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Nach tödlichem A94-Unfall: Mühldorfer Geschäftsmann vor Gericht

Horror-Crash unter Alkohol? Porsche-Raser wegen fahrlässiger Tötung verurteilt

Tödlicher Unfall A94 Neuötting
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Bei dem Unfall auf der A94 starb eine 66-Jährige aus dem Kreis Passau.

Auf der Anklagebank am Altöttinger Amtsgericht nahm am Montag (19. Dezember) ein Geschäftsmann aus der Region Platz. Er soll Anfang Februar eine Frau aus dem Landkreis Passau totgerast haben. Die Anklageschrift der Staatsanwaltschaft legt dem Mann Unglaubliches zur Last.

Altötting/Mühldorf/A94 – Anfang Februar kam es auf der A94 bei Neuötting zu einem folgenschweren Unfall: Ein Geschäftsmann aus dem Landkreis Mühldorf soll bei extremer Geschwindigkeit mit einem anderen Fahrzeug kollidiert sein. Die Fahrerin des Autos verstarb noch an der Unfallstelle. Nun musste sich der Verursacher vor Gericht verantworten – die Staatsanwaltschaft wirft ihm fahrlässige Tötung vor.

Staatsanwalt Merkel verließt die Anklageschrift

Laut der Ermittlungen der Staatsanwaltschaft war der Angeklagte mit seinem Porsche Panamera in den Abendstunden auf der A94 in Richtung München mit einer Geschwindigkeit von knapp 240 km/h unterwegs. Als der Angeklagte rund 320 Meter vom Fahrzeug der Geschädigten entfernt war, wechselte diese auf die linke Fahrspur. Laut Staatsanwalt Merkel hätte der Geschäftsmann spätestens zu diesem Zeitpunkt eine Vollbremsung machen müssen. Stattdessen soll der Angeklagte selbst die Fahrspur von der rechten Seite nach links gewechselt haben. Was dann geschah, klingt unglaublich.

Mit einer Geschwindigkeit von über 200 Kilometern pro Stunde kollidierte das Fahrzeug des Angeklagten mit dem Mercedes einer Frau aus dem Landkreis Passau. Ein Polizist, der unmittelbar alarmiert zur Unfallstelle ausrückte, beschreibt das, was danach passierte: „Die Fahrbahn war trocken. Am Abend ist die Meldung eingegangen, dass ein schwerer Unfall passiert ist - mit insgesamt drei beteiligte Fahrzeugen: Ein Mercedes, ein Porsche und ein Skoda mit Anhänger und Oldtimer oben drauf.“

Mit Alkohol und am Telefon? – Tödlicher Crash bei über 200 km/h

Der Beamte von der Polizeiinspektion Mühldorf fährt fort: „Der Mercedes setzt zum Überholen an. Der Porsche kam von hinten und krachte in den Mercedes. Dieser wurde förmlich ausgehebelt und überschlug sich – und kam zuletzt auf dem Dach zu liegen.“ Der Polizist schildert weiter seine Beobachtungen an der Unfallstelle. Es war leichter Alkoholgeruch wahrnehmbar. Bei der ersten Atemkontrolle haben wir irgendwas über 0,2 Milligramm festgestellt.“ Eine Blutentnahme wurde angeordnet. Das Ergebnis dieser Untersuchung sollte später einen Wert von 0,43 Promille ergeben.

Als der Polizist den Unfallort erreichte, wurde die Fahrerin des Mercedes bereits rettungsdienstlich reanimiert. Kurze Zeit später verstarb die Frau an mehreren Genickbrüchen. Die anderen Beteiligten - wie auch der Angeklagte – blieben dagegen nur leicht- oder sogar unverletzt. Eine interessante Beobachtung machte der Polizist aus Mühldorf dann aber auf dem Mobiltelefon des Angeklagten.

