Prozess am Amtsgericht

Schlug Vater zu? "Sie war total blau im Gesicht"

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Altötting - Hat ein Vater wirklich seine Tochter geschlagen? Oder handelt es sich um ein "abgekartetes Spiel"? Vor Gericht hat nun die Schwester des mutmaßlichen Opfers das Wort.

UPDATE 16.05 Uhr:

Die 16-jährige Tochter des Angeklagten belastet ihren Vater im Zeugenstand - und zwar gleich in doppelter Hinsicht. Zum einen beschreibt die Schülerin den schlechten Zustand ihrer Schwester nach deren Begegnung mit dem Vater. "Sie war total blau im Gesicht, es war voll angeschwollen", so die Zeugin. Ihre Schwester habe "total geheult. Die war fix und fertig." Zum anderen bestätigt die 16-Jährige die Aussage ihrer Schwester, wonach ihr Vater gegenüber ihnen und ihrer Mutter wiederholt gewalttätig geworden sei. Auf Nachfrage des Richters, wie oft das vorgekommen sei, antwortet die Schülerin: "Selten war es nicht."

Diesen Vorwürfen widerspricht der Angeklagte vehement. "Was ich jetzt gehört habe, ist so was von ungeheuerlich", sagt der 68-Jährige nach der Aussage seiner Tochter. Der Angeklagte bleibt bei seiner ursprünglichen Darstellung, wonach er von seiner Ex-Frau geschlagen worden sei - und nicht umgekehrt. Zurückgeschlagen habe er zuletzt vor 15 Jahren. "Ab dem Zeitpunkt habe ich mich verprügeln lassen, dass das Bett zusammengebrochen ist", so der Angeklagte.

Nach der Aussage der Tochter sind weiter Fragen offen. So sind nun Zweifel an den Aussagen der Nachbarn - ein Ehepaar - aufgekommen. Die 16-Jährige berichtet im Zeugenstand von einem Gesprächsfetzen, den sie vom Balkon aus gehört haben will. Das Ehepaar hat sich nach Aussage der Schülerin vor ihrem Termin bei Gericht darüber unterhalten, was sie vor Gericht sagen sollen. Zu welchem Ergebnis die Eheleute gekommen sein sollen, will die 16-Jährige aber nicht mehr gehört haben.

Es sind nun zwei weitere Verhandlungstage geplant. Die beiden Nachbarn sollen erneut gehört werden. Außerdem haben die beiden Ex-Frauen und eine weitere Tochter des Angeklagten das Wort. Zudem wird die Ärztin als Zeugin geladen, die ein Attest über die Verletzungen ausgestellt hat, die der Angeklagte seiner Tochter zugefügt haben soll. Zuletzt hat der 68-Jährige Zweifel angemeldet, dass die Fotografie, die gleich nach dem Vorfall vom Gesicht seiner Tochter gemacht worden war, echt ist. Außerdem soll ein Mitarbeiter der Familienhilfe gehört werden. Der Angeklagte zeigt sich am dritten Verhandlungstag überzeugt, dass die Familienhilfe bestätigen kann, dass er seine Kinder nicht geschlagen hat.

Die Verhandlung wird am kommenden Dienstag fortgesetzt. Innsalzach24.de wird auch dann wieder vom Prozess berichten.

Unser Vorbericht:

Am Amtsgericht Altötting muss sich weiter ein 68-Jähriger verantworten, der im April dieses Jahres im Streit seine heute 19-Jährige Tochter geschlagen und gewürgt haben soll. Ursprünglich war nur ein Verhandlungstag angesetzt, am Dienstag ist nun aber schon der dritte Prozesstag. Vater und Tochter schildern die Ereignisse jenes Tages komplett gegensätzlich.

Vater oder Tochter - wer lügt?

Der Angeklagte bestreitet, dass er seine Tochter - abgesehen von einer einzigen Ohrfeige vor vielen Jahren - jemals geschlagen habe. Der 68-Jährige sieht sich als Opfer seiner zweiten Frau. Diese habe die gemeinsame Tochter einer "Gehirnwäsche" unterzogen und ihn schlecht gemacht.

Die 19-Jährige macht hingegen ihrem Vater schwere Vorwürfe. Er habe in all den Jahren sie, ihre Schwester und ihre Mutter geschlagen. "Man durfte nicht weinen, dann hatte man eine drin", sagte die junge Frau im Zeugenstand unter Tränen. Die 19-Jährige blieb bei ihrer Darstellung, was den Vorfall im April anbelangt: Ihr Vater habe sie an jenem Tag geschlagen und gewürgt.

Töchter und Ex-Frauen im Zeugenstand

Das Gericht versucht, im Laufe der Verhandlung die familiären Verhältnisse besser zu beleuchten. Am Dienstag ist die Schwester der 19-Jährigen als Zeugin geladen. Der Angeklagte hat am ersten Verhandlungstag durchblicken lassen, dass er zu ihr ein besseres Verhältnis hat als zu seiner 19-jährigen Tochter. Später sollen außerdem die beiden Ex-Frauen und eine weitere Tochter als Zeugen gehört werden.

Am zweiten Verhandlungstag hatten zwei Nachbarn das Wort. Diese äußerten sich sehr negativ über die Mutter der 19-Jährigen. "Die Frau ist eine tickende Zeitbombe", sagte ein Nachbar. Seine Ehefrau mutmaßte mit Blick auf die Vorwürfe gegen den Angeklagten: "Für mich war das ein abgekartetes Spiel." Die Zeugin wunderte sich darüber, dass die Mutter und die Schwester der 19-Jährigen am Tag der mutmaßlichen Tat das Haus nur kurz verlassen hatten - und genau in diesem Zeitfenster der Angeklagte vorbeigekommen war.

Rubriklistenbild: © picture alliance / dpa (Symbolbild)

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