Bahnausbau: Nur 47 Euro je Deutschem

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Engagement für die Region: Christoph Kraller (links) und Christian Kubasch von der Südostbayernbahn.

Burghausen - Das Geld vom Bund fehlt. Daran hapert der Bahnausbau auf der Strecke zwischen Mühldorf und München als Teil der Europaverbindung zwischen Paris und Budapest.

Diesen Schluss nach zwei Tagen Hauptversammlung der Initiative "Magistrale für Europa" zog der Vorsitzende und Karlsruher Oberbürgermeister Heinz Fenrich am Dienstag im Burghauser Bürgerhaus.

Doch Fenrich machte Hoffnung: schließlich ziehe die Region in Sachen Bahnausbau an einem Strang und auch in eine Richtung. Wichtig ist für Fenrich die konzeptionelle Verknüpfung zwischen der Hochgeschwindigkeitsstrecke und den regionalen Anbindungen. Schließlich nutze eine Ersparnis von 45 Minuten nichts, wenn man dann 40 Minuten auf den Anschluss warten müsse. Das gelte für Personen wie Güterverkehr: "Im Chemiedreieck wird deutlich, dass Investitionen in die Magistrale knallharte Wirtschaftspolitik sind", sagte Fenrich nach zwei Tagen Informationsaustausch mit Politikern und Wirtschaftsvertretern.

Fenrich kündigte an, sich für ein erweitertes Mandat der EU-Koordinatoren einzusetzen. Diese sollten "kleinere Maßnahmen" in Abstimmung mit lokalen und regionalen Ebenen vor Ort regeln können. Allerdings sei klar, dass regionale Bemühungen ohne Investitionen des Bundes ins Leere laufen würden.

Dass diese Investitionen überfällig sind, machten sowohl Christian Kubasch als auch Christoph Kraller von der Südostbayernbahn deutlich bei der Schilderung des aktuellen Planungsstandes unter anderem für den zweigleisigen Ausbau und Industrieanschluss zwischen Mühldorf und Tüßling, bei der die Planfeststellung "hoffentlich" bis 2015 stehe. Kubasch kündigte Gespräche mit Landratsämtern und Wirtschaft über die Verkürzung von Bauzeiten an.

Bayerns Bahnchef Klaus-Dieter Josel bestätigte Zahlen aus dem Masterplan Schiene Chemiedreieck Bayern, demnach die Anzahl der Güterzüge auf der Ausbaustrecke von täglich 32 im Jahr 2009 auf täglich 66 im Jahr 2015 steigen soll - auf einer eingleisigen Strecke, die derzeit mitsamt Personenverkehr als ausgelastet gilt.

Josel sagte, jüngste Investitionen wie der zweigleisige Abschnitt Mühldorf-Ampfing seien mit Geldern aus den Konjunkturprogrammen, aber nicht aus dem regulären Haushalt zustande gekommen, obwohl der Bund seit 1994 für den Bahnausbau zuständig sei. "Wir kommen schrittweise voran - aber leider nur in homöopathischen Dosen." Josels Zahlen: In Österreich werden pro Einwohner jährlich 250 Euro für die Schienen-Infrastruktur ausgegeben, in der Schweiz 287 Euro und in Deutschland 47 Euro.

Der Vorschlag privat-wirtschaftliche Mittel zum Ausbau zuzulassen kann Josel zufolge diskutiert werden, auch wenn der Bahnchef den für die Wirtschaft interessanten Anteil eher bei 15 als bei 30 Prozent sieht.

Stefan Schell vom Bayerischen Wirtschafts- und Verkehrsministerium bezeichnete die Ausbaustrecke als "elementar". Es sei "hirnverbrannt", wenn man nicht hinter diesem Projekt stehe. Schell schilderte den Zusammenhang mit der Flughafenanbindung und den Zeitvorteilen durch einen Bahnausbau.

So würde sich die Reisezeit zwischen Flughafen München und Salzburg nach dem Gesamtausbau von derzeit 125 Minuten auf dann 66 Minuten verkürzen.

rob/Mühldorfer Anzeiger

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