Tödlicher Verkehrsunfall am Dienstag (8. Februar) auf A94 bei Neuötting

Verkehrsunfall auf der A94 bei Neuötting
Mühldorferin stirbt am späten Dienstagabend (8. Februar) bei Verkehrsunfall auf der A94 bei Neuötting.  © fib/MK
Verkehrsunfall auf der A94 bei Neuötting
Mühldorferin stirbt am späten Dienstagabend (8. Februar) bei Verkehrsunfall auf der A94 bei Neuötting.  © fib/MK
Verkehrsunfall auf der A94 bei Neuötting
Mühldorferin stirbt am späten Dienstagabend (8. Februar) bei Verkehrsunfall auf der A94 bei Neuötting.  © fib/MK
Verkehrsunfall auf der A94 bei Neuötting
Mühldorferin stirbt am späten Dienstagabend (8. Februar) bei Verkehrsunfall auf der A94 bei Neuötting.  © fib/MK
Verkehrsunfall auf der A94 bei Neuötting
Mühldorferin stirbt am späten Dienstagabend (8. Februar) bei Verkehrsunfall auf der A94 bei Neuötting.  © fib/MK
Verkehrsunfall auf der A94 bei Neuötting
Mühldorferin stirbt am späten Dienstagabend (8. Februar) bei Verkehrsunfall auf der A94 bei Neuötting.  © fib/MK
Verkehrsunfall auf der A94 bei Neuötting
Mühldorferin stirbt am späten Dienstagabend (8. Februar) bei Verkehrsunfall auf der A94 bei Neuötting.  © fib/MK
Verkehrsunfall auf der A94 bei Neuötting
Mühldorferin stirbt am späten Dienstagabend (8. Februar) bei Verkehrsunfall auf der A94 bei Neuötting.  © fib/MK
Verkehrsunfall auf der A94 bei Neuötting
Mühldorferin stirbt am späten Dienstagabend (8. Februar) bei Verkehrsunfall auf der A94 bei Neuötting.  © fib/MK
Verkehrsunfall auf der A94 bei Neuötting
Mühldorferin stirbt am späten Dienstagabend (8. Februar) bei Verkehrsunfall auf der A94 bei Neuötting.  © fib/MK
Verkehrsunfall auf der A94 bei Neuötting
Mühldorferin stirbt am späten Dienstagabend (8. Februar) bei Verkehrsunfall auf der A94 bei Neuötting.  © fib/MK
Verkehrsunfall auf der A94 bei Neuötting
Mühldorferin stirbt am späten Dienstagabend (8. Februar) bei Verkehrsunfall auf der A94 bei Neuötting.  © fib/MK
Verkehrsunfall auf der A94 bei Neuötting
Mühldorferin stirbt am späten Dienstagabend (8. Februar) bei Verkehrsunfall auf der A94 bei Neuötting.  © fib/MK

Der Beamte gibt an, dass der Angeklagte mit seiner Ehefrau telefoniert haben könnte: „Ein bis zwei Minuten plus oder minus vor dem Unfall und während der Fahrt“, so der Polizist. Zwischen 21.20 Uhr und 21.21 Uhr hätten mehrere Telefonate stattgefunden; der Unfall soll sich zur selben Zeit ereignet haben. Ob dabei über die Freisprecheinrichtung oder direkt am Handy telefoniert wurde, könne allerdings im Nachhinein nicht mit Sicherheit gesagt werden, so der Zeuge der Polizei.

Weitere Zeugen schildern den Unfall übereinstimmend

Zwei Zollbeamte, die zum Unfallzeitpunkt zufällig vor Ort waren, schildern den Hergang des folgenschweren Unfalls übereinstimmend. Man habe noch versucht, die eingeklemmte Frau aus dem Auto zu befreien – am Ende leider ohne Erfolg. „Das war völlig irre, er hat das Auto von hinten getroffen. (..) Ich hab dann nur noch versucht, unser Auto zum Stehen zu bringen. Hinter uns hat sich ein Lkw quergestellt über die ganze Autobahn“, berichtet etwa einer der Zollbeamten.

Der Fahrer des Skoda schildert den Unfall identisch: „Plötzlich hat es einen Schlag getan, mein Gespann ging sofort nach rechts weg, ich konnte den Hänger gerade noch einfangen. Und dann schoss ein Auto an uns vorbei – mit den Rädern nach oben“, so der Zeuge. Gelegentlich - wenn die Zeugen den Hergang und Verlauf des Unfalls bildhaft schildern - bricht der Angeklagte in Tränen aus. Dabei vergräbt er sein Gesicht in seinen Händen. Und schüttelt dabei langsam seinen Kopf.

Sachverständiger mit detailliertem Einblick in die Unfall-Physik

Kfz-Gutachter Frank Schmidinger bestätigt zuletzt die Aussagen der Zeugen. Er hat unter anderem die Daten des Porsche des Angeklagten nach dem Unfall ausgelesen und analysiert. Zudem hat er auch die anderen, am Unfall beteiligten Fahrzeuge begutachtet. So habe sich beim Aufprall das Heck des Mercedes rund einen Meter ins Fahrzeug-Innere verschoben.

„Eine massive Gewalteinwirkung ist dazu nötig“, so der Sachverständige. Laut seiner Berechnung bewegte sich der Mercedes unmittelbar nach der Kollision mit rund 160 km/h und überschlug sich dabei. Vor dem Zusammenstoß kommt der Sachverständige auf eine Geschwindigkeit von rund 100 km/h. Durch den Aufprall wurde der Mercedes also enorm beschleunigt. Der Porsche traf das Fahrzeug dagegen nahezu ungebremst mit einer Geschwindigkeit von knapp über 200 km/h.

