Ein Potenzial für bis zu 370 Windräder

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Die Windenergie fest im Blick: Der Planungsverband Südostoberbayern mit seinem Vorsitzenden, Traunsteins Landrat Hermann Steinmaßl, treiben die Planungen für Windräder in der Region voran.
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Altötting - Die Region Südostoberbayern treibt ihre Planungen für künftige Windradstandorte weiter voran. Warum die Bemühungen bald hinfällig sein könnten:

Der Regionale Planungsverband Südostoberbayern treibt die Fortschreibung des Kapitels Windenergie weiter voran. Ziel ist es, in den Landkreisen Rosenheim, Traunstein, Altötting, Mühldorf und Berchtesgadener Land jene Flächen auszuweisen, die für Windräder aufgrund verschiedenster Faktoren sinnvoll und günstig sind, sogenannte Vorranggebiete. Bis zu einer endgültigen Entscheidung muss der Verband allerdings noch mehrere Hürden nehmen. Dies wurde in der Verbandsversammlung am Dienstag, 30. Juli, deutlich.

Schon Ende 2012 hatte der Verband eine Übersichtskarte mit 78 Vorranggebieten veröffentlicht. In den letzten Monaten ging es nun darum, in einem Anhörungsverfahren festzustellen, wo Anpassungen vorgenommen werden müssen.

Großes Anhörungsverfahren ändert die Planungen

Planungsverband Südostoberbayern

Aufgabe des regionalen Planungsverbands Südostoberbayern ist es, die räumliche Entwicklung zu koordinieren. Seine Mitglieder sind die kreisfreie Stadt Rosenheim, die Landkreise Rosenheim, Traunstein, Mühldorf, Altötting und Berchtesgadener Land sowie deren Gemeinden. Der von der Verbandsversammlung gewählte Verbandsvorsitzende ist der Traunsteiner Landrat Hermann Steinmaßl.

Insgesamt 306 Stellungnahmen wurden im Rahmen des Anhörungsverfahrens gesammelt, unter anderem von Gemeinden aus der Region Südostoberbayern und von Netzbetreibern. Doch auch die Bürger beteiligten sich am Verfahren. Seitens der Öffentlichkeit sind immerhin 180 Stellungnahmen eingegangen. Die Akte mit allen Stellungnahmen ist 106 Seiten dick - und hat die Planungen maßgeblich geprägt.

Von ehemals 78 Vorranggebieten sind noch 62 - zum Teil verkleinert - übrig geblieben. Ein Vorranggebiet schließt andere "raumbedeutsame Nutzungen" aus, falls nicht diese mit der Windenergienutzung vereinbar sind.

Zugleich stieg der Anteil der Ausschlussgebiete in der Region Südostoberbayern von 98,9 Prozent auf 99,1 Prozent. Dort sind "raumbedeutsame Windenergieanlagen" ausgeschlossen.

Neu in die Planungen einbezogen wurden neun sogenannte Vorbehaltsgebiete. Dort soll der Windenergienutzung in Konkurrenz mit anderen raumbedeutsamen Nutzungen besonderes Gewicht beigemessen werden.

Die Gründe für die Änderungen sind vielfältig und variieren von Fall zu Fall. Unter anderem spielten der Denkmalschutz, der Luftverkehr, der Naturschutz und die Wasserwirtschaft eine Rolle. So haben sich zum Beispiel Vorranggebiete mit Wasserschutzgebieten überschnitten.

370 Windräder in der Region möglich

 Nach Angaben des Verbandsvorsitzenden Hermann Steinmaßl ist liegt der Verband immer noch voll im Soll. Die von der Bayerischen Staatsregierungen avisierten 1500 Windräder in Bayern erforderten rein rechnerisch "20 bis 22 Windräder pro Landkreis", so Steinmaßl. Dies ergäbe für die fünf Landkreise in der Region Südostoberbayern ein Soll von maximal 110 Windrädern. Auch nach den Anpassungen aufgrund des Anhörungsverfahrens sind in der Region immer noch 370 Windräder möglich.

Wie der Planungsausschuss im Anschluss an die Verbandsversammlung beschlossen hat, wird es aufgrund der zahlreichen Änderungen im Entwurf ein weiteres Anhörungsverfahren geben. Eine endgültige Entscheidung über die künftigen Vorrang-, Vorbehalts- und Ausschlussgebiete in der Region wird der Planungsverband demnach erst im November oder Dezember fällen.

Sind alle Planungen bald hinfällig?

Sämtliche Planungen könnten bis dahin aber längst hinfällig sein. In der Verbandssitzung diskutiert wurde eine Äußerung des Bayerischen Ministerpräsidenten Horst Seehofer über einen möglichen Abstand der Windräder zu Wohngebieten in einer Größenordnung von zwei Kilometern.

Die Sitzung des Planungsverbands in Bildern:

Planungsverband tagt zur Windenergie

Aktuell arbeitet der Verband mit einem Abstand von 800 Metern zu Wohnbauflächen, 500 Metern zu gemischten Bauflächen sowie zur Wohnnutzung im Außenbereich und 300 Metern zu Gewerbegebieten. Nach Angaben des Planungsverbands blieben schon bei einer pauschalen Ausweitung des Abstands auf 800 Meter nur noch sehr wenige Flächen übrig.

Steinmaßl rechnet damit, dass eventuell bayernweit einheitliche Regelungen für den Abstand eingeführt werden. "Das kann uns auf die Füße fallen", so der Traunsteiner Landrat. Wenn es eine bayernweit einheitliche Gesetzgebung gebe, "stampfen wir es ein".

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