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Nachgefragt in Altötting, BGL, Mühldorf und Rosenheim

Sollte schlagkräftiges Instrument bei Kontaktverfolgung sein: Wie nützlich ist die Luca-App?

Wie sehr nützt die Luca-App regionalen Gesundheitsämtern? innsalzach24.de hat in Altötting und Rosenheim nachgefragt.
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Wie sehr nützt die Luca-App regionalen Gesundheitsämtern? innsalzach24.de hat in Altötting und Rosenheim nachgefragt.
  • Heinz Seutter
    VonHeinz Seutter
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Die Luca-App erfuhr bereits einiges an Kritik. Neben Datenschutzmängeln wurde auch ihr grundsätzlicher Nutzen bei der Kontaktnachverfolgung in der Pandemie angezweifelt. innsalzach24.de hat in Altötting, Bad Reichenhall, Mühldorf am Inn und Rosenheim nachgefragt, wie nützlich die App für die dortigen Gesundheitsämter bisher war.

Landkreis - „Im Landkreis Altötting nutzen aktuell 141 Betriebe die Luca-App. Zehn dieser Nutzer sind Rathäuser, zwölf sind Gastronomie-Betriebe“, berichtet Markus Huber, Pressesprecher des Landratsamts Altötting gegenüber innsalzach24.de. Er betont: „Neben den technischen Kriterien der App hat in erster Linie das Konzept des die Luca-App anwendenden Betriebs entscheidenden Einfluss darauf, ob die Nutzung der Luca-App dem nachverfolgenden Gesundheitsamt eine Hilfe ist.“

Nachgefragt bei Gesundheitsämtern in Altötting, dem Berchtesgadener Land, Mühldorf am Inn und Rosenheim: Wie nützlich ist die Luca-App?

Huber führt dies an einem Beispiel aus: „Bietet der Biergarten eines Gasthauses nur einen einzigen Scan an, beispielsweise beim Betreten am Eingang, so lässt sich nicht differenzieren, ob sich mitgeteilte Kontakte im Nahfeld des Indexfalles aufgehalten haben oder in 30 Meter Entfernung saßen. Um eine sinnvolle Nutzung der App zu ermöglichen, müsste in unserem Beispiel-Biergarten jeder Tisch separat bei der Luca-App angemeldet sein. Im Laufe des Abends löst sich dann vielleicht eine Tischgesellschaft aus und der Biergartenbesucher wechselt erst an einen anderen und dann an weiteren Tisch. Im Sinne einer effizienten Kontaktnachverfolgung müsste sich die Person jeweils neu am Tisch registrieren. Es ist recht wahrscheinlich, dass in der Realität unter Umständen wie in unserem Beispiel der mögliche Nutzen der Luca-App nicht voll zum Tragen kommt.“

Die Luca-App, bekanntgeworden durch ihre intensive Bewerbung durch den Rapper Smudo, ist in vielerlei Hinsicht umstritten. Ursprünglich ruhten große Hoffnungen auf ihr, bei der Kontaktnachverfolgung im Kampf gegen die Pandemie zu helfen und gleichzeitig die zuvor herrschende Zettelwirtschaft zu beenden. Doch zum einen gibt es teils erhebliche Bedenken hinsichtlich ihrer Sicherheit und der Gewährleistung des Datenschutzes (Plus-Artikel rosenheim24.de). Vor allem aber gibt es immer wieder Berichte, dass die App bei ihrer Kernaufgabe versagen würde, ein schlagkräftiges Werkzeug bei der Kontakt-Nachverfolgung zu sein. Das Nachrichtenmagazin Der Spiegel wendete sich beispielsweise mit einer umfangreichen Anfrage an etwa die Hälfte aller deutschen Gesundheitsämter. Die Rückmeldung war eher ernüchternd: Vielfach würde dem Magazin von Mängeln und Problemen mit der zuvor teuer angeschafften App berichtet. „Es ist nicht ersichtlich, was der Einsatz der Luca-App bringen würde“, zitiert der Bericht etwa einen Amtsleiter.

