualität im ländlichen Raum muss attraktiv sein für Familien, Nachwuchs und Senioren ... nach dem Motto „Gleiche Chancen, egal wo man wohnt“. Das erhält auch Arbeitsplätze im ländlichen Raum. Hier kann man vieles aus Berlin steuern helfen, zum Beispiel mehr Mittel für ländliche Bahnstrecken und E-Mobilität zur Verfügung stellen. 

Thema Gerechtigkeit: Geht es in Deutschland gerecht zu? Sollten bestimmte Bevölkerungsschichten steuerlich entlastet/finanziell unterstützt werden? Welche und wie? 

Wir unterstützen Frauen und Männer darin, wirtschaftlich unabhängig zu sein. Für die meisten Menschen bedeutet: Eine auskömmlich bezahlte Erwerbstätigkeit nahe der Vollzeit und ohne allzu lange Unterbrechungen, von der es sich auch mit Kindern leben läßt. 

Das große Problem derzeit ist, daß viele Frauen von Altersarmut bedroht sind. Es muß für Frauen einfacher werden, sich durch Erwerbsarbeit selbst für das Alter abzusichern. Minijobs scheinen für viele Ehefrauen attraktiv, weil sie keine Steuer- oder Sozialversicherungsabzüge haben. Manche Unternehmen setzen gezielt auf diese geringfügigen Beschäftigungsverhältnisse. Aber Minijobs wirken nur selten als Brücke in sozialversicherungspflichtige Beschäftigung. 

Wir wollen Frauen unterstützen, ihre Wünsche nach Erwerbstätigkeit zu verwirklichen. Arbeitszeit muss flexibler werden, denn im Leben kommt es oft anders als geplant. Wird das Kind krank oder die Mutter pflegebedürftig muss das Verhältnis zwischen Arbeit und Leben neu justiert werden, für Frauen wie für Männer. Ein Wechsel zwischen Teilzeit und Vollzeit soll leichter möglich sein, damit es nicht heißt: Einmal Teilzeit, immer Teilzeit. 

Thema Rente: Wie sieht Ihre Rentenpolitik aus? Renteneintrittsalter und Finanzierung (Stichwort: Generationenvertrag)? 

Mit einer Grünen Bürgerversicherung für alle wollen wir bestehende Ungerechtigkeiten beenden. Das heißt: Alle Bürgerinnen und Bürger werden unter der Berücksichtigung aller Einkunftsarten in die gesetzliche Rentenversicherung einbezogen. Zusätzlich sollte die Rentenversicherung durch eine Garantierente gewährleisten, dass alle Menschen, die den größten Teil ihres Lebens gearbeitet, Kinder erzogen, andere Menschen gepflegt oder sonstige Anwartschaften in der Rentenversicherung erworben haben, im Alter eine Rente beziehen, die oberhalb der Grundsicherung liegt. 

In der Finanzierung muß sich der Bund stärker als bisher an den so genannten versicherungsfremden Leistungen der Rentenkasse beteiligen. Gleichzeitig braucht es neue flexiblere Arbeitsmarktmodelle, die beim demographischen Ungleichgewicht ansetzen, die Zahl der verfügbaren Arbeitskräfte stützen und damit Finanzierung der Rentenversicherung stabilisieren. Die Pensionierungswelle der Babyboomer-Generation rollt, richtig greifen wird sie ab 2025. Schon jetzt sinkt die Zahl der verfügbaren Arbeitskräfte. 

Wir halten an der Rente mit 67 fest, wollen aber Senioren unterstützen, die mit einem Fuß im Arbeitsleben bleiben wollen, zum Beispiel durch Kombi aus Teilrente und Erwerbseinkommen. 

Wir wollen außerdem Familien durch ein grünes Familien-Budget unterstützen, das einkommensunabhängige Kindergrundsicherung mit Individualbesteuerung kombiniert. Auch die Integration von Geflüchteten ist eine Chance für unsere Gesellschaft, das demographische Ungleichgewicht auszubalancieren. 

Thema Ökologie/Klimaschutz: Sind wir hier auf dem richtigen Weg? Was sollte sich wie ändern? 

Der Diesel-Skandal und Alleingänge in der E-Mobilität wie bei der Deutschen Post zeigen, daß unsere Art des Autobauens und -fahrens schnellstens an Nachhaltigkeits- und Umweltkriterien angepaßt werden muß – zum Wohl der Umwelt und Erhalt von Arbeitsplätzen. 

