Zahl der Essstörungen nimmt in Altötting zu

Entwicklung: Abmagern bis zur Einweisung längst kein Einzelfall mehr

Bayern - Die Zahlen des Bayerischen Landesamts für Statistik belegen eine dramatische Entwicklung: immer mehr Menschen, insbesondere Jugendliche, leiden unter Essstörungen. Welche Ursachen sind dafür verantwortlich und welche Gegenmaßnahmen müssen eingeleitet werden?

Im Jahr 2014 wurden nach aktuellsten Zahlen des Bayerischen Landesamts für Statistik 18 Patienten  aus dem Landkreis Altötting wegen psychisch bedingter Essstörungen vollstationär behandelt. Im Landkreis Traunstein zeichnet sich ein ähnliches Bild ab. Die Zahl ist gegenüber dem Vorjahr gestiegen, 2013 waren es nur 14 Fälle. Bayernweit stieg die Zahl der Krankenhausbehandlungen wegen Essstörungen seit dem Jahr 2000 um mehr als 20 Prozent. „Auffällig ist, dass die meisten Patienten weiblich und unter 30 Jahre alt sind“, sagt Markus Neumeier von der Krankenkasse IKK classic. „Die Zahl der Betroffenen dürfte dabei weithöher liegen, denn viele Fälle werden ambulant oder gar nicht behandelt. Viele junge Menschen erkennen von sich aus nicht, dass sie krank sind.“

Essstörungen sind psychische Erkrankungen, zu denen etwa die Magersucht (Anorexia nervosa) und die Ess-Brechsucht (Bulimie) zählen. Charakteristisch für Essstörungen ist ein gestörtes Verhältnis zum Essen sowie zum eigenen Körper, das sich meist im Jugend- oder frühen Erwachsenenalter entwickelt. Nach einer Studie zur Gesundheit von Kindern und Jugendlichen des Robert Koch-Instituts gibt es bei mehr als 20 Prozent der 11- bis 17-jährigen Jugendlichen Hinweise auf eine Essstörung, Mädchen sind dabei doppelt so häufig betroffen wie Jungen.

Ursachen für Essstörungen

Neben einer falschen Ernährung können sich auch gesellschaftliche Schlankheitsideale auf das Körperselbstbild der Betroffenen auswirken. „Eine möglichst schlanke Figur wird leider häufig mit Glück und Erfolg gleichgesetzt. Wir müssen frühzeitig handeln, damit Kinder und Jugendliche gar nicht erst falsche Körperideale entwickeln. Bereits im Kindergarten und in der Schule ist ein gesundes Essverhalten zu fördern und Eltern und Erzieher für dieses wichtige Thema zu sensibilisieren,“ sagt Neumeier.

Ernährungsprojekt der IKK classic

Mit ihrem Ernährungsprojekt „Die Kleinen stark machen“ möchte die IKK classic das frühkindliche Essverhalten in Kitas präventiv fördern und das Bewusstsein der Kinder für natürliche, gesunde und qualitativ hochwertige Ernährung stärken. Bereits im Kindesalter wird das Essverhalten genauso erlernt, wie die Wahrnehmung von Hunger- und Sättigungssignalen oder etwa die Lieblingsspeisen. Das Projekt wird von einer Ernährungsfachkraft der IKK classic durchgeführt, besteht aus neun Modulen, einem Elternabend sowie einer Schulung für die Erzieherinnen der Kita. Interessierte erhalten weitere Informationen unter www.ikk-classic.de

Pressestelle ikk classic Bayern

Rubriklistenbild: © dpa

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