Eine Sache macht den Gutachter allerdings stutzig: Der Notbremsassistent des Porsche habe nicht reagiert. Einen Fehler im System habe er in seiner Analyse nicht entdecken können. Seine Schlussfolgerung: Der Angeklagte habe sich bewusst durch einen Spurwechsel entschieden, die Warnung des Systems zu ignorieren beziehungsweise sogar außer Kraft zu setzen. „Er hätte eine Notbremsung machen müssen und nicht die Spur wechseln dürfen“, davon ist der Gutachter überzeugt.

Angeklagter: „Ich durchlebe den Unfall immer und immer wieder“

Der angeklagte Geschäftsmann gibt über seinen Anwalt bekannt, dass sich die Umstände wie vom Staatsanwalt und auch den Zeugen beschrieben ereignet haben. Unter Tränen, mit zitternder Stimme, äußert er sich: „Das was da passiert ist, bedaure ich wahnsinnig. Es ist mir unbegreiflich. Ich kann mich nur bei der Familie entschuldigen, dass ich das Leben gravierend verändert habe. Ich durchlebe den Unfall immer und immer wieder. Kriege die Bilder nicht aus dem Kopf. Ich würde alles tun, das rückgängig zu machen, aber ich schaff das nicht.“

Über seinen Anwalt Axel Reiter schrieb der Angeklagte nach dem Unfall auch einen persönlichen Brief an die Tochter der getöteten Mercedes-Fahrerin. Auch darin habe er sich entschuldigt. Bislang habe er allerdings keine Reaktion erhalten. Staatsanwalt Merkel erwidert: „Die Tochter der Geschädigten steht im Kontakt mit der Staatsanwaltschaft.“ Sie habe signalisiert, erst darauf reagieren zu wollen, wenn der Prozess abgeschlossen ist.

Haben beide Fahrzeuge etwa gleichzeitig überholt?

Verteidiger Axel Reiter bringt eine weitere mögliche Konstellation ins Gespräch: Der Rechtsanwalt des Angeklagten will vom Gutachter wissen, ob der Mercedes auch zum gleichen Zeitpunkt wie auch der Porsche nach links gezogen haben könnte. „Das kann ich anhand der Spurenlage so nicht erkennen“, so der Sachverständige. Abschließend ausräumen könne er diese Theorie allerdings auch nicht, aber: Die Kollision müsste sich in diesem Fall wohl verlagern – und somit auf Höhe des Fahrzeug des Zolls und nicht in der Nähe des vorausfahrenden Gespanns erfolgt sein, folgert der Gutachter.

Staatsanwalt Merkel bleibt in seinem Schlussvortrag bei den in der Anklageschrift dargestellten Abläufen. Und fordert entsprechend, den Angeklagten wegen fahrlässigen Totschlags zu bestrafen. Sein Ansatz allerdings lediglich eine Geldstrafe; eine Verurteilung zu 150 Tagessätze von je 80 Euro. „Wir haben auf unseren Autobahnen keine Geschwindigkeitsbegrenzung, das mag man gut finden oder nicht“, schließt der Staatsanwalt, aber: Der Angeklagte hätte in jedem Fall bremsen müssen. Verteidiger Axel Reiter schließt sich dem an, plädiert allerdings für nur 90 Tagessätze.

Porsche-Raser wegen fahrlässiger Tötung angeklagt – doch fällt die Bestrafung milde aus?

Dann verkündet Dr. Melanie Rochner das Urteil: Statt wie von Staatsanwalt Merkel gefordert, verhängt die Richterin eine Freiheitsstrafe von 10 Monaten. Die Strafe soll zur Bewährung ausgesetzt werden. Zudem soll der Geschäftsmann seinen Führerschein für sechs Monate abgeben.

Die Richterin ist sich sicher, dass der Porsche-Fahrer die Situation auf der Autobahn völlig falsch eingeschätzt hatte. Der Alkohol spiele im konkreten Fall keine Rolle, da keinerlei Ausfallerscheinungen zu beobachten waren. „Auch ich habe gesehen, dass Sie nicht vorbestraft sind. Ich glaube auch, dass Sie darunter leiden“, so die Richterin abschließend in Richtung des Geschäftsmannes. Und dennoch: „Der Grad des Verschuldens liegt aber aus meiner Sicht nicht im unteren oder mittleren Bereich.“

Eine Freiheitsstrafe anstatt einer Geldstrafe habe sie somit angeordnet, da sein Verschulden so hoch gewesen sei, dass eine Geldstrafe schlicht nicht mehr ausreicht. „Nicht nur die eine Sekunde der Fehlentscheidung, sondern der ganze Pfad, der zu dieser Entscheidung geführt“ habe, müsse dem Angeklagten zur Last gelegt und am Ende auch entsprechend bestraft werden.

sl

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