Geschichte und Geschichten der Altöttinger Hofdult

War dieser Mann der Grund für die Hofdult?

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Der Salzburger Erzbischof Eberhard II. weihte 1245 die Altöttinger Stiftskirche. Möglicherweise wurde im Zuge des Kirchweihfestes eine Dult gewährt - die heutige Hofdult
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Altötting - Die Altöttinger Hofdult gibt es seit über 600 Jahren. Ist sie vielleicht noch älter? Und verdanken die Altöttinger ihre Dult einem Salzburger Bischof?

2008 feierte Altötting 625 Jahre Hofdult - und das guten Gewissens, denn die Dult gibt es garantiert seit 1383. Aus diesem Jahr datiert die älteste bis heute erhaltene urkundliche Erwähnung der Hofdult. Weil Dokumente aus dem Mittelalter freilich nicht annähernd vollständig überliefert sind, könnte die Dult aber noch viel älter sein. Womöglich gibt es sie sogar schon seit 1245 - dann hätten die Altöttinger ihre Dult wohl dem Salzburger Erzbischof Eberhard II. zu verdanken.

Ohne Stiftskirche keine Hofdult?

Viele Informationen zur Hofdult finden Sie auch auf hofdult-altoetting.de

Lange hatte es in Altötting nur eine Kapelle gegeben, im Mittelalter bekam die damals nur rund 1500 Einwohner zählende Ortschaft dann aber eine Stiftskirche. Die Weihe des Hochaltars der Stiftskirche war 1245, und aus dem dazugehörigen Kirchweihfest könnte die Hofdult entstanden sein. Der Altöttinger Stadtarchivar Dr. Alfred Zeller hält dies zwar für nicht sicher belegbar, räumt aber ein: "Die Stiftskirche könnte der Anlass gewesen sein für die Gewährung einer Dult."

Eine Dult war über Jahrhunderte kein Volksfest im heutigen Sinn, sondern ein klassischer Markt. Anders als die anderen Märkte am Ort mussten die Dulten allerdings gesondert genehmigt werden. Weil Altötting bis 1802 geistliche Hofmark war, war für eine solche Erlaubnis die Geistlichkeit und damit der Bischof zuständig. Für eine Genehmigung brauchte es überdies einen bestimmten Anlass, und bei der Hofdult war es vielleicht die Weihe der Stiftskirche (eventuell auch deren Neuweihe 1263).

Die Dult war ein Wirtschaftsfaktor

Die Weihe des Hochaltars der Stiftskirche war womöglich der Ursprung der Hofdult

Die Menschen hätten im Mittelalter von Subsistenzwirtschaft gelebt, hätten also selbst hergestellt, was sie brauchten, erklärt Stadtarchivar Zeller. Freilich gab es aber immer etwas, was die Menschen nicht selbst produzieren konnten. "Das kaufte man dann auf einer Dult." Damit waren Dulten, also auch die Hofdult, zuallererst ein Wirtschaftsfaktor und keine Vergnügungsveranstaltungen.

Erst nach und nach kam all das hinzu, was heutige Volksfeste ausmacht. "Man hat geratscht, hatte Durst", erklärt Zeller - geboren waren Getränkeausschank und gemütliches Beisammensitzen. Später kamen Musik und sogar Schauspiel hinzu, ehe - vor allem im 19. Jahrhundert - allerlei Artisten und Kuriositäten den Unterhaltungscharakter der Dult auf die Spitze trieben.

Wundermittel, Artisten, Bärentreiber

In den Anfängen der Hofdult gab es zwei Gruppen von Ausstellern. Zum einen war die Dult ein Bauernmarkt, auf dem zum Beispiel Hühner angeboten wurden. Zum anderen kamen aber auch fahrende Händler und Dienstleister von weit her nach Altötting. Deren Waren fielen in der damaligen Zeit eher in die Kategorie Luxus. So wurden zum Beispiel Spiegel, Holzspielzeug und allerlei Wundermittelchen angeboten. Eines mussten die Waren aber sein: klein. Sonst wären der Transport zu teuer gewesen.

Die Schausteller, die nach und nach zur Hofdult kamen, konnten bunter nicht sein. Zu Hütchenspielern und Artisten gesellten sich Hungerkünstler und sogar Bärentreiber aus Ungarn und vom Balkan. Stadtarchivar Zeller umschreibt die Gruppe der Schausteller als "fahrendes Volk im weitesten Sinne".

Der soziale Aspekt gewann auf der Dult schnell an Bedeutung. So konnte man dort vielleicht ein bisschen leichter mit dem anderen Geschlecht anbandeln - "ohne dass einem gleich der Pfarrer auf die Finger haut", wie Zeller sagt. "Da ging schon a bissl mehr als im grauen Alltag."

Deshalb heißt die Hofdult Hofdult

Woher der Name Altöttinger Hofdult stammt, ist nicht vollends geklärt. Der "Hof" kommt eventuell vom Öttinger Hof, dem früheren Namen des Kapellplatzes. Dort fand bis zum Ende des 19. Jahrhunderts die Altöttinger Hofdult statt. Möglich ist aber auch, dass sich "Hof" von der Bezeichnung "Hofmark" ableitet. Bis zur Säkularisation war Altötting geistliche Hofmark.

Die Bezeichnung Dult wird gerne auf das althochdeutsche Wort tuld, mittelhochdeutsch dult (Fest, Feier) zurückgeführt. Ein weiterer möglicher Wortursprung ist der lateinische Begriff indultum (Ablass, Gnade). Kirchweihfeste waren oft mit einem Ablass der Sünden verbunden - und mit der Gewährung eines Marktes. Dass Ablass und Markt auch sprachlich miteinander verknüpft sind und Dult von indultum kommt, liegt also nahe.

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Altöttinger Hofdult (9.-18.06.)

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Hofdult-Infos

Auf dem Dultplatz vom 9. bis zum 18.06.2017:

- Startschuss: 9. Juni um 18 Uhr

- Dultauszug: 10. Juni ab 14 Uhr (Vom Hell-Bräu bis zum Dultplatz)

- Hofdultanschießen: 10. Juni um 16 Uhr (Traunsteiner Straße)

- "Radl-Roas": 11. Juni ab 10 Uhr (Radl-Schnitzeljagd durch ganz Altötting)

- Standkonzert: 11. Juni ab 12.30 Uhr (Kapellplatz)

- Dultfeuerwerk 9. Juni ab 22.00 Uhr

Zum 634. Mal: Hofdult Altötting - Das Original

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Vorbereitungen für das Abschlussfeuerwerk laufen!

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