Geschichte und Geschichten der Altöttinger Hofdult

Hofdult: "Spott und Hohn vom Budenvolke"

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Nein, das ist kein historisches Gemälde. Weil es keine alten Ansichten von der Dult gibt, hat das Altöttinger Urgestein Hans Baumgartner diese Darstellung am Computer angefertigt. So könnte die Dult am Kapellplatz einst ausgesehen haben.
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Altötting - Bierzelte und Fahrgeschäfte neben der Gnadenkapelle? Völlig undenkbar. Bis vor gut 100 Jahren befand sich die Hofdult dennoch mitten auf dem Kapellplatz.

Ein Kettenkarussell vor der Stiftskirche? Ein Bierzelt neben der Gnadenkapelle? Eigentlich eine fast schon unwirkliche Vorstellung. Und dennoch fand die Altöttinger Hofdult über viele Jahrhunderte mitten auf dem Kapellplatz statt. Dafür gab es allerdings gleich mehrere gute Gründe.

Wallfahrer schauten auf der Dult vorbei

Die Hofdult war über viele Jahrhunderte hauptsächlich ein klassischer Markt und damit eine Verkaufsveranstaltung. Dass nach und nach in Form von Getränkeausschank, Musik und sogar schauspielerischen Darbietungen immer mehr Unterhaltungsprogramm hinzukam, war für die Wallfahrer in Altötting kein Problem -  ganz im Gegenteil. Wahlfahrt und Dult "spielten ineinander", erklärt Dr. Alfred Zeller, Archivar der Stadt Altötting. Wer wegen der Wallfahrt nach Altötting gekommen war, schaute später durchaus gerne auch noch bei der Hofdult vorbei. Andächtige Wallfahrt und fröhliches Beisammensein auf der Dult war damals kein Widerspruch.

Früher standen Bauernhöfe am Kapellplatz

Hinzu kam, dass man den Kapellplatz von damals - früher "Oettinger Hof" genannt - heute wohl kaum wiedererkennen würde. Altötting hatte im Mittelalter nur rund 1500 Einwohner und am Kapellplatz standen damals Bauernhöfe. Einen Markt wie die Hofdult, auf dem seinerzeit viele Bauern ihre Waren präsentierten, dort stattfinden zu lassen, war nur logisch.

Mehr und mehr entwickelte sich die Hofdult jedoch (auch) zu einer Unterhaltungsveranstaltung. Im 19. Jahrhundert wurde diese Entwicklung mit allerlei "Kuriositätenschauen" auf die Spitze getrieben. Der Konflikt zwischen Wallfahrt und Volksfest war damit programmiert. Aus jener Zeit sind mehrere Beschwerdebriefe überliefert, die gut verdeutlichen, was einige Menschen an der Dult störte.

"Spott und Hohn vom Budenvolke"

"Gerade zu der Zeit, wo Kreuz um Kreuz daherkommt, ist fast der ganze Kapellplatz mit Dultständen besetzt, so dass die einzelnen Kreuzzüge nur schwer den Zugang zur Kapelle gewinnen können", schrieb etwa Bernd Frischhuth am 6. März 1896. "Wenn ferner die Wallfahrer - wie Zeugen es bestätigen können - von dem leichtfertigen Krämer- und Budenvolke sich Spott und Hohn müssen gefallen lassen, wenn endlich von den Dultständen, an welchen die Wallfahrer vorübergehen, Bilder, Schriften und Broschüren verkauft werden, welche den Glauben und die guten Sitten untergraben, so liegt das gewiss nicht im Interesse der Wallfahrt", so das Fazit von Frischhut. Sogar die Fronleichnamsprozession, "die schönste und heiligste der Prozessionen", müsse sich durch Nebenstrassen und Gassen winden, klagte Frischhut, der für die Dult deshalb einen anderen "geeigneten Ort" forderte.

"Dult trägt nicht zur Erhebung der Wallfahrt bei"

Ähnlich äußerte sich Pater Aloys, Guardian von St. Anna, am 5. März 1896: "Solche Wallfahrer, die von weiter Ferne kommen und nur ausnahmsweise hierher kommen, warden [sic] durch diesen Marktlärm eher geärgert als erbaut. Abgesehen davon, dass sich diese Dult in unmittelbarer Nähe der Gnadenkapelle nicht geziemt, trägt dieselbe nicht zur Hebung der Wallfahrt bei."

1897 kam es dann, wie es kommen musste. Nachdem 1881 die gesamten Dultrechte mit dem Besitz der Buden vom Staat an die Gemeinde übergegangen waren, verlegte die Stadt die Dult 1897 auf ein Grundstück an der Burghauser Straße - bis heute der Altöttinger Dultplatz.

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Hofdult-Infos

Auf dem Dultplatz vom 20. bis zum 29.05.2016:

- Startschuss: 20. Mai um 19 Uhr

- Dultauszug: 21. Mai ab 14 Uhr (Vom Hell-Bräu bis zum Dultplatz)

- Hofdultanschießen: 21. Mai um 16 Uhr (Traunsteiner Straße)

- "Radl-Roas": 22. Mai ab 10 Uhr (Radl-Schnitzeljagd durch ganz Altötting)

- Standkonzert: 22. Mai ab 12.30 Uhr (Kapellplatz)

- Dultfeuerwerk 29. Mai ab 22.00 Uhr

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