Trends auf der Altöttinger Hofdult

Hofdult: Als die Tracht auf einmal cool wurde

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Tracht liegt auf den Volksfesten im Trend - gerade bei jungen Leuten
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Altötting - Immer höher, schneller und aufregender müssen sie sein, die Fahrgeschäfte. Bei der Mode gehen die Uhren dagegen seit Jahren anders: Tradition liegt im Trend.

Kirchweihfest, Bauernmarkt, Verkaufsveranstaltung, Kuriositätenschau – die Altöttinger Hofdult hat in ihrer viele Jahrhunderte alten Geschichte verschiedenste Gesichter gezeigt. Gerade im 19. und 20. Jahrhundert bestimmte der jeweilige Zeitgeist sehr stark das Angebot auf der Dult. Im 19. Jahrhundert bedienten die Kuriositätenschauen die Neugier der Menschen, die dank der neu aufkommenden Zeitungen plötzlich mitbekamen, was in der großen, weiten Welt so los war.

In den Sechziger Jahren des 20. Jahrhunderts öffnete sich der Horizont der Menschen sogar noch ein Stück weiter: Plötzlich war das Weltall ein Thema. "In den Sechziger Jahren gab es etliche Fahrgeschäfte mit Raketen oder Astronauten", erzählt Dr. Alfred Zeller, Archivar der Stadt Altötting. Der große Wettlauf zum Mond zwischen den USA und der Sowjetunion, den 1969 die Amerikaner für sich entschieden, faszinierte damals die Menschen.

Steilwandfahrer - Hingucker für Motorradfahrer in spe

Ebenso begeistert waren die Menschen, vor allem in den Fünfziger Jahren, von Autos und Motorrädern. Steilwandfahrer etwa waren der Renner auf der Dult. Interessant sei dies vor allem für die Leute gewesen, die selbst auf ein Motorrad hingearbeitet hätten, erklärt Zeller. Fast nur logisch erscheint da, dass auch der Autoscooter – heute ein Klassiker auf der Dult – schon damals sehr beliebt war.

Fahrgeschäfte wie das Kinderkarussell - heuer mit der Bayern-Rallye auf der Dult vertreten - sind längst Klassiker

Auch wenn Klassiker wie der Autoscooter, das Riesenrad, das Ketten- oder das Kinderkarussell bis heute auf den Volksfesten weit und breit zu den beliebtesten Fahrgeschäften gehören, galt und gilt für einige Fahrgeschäfte das Motto "schneller, höher, aufregender", wie auch Hans Baumgartner sagt, Altöttinger Urgestein und Fachmann für die Geschichte der Dult. "Die Fahrgeschäfte sind immer größer und immer spektakulärer geworden - dreimal drehen, fünfmal auf den Kopf stellen."

Irgendwann geht's nicht mehr "höher" oder "weiter"

Auch auf der Hofdult sind immer wieder flotte Fahrgeschäfte zu Gast, wie etwa heuer "The Beast". Die Wildesten ihrer Zunft findet man aber – zumindest in großer Zahl – vor allem auf dem Oktoberfest in München und natürlich in den stationären Vergnügungsparks der Republik. Doch auch dort geht es irgendwann vielleicht nicht mehr noch "höher" und noch "schneller".

Auf der Hofdult gibt es auch spektakuläre Fahrgeschäfte, so wie heuer "The Beast" (zum Vergrößern auf das Bild klicken)

Stadtarchivar Zeller will deshalb bereits einen Trend zu nostalgischen Fahrgeschäften ausgemacht haben. Auf der Altöttinger Hofdult geht es ohnehin nicht um den Nervenkitzel alleine, sondern auch um Tradition und Gemütlichkeit. "Wenn man auf die Dult geht, kauft man sich ein Gefühl", sagt Zeller. Was das angeht, muss sich die Dult keinesfalls neu erfinden. "Da hat sich nicht viel geändert. Es hat immer Zuckerwatte gegeben, immer gebrannte Mandeln und Magenbrot", so Baumgartner.

In den Neunzigern waren Jeansjacken angesagt

Der Wunsch nach Tradition und einem Hauch Nostalgie ist den Besuchern der Dult auch anzusehen: Viele Gäste, gerade junge Leute, tragen heutzutage Tracht. "Vor 20, 30 Jahren wäre es keinem Teenager eingefallen, ein Dirndl anzuziehen", sagt Stadtarchivar Zeller. Auch Hofdult-Urgestein Baumgartner erinnert sich daran, dass Tracht früher "uncool" war: "In den Neunzigern war das einfach gar nicht in. Da ist man mit Jeans und Jeansjacke auf die Dult und auf die anderen Volksfeste gegangen."

Auf einmal habe es auf dem Münchner Oktoberfest einen "Trachtenhype" gegeben, erklärt Baumgartner. So richtig begonnen habe es dann vor vielleicht zehn Jahren. "Jetzt braucht es keinen Mut mehr, um Tracht anzuziehen." Dieser "Trend" ist übrigens ein Trend der Jugend. Zumindest auf dem Land sei das gesetztere Publikum schon lange in Tracht auf die Volksfeste gegangen, erzählt Baumgartner.

Auch dem Bürgermeister gefällt der Trachtentrend

Altöttings Bürgermeister Herbert Hofauer sieht das mit der Tracht eher gelassen. Oben rum zeigte er sich beim großen Anzapfen am Samstag fesch in Tracht, als Hose trug er aber eine Jeans. Allzu eng sollte man den Trachtentrend eben auch nicht nehmen. Im Gespräch mit innsalzach24.de verriet der Bürgermeister aber, dass es ihm "total gefällt", dass so viele junge Leute auf der Hofdult Tracht tragen. 40-50 Prozent der Madln und Burschen seien in Tracht, in Dirndl, Lederhosen oder Landhausmode auf der Dult, schätzt Hofauer. Was den Bürgermeister besonders freut, ist, dass sich der Trend einfach entwickelt habe, ohne dass jemand speziell dafür geworben hätte.

Archiv: Die schönsten Bilder vom Dultsamstag (garantiert mit viel Tracht):

Hell-Bräu-Festzelt am Samstag

Graminger Weissbierzelt am Samstag

Postschänke am Samstag

Hofdult - Rundgang am Samstag

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Hofdult-Infos

Auf dem Dultplatz vom 20. bis zum 29.05.2016:

- Startschuss: 20. Mai um 19 Uhr

- Dultauszug: 21. Mai ab 14 Uhr (Vom Hell-Bräu bis zum Dultplatz)

- Hofdultanschießen: 21. Mai um 16 Uhr (Traunsteiner Straße)

- "Radl-Roas": 22. Mai ab 10 Uhr (Radl-Schnitzeljagd durch ganz Altötting)

- Standkonzert: 22. Mai ab 12.30 Uhr (Kapellplatz)

- Dultfeuerwerk 29. Mai ab 22.00 Uhr

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