Dies ist nur ein Beispiel, das zeigt, wie viel die große Koalition in Sachen Ökologie in den letzen Jahren verschlafen hat. Unsere Umwelt sollte es uns wert sein, mit ihr nachhaltig und wirtschaftlich schonend umzugehen – egal ob als Landwirt, Konsument oder Politiker. Finanzinvestoren wissen das schon lange und investieren in Nachhaltigkeitsprojekte überall in der Welt. Warum also nicht bei uns vor Ort? 

Auch eine Agrarwende ist fällig: Es braucht mehr Investitionen in nachhaltige, , regional und ökologische Nahrungsmittelerzeugung in Deutschland. 

Durch Klimawandel ist Nahrungsmittelsicherheit und lokaler Anbau ein wichtiges Thema geworden. Wir können uns nicht mehr auf die globale Lieferkette verlassen. In Großbritannien gab es zum Beispiel im letzten Winter wochenlang keine Lieferung von Salat aus Italien und Spanien, weil dort die Ernte erfroren ist. In Deutschland gibt es dieses Jahr einen Einbruch der Obsternte durch den späten Wintereinbruch um Frühjahr. 

Bio ist dazu ein stark wachsender Markt, der gewinnbringend von den Landwirten in Dänemark und Österreich genutzt wird – diese sollte für deutsche Landwirt besser nutzbar sein. 

Thema Wohnungsnot/sozialer Wohnungsbau: Bezahlbare Wohnungen sind in unserer Region oft Mangelware. Wie wollen Sie bezahlbaren Wohnraum schaffen und finanzieren? 

Wer heute eine bezahlbare Wohnung mitten in der Stadt sucht, sucht oft die berühmte Nadel im Heuhaufen. Unter den Preisen ächzen selbst die, die ganz gut verdienen. Wer wenig zahlen kann, wird an den (Stadt-)Rand gedrängt. Dadurch läuft das soziale Gleichgewicht in unseren Städten aus dem Ruder. Wir Grüne setzten auf soziale Nachhaltigkeit. Wir wollen dafür sorgen, daß Mieten auch in Städten bezahlbar bleiben und Wohnungen nicht länger Mangelware sind. Wir setzen uns dafür ein, dass in den nächsten 10 Jahren eine Million dauerhaft günstige Mietwohnungen geschaffen werden. Mit einer robusten Mietpreisbremse wollen wir Mieterinnen und Mieter entlasten, sowie den Erwerb von Genossenschaftsanteilen fördern. 

Thema Flüchtlinge: Was läuft in der Flüchtlingspolitik gut, was schlecht? Wie würde Ihre Flüchtlings- und Integrationspolitik aussehen?

Wir Grünen ziehen hier mit der Wirtschaft an einem Strang. Die Weisung der CSU- Staatsregierung vom Dezember 2016 hebelt Integrationsbemühungen der Geflüchteten, der

Ehrenamtlichen und der Wirtschaft aus. Sie untergräbt das Ansehen des Wirtschafts- und Ausbildungsstandortes Bayern. Unternehmen braucht Planungssicherheit, deshalb muß die ‚3 plus 2‘-Regelung endlich richtig umgesetzt werden: Alle Geflüchteten, die auf der Basis einer geltenden Erlaubnis eine Ausbildung begonnen haben, sollen diese auch zu Ende führen dürfen. 

Braucht Deutschland einen Regierungswechsel, eine neue Regierungskoalition? Welche und warum?

Beispiele für eine falsche Politik der jetzigen Koalition gibt es genügend, gerade hier in der Region gibt es ein sehr konkretes Beispiel: Durch die Einschnitte im EEG (Erneuerbare- Energien-Gesetz) kam einer der größten Arbeitgeber unserer Region, die Firma Schletter in Haag, in Schwierigkeiten. 

Wir brauchen dringend eine Regierung, die mehr auf aktuelle Bedürfnisse und Wandel reagiert und besser für die Zukunft plant. Die bisherige große Koalition hat viele Anpassungen verschleppt, siehe auch Dieselskandal, Energiewende, ökologische Nahrungsmittelerzeugung und demographischer Wandel. 

Wir Grünen haben viele Ideen und Modelle, die von unserer Mitgliederbasis entwickelt worden sind, also direkt beim Wähler verankert sind. Diese Ideen nehmen wir mit in die Regierungsverantwortung. Wer grün wählt, wird mit Mut und Integrität in Berlin vertreten sein.

Anmerkung der Redaktion: Die Antworten des Kandidaten/der Kandidatin wurden 1:1 von der Redaktion übernommen, inhaltlich nicht überarbeitet und müssen deswegen nicht die Meinung der Redaktion widerspiegeln.

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