Stellen die Kliniken schon den Sekt kalt?

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Die Krankenhäuser werden für Klinik-Vorstand Michael Prostmeier - hier beim Spatenstich für das neue Dienstleistungs- und Facharztzentrum in Altötting - das "Rückgrat der Gesundheitsversorgung" bleiben.
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Altötting - Warum über eine Milliarde Euro Fördermittel vom Bund noch kein Grund zum feiern sind, erklärt der Vorstand der Kreiskliniken Altötting-Burghausen im Interview.

Über eine Milliarde Euro zusätzlich stellt der Bund den Kliniken in den Jahren 2013 und 2014 zur Verfügung. Michael Prostmeier, Vorstand der Kreiskliniken Altötting-Burghausen, erklärt im Interview mit innsalzach24, wieso die finanzielle Lage der Krankenhäuser dennoch angespannt bleibt:

Herr Prostmeier, das Bundeskabinett hat beschlossen, den Kliniken 2013 und 2014 zusätzliche 1,1 Milliarden Euro zur Verfügung zu stellen. Lassen Sie schon die Sektkorken knallen?

Das Problem ist, dass man nicht weiß, ob man den Sekt kalt stellen muss oder nicht. Man weiß nicht, wie viel von den Fördermitteln rüberkommt, denn die Gelder sind in verschiedene Positionen aufgeteilt...

...die Tariflohnrefinanzierung, der Versorgungszuschlag und das Hygiene-Förderprogramm...

...und der Versorgungszuschlag ist mit 750 Millionen Euro der größte Posten, zugleich aber auch von der Aufteilung her der unsicherste.

Sie wissen also noch nicht, wie viel Geld im Landkreis Altötting ankommt?

Nein, das wissen wir nicht. Die genaue Umsetzung des Hilfspakets erfolgt erst noch in der Gesetzgebung. Die Verhandlungslösung im Bereich der Versorgungszuschlags sieht die Klinikseite als problematisch an. Wie würden einen bundesweit preislich festgelegten Zuschlag vorziehen.

Worum geht es bei dem Versorgungszuschlag?

Wenn Krankenhäuser mehr Patienten versorgen, müssen sie dafür einen Mehrleistungsabschlag hinnehmen. Gleichzeitig sinken damit auch die Preise für die Krankenhausleistungen im jeweiligen Bundesland. Diesen zweifachen Preisabfall nennt man doppelte Degression. Der Versorgungszuschlag soll den Effekt der doppelten Degression abmindern. Das Hilfspaket ist also ein Schritt in die richtige Richtung.

Im Jahr 2011 haben die Kreiskliniken Altötting-Burghausen sieben Millionen Euro Verlust gemacht. Für 2012 rechnen Sie mit einem Minus von rund fünf Millionen Euro. Erwarten Sie in diesem Jahr positivere Zahlen?

Wir werden die schwarze Null nicht schaffen. Wir haben, ähnlich wie andere Kliniken auf dem Land, einen breiten Versorgungsauftrag. Wir müssen Leistungen vorhalten, die durch das Entgeltsystem nicht genügend berücksichtigt werden.

Was ist ihr dringlichster Wunsch an die Politik?

Dass man sich grundlegend damit beschäftigt, wie man in Zukunft den allgemeinen Versorgungsauftrag sichern kann. Viele Forderungen des Gesetzgebers sind positiv zu sehen, wie zum Beispiel zusätzliche Hygienekräfte. Aber wie kann man die Versorgung noch finanzieren? Es klafft eine Lücke zwischen den Ansprüchen, die man stellt, und dem, was man bereit ist, dafür zu zahlen.

Sind die aktuellen Baumaßnahmen an der Kreisklinik Altötting eine finanzielle Belastung?

Sicherlich, aber der Umbau im Haus wird zu einem großen Anteil gefördert. Das neue Dienstleistungs- und Facharztzentrum wird zum Teil gefördert und kann über Mieten refinanziert werden.

Wie liegen Sie im Zeitplan?

Wir liegen ganz gut im Zeitplan. Das Fertigstellungsdatum ist Ende 2013. Mit der Inbetriebnahme rechnen wir für das erste Quartal 2014.

Müssen sich die Menschen angesichts der relativ angespannten Finanzlage Sorgen machen, dass es langfristig weniger Krankenhäuser im ländlichen Raum geben wird?

Die Krankenhäuser werden immer das Rückgrat der Gesundheitsversorgung sein. Ob alle Krankenhäuser im ländlichen Bereich erhalten bleiben, muss die Zukunft zeigen.

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