Vierter Verhandlungstag am Amtsgericht

Mutter belastet schwer, Angeklagter dementiert

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Altötting - Auch am vierten Verhandlungstag heißt es weiter "Aussage gegen Aussage". Den schweren Vorwürfen seiner Ex-Frau setzte der Angeklagte ein psychologisches Gutachten entgegen: 

Hat ein 68-Jähriger Familienvater aus dem Landkreis Altötting im April diesen Jahres seine Tochter zuerst mit der flachen Hand und anschließend mit der Faust geschlagen um sie zuletzt mit einem Schal zu würgen, oder nicht? Dieser Frage ging das Amtsgericht in Altötting auch am Dienstag weiter nach. Am vierten Verhandlungstag unter dem Vorsitz von Richter Günther Hammerdinger machten die zuständige Sachbearbeiterin der PI Altötting, die Mutter der Geschädigten und Ex-Frau des Angeklagten und der Sohn des 68-Jährigen Angaben zur Sache.

"Fürchterlich geweint, mit Verletzungen im Gesicht"

Zuerst stand die zuständige Sachbearbeiterin der Polizeiinspektion Altötting den Fragen des Richters Rede und Antwort. Sie berichtete zunächst von ihren Beobachtungen, die sie bei der ersten Vernehmung der Geschädigten gemacht hatte: "Zuerst war sie ganz gefasst. Als sie von den Vorkommnissen berichtete, hat sie dann aber fürchterlich geweint, mit erkennbaren Verletzungen im Gesicht", berichtete die Beamtin vom dem Tag, als die Tochter des Angeklagten Anzeige gegen ihren Vater erstattet hatte.

Neben den Fotos, die die Beamtin selbst anfertigte, übergab ihr die Geschädigte auch Handybilder, die kurz nach dem vermeintlichen Angriff ihres Vaters entstanden sein sollen. Darauf seien die Verletzungen, "blau und geschwollen", deutlicher sichtbar gewesen sein. "Bei der Vernehmung waren es noch leichte Rötungen an der Schläfe, an der Stirn und am Kinn. Dazu noch ganz leicht am Hals", erinnerte sich die Polizistin. 

Nach einer Vernehmung des Beschuldigten, sei die Beamtin am nächsten Tag zum Haus der vom Angeklagten getrennt lebenden und geschiedene Mutter gefahren. Dort habe die Polizistin die Telefone auf die Angaben hin überprüft, dass sich der Vater, vor dem Zusammentreffen mit seiner Tochter, bei ihr telefonisch gemeldet habe. Einen Nachweis dafür konnte die Sachbearbeiterin jedoch nicht finden. Eine Auskunft des Providers sei nicht eingeholt worden, zumal dieser in vorliegendem Fall, ohne Gefahr für Leib oder Leben, dazu auch nicht verpflichtet sei, so die Beamtin abschließend. Der Angeklagte habe sie mit Nachdruck um diese Untersuchung gebeten.

Gewalt in der Ehe, Scheidungskrieg

Der bisherige Verhandlungsverlauf im Überblick:

Als nächstes machte die Ex-Frau des 68-Jährigen und Mutter der Geschädigten Angaben zum Fall. Dabei belastete die 49-jährige Hausfrau ihren ehemaligen Ehemann schwer. Nachdem sie von den vermeintlichen Misshandlungen per SMS erfahren habe, sei sie umgehend zu ihrer Tochter gefahren. "Ihr Gesicht und ihr Hals waren geschwollen, alles war blau und rot", schilderte die Zeugin ihren ersten Eindruck. Eine Freundin sei bereits vor Ort gewesen und habe die Verletzungen mit einer Handykamera dokumentiert. Auf Nachfrage des vorsitzenden Richters, ob es während ihrer Ehe bereits zu gewaltsamen Auseinandersetzungen zwischen ihr und ihrem heute Ex-Mann gekommen sei, antwortete die Zeugin: "Leider ja".

Sie berichtete von Schlägen gegen sich selbst und auch gegen die Kinder. So habe er ihren "Kopf gegen die Fließen" und "mit der Faust in den Bauch" geschlagen, zu einem Zeitpunkt, als die Frau schwanger gewesen war. Sie berichtete weiter von häufigen Schlägen ins Gesicht, zu vielen Gelegenheiten, auch gegen die Kinder habe der 68-Jährige dabei die Hand erhoben.

"Jedes Mal wenn ich geschrien habe, ist auch der Hund auf mich losgegangen", ergänzte die Zeugin. Vorwürfe, die der Angeklagte hingegen bestritt. Stattdessen ließ der 68-Jährige die Zeugin über seinen Verteidiger, Rechtsanwalt Christian Straub, in einem anderen Licht erscheinen.So sei seiner Lebensgefährtin bereits im gemeinsamen Scheidungsverfahren eine psychologische Störung mit Realitätsverlust attestiert worden.   

"Er hat darauf bestanden, dass die Sache zügig vonstattengeht", antwortete die Zeugin zudem auf die Nachfrage von Rechtsanwalt Straub, wer von den beiden die Scheidung eingereicht hatte. "Weil ich wusste, dass das Verfahren schief läuft. Ich bin nicht krank! Wenn ich sein Lügengerüst geklärt hätte, hätte ich auch die Scheidung selbst eingereicht", ergänzte die 49-Jährige.

Audio-Aufnahmen nicht als Beweismittel zugelassen

Zuletzt machte noch der Sohn des Anklagten aus erster Ehe seine Aussage vor Gericht. Der 29-Jährige könne sich nur noch sehr vage an die gemeinsame Zeit mit seinem Vater erinnern. Zu Gewalt sei es nach Angaben des Zeugen damals jedoch nicht gekommen. Auch bei späteren Besuchen bei der neuen Familie, habe er keinerlei verdächtige Beobachtungen seitens seines Vaters gemacht.

Im Gegenteil: So soll die neue Frau des Angeklagten diesen teilweise unvermittelt mit der Hand ins Gesicht geschlagen haben. An einen Vorfall während einer gemeinsamen Autofahrt könne sich der Zeuge noch erinnern. Auch von anderen "körperlichen Aktionen", wie zum Beispiel "Schubsen, Packen oder Ohrfeigen" berichtete der Sohn im Laufe der weiteren Vernehmung vor Gericht.

Zusätzlich berichtete der Zeuge von einer Audioaufnahme, auf der ein Streitgespräch zwischen der zweiten Frau seines Vaters und ihrer Tochter zu hören sein soll. "Die Aufnahme habe ich auch noch", so der 29-Jährige abschließend. Richter Günther Hammerdinger sprach sich nach kurzer Überlegung jedoch dagegen aus, die Aufnahme als Beweismittel anzuerkennen. Die Tatsache, dass der Mitschnitt des Streits ohne Wissen der Mutter angefertigt wurde,verletzt das Persönlichkeitsrecht der Frau und solle nur dazu dienen, die Glaubwürdigkeit der Zeugin weiter anzugreifen, so der Richter. Zudem sei die Aufnahme nicht aus einer Notwehr-Situation heraus entstanden.

Fortsetzung der Verhandlung mit weiteren Zeugen

Die Verhandlung wird am 5. November ab 9 Uhr weiter fortgesetzt. Dann sollen weitere Zeugen, unter anderem auch das Nachbar-Ehepaar der Familie erneut, gehört werden. Ob es dann bereits zu einem Urteil gegen den 68-Jährigen kommt, ist unklar. innsalzach24.de ist auch dann wieder im Gerichtssaal und berichtet aktuell von den Geschehnissen.    

Rubriklistenbild: © sl/pa

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