Altöttinger Familienbetrieb setzt auf Tradition 

Uraltes Handwerk: Warum diese Brauerei ihre Fässer noch selber picht

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Altötting – Bier aus dem Holzfass ist etwas Besonderes. Der Grund dafür ist einfach: Damit man es genießen kann, braucht es Jahrhunderte altes Handwerkswissen und Erfahrung. Ein wichtiger Punkt dabei ist das Fasspichen. 

Die können gut und gerne 100 Jahre alt werden“, sagt Georg Hell V. über die Holzfässer in seiner Brauerei. Wichtig seien die Qualität des Holzes und das Jahrhunderte alte Handwerkswissen und die Erfahrung des Schäfflers. Dazu kommt die Pflege. Alle zwei Jahre werden die Fässer vom Hell-Bräu gepicht. Das macht nicht irgendwer, sondern die Mannschaft der Altöttinger Brauerei selbst: eine Seltenheit. Alle anderen Brauereien lassen pichen.

Aufwendig und teuer

Nur noch wenige Brauereien leisten sich den Luxus, Bier aus Holzfässern anzubieten, geschweige denn Bier aus Holzfässern auf den Volksfesten auszuschenken. Warum ist das so? Es ist aufwendig und dementsprechend teuer. So kostet ein Hirsch (ein 200-Liter-Fass) um die 1.000 Euro, alleine in der Anschaffung. Dazu kommen die Folgekosten wie etwa das Fasspichen, von der entsprechenden Abfüllanlage, die man für Holzfässer braucht, ganz zu schweigen.

Ein Blick in die Vergangenheit. So sah das industrielle Reinigen und Pichen von Bierfässern anno dazumal aus:

Ein aktueller Blick in die lebendige Vergangenheit: So sieht das Fasspichen bei der wohl letzten Brauerei in Bayern aus, die das noch selber macht:

Warum diese Brauerei gerne Pech hat: Fotos vom Fasspichen

Früh morgens geht es los

Der Holzofen wird angeheizt. Darin wird das Pech (gereinigtes Harz) flüssig gemacht. Es muss auf 250 Grad gebracht werden. Dann kommt es in das Fass. Für einen Hirschen, also ein 200-Liter-Fass, braucht man rund sechs Liter an heißem, flüssigem Pech. Bei kleineren Fässern ist es weniger. 

250 Grad heiß ist das Pech, wenn es ins Fass kommt.

Dann muss das Fass „tanzen“. Der Grund: Das Pech soll sich im Fass gleichmäßig verteilen. Altes Pech wird gelöst und eine neue Schicht bildet sich.

Eine Fassdaube. In diesem Querschnitt zeigt sich die Pechschicht.

Ist der Tanz mit dem Fass beendet, wird das überschüssige Pech abgelassen. Dann muss ein Hirsch für rund 30 Minuten hin und her gerollt werden. Der Grund: Die Schicht Pech im Inneren soll gleichmäßig sein. Es kühlt ab. Der gesamte Vorgang dauert ca. 45 Minuten.

Holzfässer müssen je nach Zustand und Einsatz alle zwei bis drei Jahre neu gepicht werden.

Nach 24h werden die frisch gepichten Fässer mit Wasser befüllt. Damit wird die Dichtigkeit geprüft. Die hat allerdings nicht direkt etwas mit dem Pech zu tun. Das ist dafür da, dass das Bier keinen Geschmack vom Holz annimmt. Außerdem soll die im Bier gebundene Kohlensäure nicht entweichen.

"Das hat mein Opa schon so gemacht"

Es sei ein Stück Tradition, so Georg Hell V. gegenüber innsalzach24.de, eine die von Kindheit an in Fleisch und Blut übergangen sei. "Das hat mein Opa schon so gemacht", sagt er. Alles an Gerätschaften und nicht zuletzt die Fässer würden Familiengeschichte wie auch die Geschichte der Brauerei in sich tragen. 

100 Jahre alt kann ein Bierfass werden.

Einen ganzen Tag brauchen sie für rund 90 Fässer verschiedener Größe. 40 davon sind die sogenannten „Hirschen“, mit denen die Hells das Festzelt auf der Altöttinger Hofdult hauptsächlich mit Bier beschicken. Rund 200 Liter gehen in so ein Fass. Mal 40 ergibt das 80 Hektoliter Dult-Märzen. Das sind 8.000 Maß Bier. Das bedeutet, dass sie nach dem Pichen wieder regelmäßig befüllt werden müssen.

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Hofdult-Infos

Auf dem Dultplatz vom 14.06. bis zum 23.06.2019:

- Startschuss: 14. Juni um 18 Uhr

- Dultfeuerwerk zur Eröffnung: 14. Juni ab 22.30 Uhr

- Dultauszug: 15. Juni ab 14 Uhr (Vom Hell-Bräu bis zum Dultplatz)

- "Radl-Roas": 16. Juni ab 10 Uhr (Radl-Schnitzeljagd durch ganz Altötting)

- Standkonzert: 16. Juni ab 12.30 Uhr (Kapellplatz)

Dultlauf Altötting (1)

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Dultlauf Altötting (3)

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Dultlauf Altötting (2)

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Hofdult 2019: Fotos vom Kickerturnier im Graminger Weißbierzelt

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