Der Freistaat Bayern hat für ein Jahr der Nutzung der App 5,5 Millionen Euro bezahlt. Auch viele regionale Gesundheitsämter haben, sie übernommen (Plus-Artikel chiemgau24.de). Die Leiterin des Münchner Gesundheitsreferats Beatrix Zurek beklagte allerdings laut dem Bayerischen Rundfunk, man bekomme einen „Datenwust“ serviert. Zwar habe es Nachbesserungen gegeben, aber die App sei immer noch nur eingeschränkt nützlich. „Im Klartext: Die Gefahr dass Behörden insgesamt im Fall der Fälle mit Luca-Daten eher unnütze Daten bekommen, die bei der Pandemiebekämpfung wenig helfen, ist keineswegs gebannt, das legen auch Erfahrungen aus anderen Gesundheitsämtern nahe“, schlussfolgert der Autor.

Gesundheitsamt Rosenheim: Können keine Aussage über Praktikabilität machen

„Das Gesundheitsamt am Landratsamt Mühldorf am Inn verwendet die Luca-App, hat aber bisher noch keine Fälle damit ermittelt. Bisher bestand bei uns vor Ort in Anbetracht der geltenden Maßnahmen und des Infektionsgeschehens einfach noch nicht die Notwendigkeit, auf dieses Ermittlungstool zurückzugreifen. Von den Problemen, die im Artikel des Spiegels angesprochen werden, können wir dementsprechend auch nicht berichten“, heißt es aus Mühldorf am Inn. „Falls wir in Zukunft mit unübersichtlicheren Infektionsumfeldern konfrontiert sein werden, sind wir zuversichtlich, dass die Erweiterung unserer Ermittlungsmöglichkeiten durch die Anbindung an Luca von Vorteil sein wird.“ Wiederum das Landratsamt Berchtesgadener Land teilt mit: „Bislang gab es noch keine Tracing-Anfragen, weshalb es hier keine Erfahrungswerte gibt.“

„Auch das Gesundheitsamt Rosenheim hat alle nötigen Schritte in die Wege geleitet, in der Hoffnung, dass alle Beteiligten gleichermaßen von den in Aussicht gestellten Vorteilen der Luca-App profitieren können“, berichtet Michael Fischer, Pressesprecher des Landratsamts Rosenheim gegenüber unserer Redaktion. „Es ist Standard im Gesundheitsamt Rosenheim, dass die Kolleginnen und Kollegen in der Kontaktpersonennachverfolgung seit der Implementierung der App vor mehreren Monaten jeden Indexfall explizit danach befragen, ob er sich im ermittlungsrelevanten Zeitraum mittels einer der gängigen digitalen Kontaktnachverfolgungs-Apps oder auf andere Art und Weise etwa in einem Restaurant oder im Rahmen einer Veranstaltung eingecheckt hat. Diese Frage wurde bis zum heutigen Tage stets verneint. Über die Gründe lässt sich nur spekulieren. Eine Aussage über die Praktikabilität in der täglichen Handhabung kann somit nicht getroffen werden.“

Überdies sei es dem Gesundheitsamt Rosenheim nicht möglich, eine Aussage über die Anzahl der Betreiberinnen und Betreiber zu treffen, welche die App nutzen, so Fischer weiter. „Grund hierfür ist, dass zwar eine Nutzung für die Gesundheitsämter des Freistaates Bayern verpflichtend ist, jedoch stellt nicht zuletzt § 5 der 13. Bayerisches Infektionsschutzmaßnahmenverordnung den jeweiligen Betreiberinnen und Betreiber frei, auf welche Lösung der Kontaktdatenerfassung zurückgegriffen wird“, erläutert Fischer. „So gibt es beispielsweise mit „Darfichrein“ eine weitere Art der digitalen Gästeregistrierung, die von verschiedenen Einrichtungen in Stadt- und Landkreis Rosenheim genutzt wird. Auch auf den Einsatz von Stift und Papier zur Kontaktdatenerfassung wird nicht selten zurückgegriffen. Wie auch bei der Luca-App wurde der örtlichen Kreisverwaltungsbehörde noch von keinem Indexfall mitgeteilt, sich im fraglichen Zeitraum mittels einer der beiden letztgenannten Lösungen registriert zu haben.“

hs

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