Bitte deaktivieren Sie Ihren Ad-Blocker

Für die Finanzierung unseres journalistischen Angebots sind wir auf die Anzeigen unserer Werbepartner angewiesen.

Klicken Sie oben rechts in Ihren Browser auf den Button Ihres Ad-Blockers und deaktivieren Sie die Werbeblockierung für . Danach können Sie gratis weiterlesen.

Lesen Sie wie gewohnt mit aktiviertem Ad-Blocker auf
  • Jetzt für nur 0,99€ im ersten Monat testen
  • Unbegrenzter Zugang zu allen Berichten und Exklusiv-Artikeln
  • Lesen Sie nahezu werbefrei mit aktiviertem Ad-Blocker
  • Jederzeit kündbar

Sie haben das Produkt bereits gekauft und sehen dieses Banner trotzdem? Bitte aktualisieren Sie die Seite oder loggen sich aus und wieder ein.

Altötting verweigert die Braune Tonne

„Nur über meine Leiche“: Will Altöttings Landrat weiterhin gegen die Biotonne kämpfen?

Ein Bioenergiezentrum wie in Hochfranken wäre schön. Bislang können die Bürger im Landkreis Altötting nur davon träumen.
+
Schön wär‘s: Ein Bioenergiezentrum wie das in Hochfranken würde gut in die Region passen.

Seit 2015 wird das Thema heiß diskutiert und kommt mit der aktuellen Energiekrise erneut auf den Tisch. Warum verweigert Altötting als einziger Landkreis Bayerns so vehement die Biotonne?

Landkreis Altötting – Während der Corona-Pandemie wurde es still um die „Biotonne“ im Landkreis Altötting. Es gebe wichtigere Themen, soll Landrat Erwin Schneider (CSU) auf die Anfrage einer heimischen Zeitung geantwortet haben. Doch mit der Energiekrise drängt sich dem Landkreis erneut die kompostierbare Last „grüner“ Masse auf. „Gerade jetzt ist das wieder ein ganz wichtiges Thema“, sagt Stefan Angstl (Die Grünen), Kreisrat und dritter Bürgermeister von Burghausen. Einen Antrag für die Grüngutentsorgung habe er schon gestellt. Und dieser soll in der nächsten Sitzung des Umweltausschusses auch diskutiert werden.

„Nur über meine Leiche“

Seit Jahren wehrt sich Landrat Schneider gegen die Einführung der Braunen Tonne und soll dies auch mit den Worten „Nur über meine Leiche“ kommentiert haben. Schon seit 2015 sind die Kommunen eigentlich verpflichtet Biomüll in einem eigens dafür ausgelegten System zu sammeln. Dr. Robert Müller, ein Sprecher des Landratsamtes in Altötting schreibt aber: „Laut einem in Auftrag gegebenen Gutachten werden bereits 85 Prozent der Bioabfälle im Landkreis über Grüngutentsorgung und Hauskompostierung nachhaltig verwertet. Im Restmüll befinden sich somit pro Person und Jahr lediglich acht Kilo an Küchenabfällen.“ Es solle also weder ökologisch noch ökonomisch Sinn ergeben, eine Biotonne einzuführen. „Hinzu kommt die Tatsache, dass sich in Biomülltonnen nachweislich viel Plastik wiederfindet, welches nach der Vergärung in Biogasanlagen in Form von Mikroplastik auf Feldern und somit in der Nahrungskette landet.“

Außerdem würden die Müllgebühren für Bürger sich mit der Einführung einer Biotonne annähernd verdoppeln. Ein Argument, dass sicher auch in Zukunft zieht, jetzt wo Geld für Nebenkosten in jedem Haushalt ein Thema wird. Die gleichen Erklärungen wurden seit dem Jahr 2015 vorgebracht und führten dazu, dass der Kreistag beschloss, die Biotonne nicht einzuführen. Bis die Regierung von Oberbayern den Kreistagsbeschluss für rechtswidrig erklärte und dessen Zurücknahme forderte. Dagegen klagte wiederum der Landkreis, weshalb Ende 2019 am Verwaltungsgericht München verhandelt wurde. Der Landkreis Altötting – vertreten von Landrat Erwin Schneider – verlor.

Biotonne totgeschwiegen?

Dann kam Corona. und es wurde wieder still um die Biotonne. Bis heute existiert keine Getrennterfassung von Bioabfällen im Landkreis Altötting nicht. Auf der Homepage des Landratsamtes heißt es: „Für die Entsorgung von Grüngut sind im Landkreis Altötting die Städte und Gemeinden zuständig. Größere Mengen an Grüngut können bei den drei gewerblichen Kompostieranlagen im Landkreis angeliefert werden.“ Dies allerdings nicht kostenlos – und Haushalts-Biomüll kann dort nicht angenommen werden. Es werden ausschließlich Abfälle aus dem Garten wie Fallobst, Heckenbeschnitt und ähnliches entgegengenommen.

Die flächendeckende Einführung einer Biomülltonne im Landkreis Altötting ist deshalb auch weiterhin nicht beabsichtigt.

Dr. Robert Müller, Landratsamt Altötting

„Es gibt noch Möglichkeiten Energie aus kompostiertem Müll zu gewinnen, auch Dünger – welcher in der Herstellung sehr energieintensiv ist – könnte damit erzeugt werden“, sagt Stefan Angstl von den Grünen. „In den vergangenen zehn Jahren wurde die kombinierte energetische und stoffliche Nutzung von Bioabfällen, die sogenannte Kaskadennutzung von Bioabfällen, entwickelt und vorangetrieben. Die Kaskadennutzung von Bioabfällen, d.h. als Lieferant von Düngernährstoffen und Humus sowie zur Erzeugung von Biogas ist inzwischen in einer Vielzahl neu gebauter Anlagen realisiert“ heißt es im Abfallratgeber Bayern.

 Es sind auerdem 100.000 Euro im Kreishaushalt für verschiedene Tests in der Grüngutverwertung eingestellt.

Stefan Angstl (Die Grünen), Kreisrat

In einem ersten Test könnte man in einem ausgewählten Wohngebiet die Braune Tonne mit unterschiedlichen Hol- oder Bringsystemen testen“, führt der Grünen Kreisrat weiter aus „In einem zweiten Test könnten bestimmte Haushalte ausgewählt werden, um Kompostiersysteme für den Balkon auszuprobieren. Sicher ist: Man kann nicht von vornherein sagen ‚Das funktioniert nicht‘.“ Außerdem fügt Angstl noch hinzu: „Zu den relativ einseitigen Verdächtigungen, der Biomüll wäre der Verursacher von Mikroplastik auf deutschen Feldern, gibt es schon längst Studien, die eine weitaus breitere Verursacherriege identifiziert haben.“

Kommentare