Bizarrer Streit um Altöttinger Abbruchhaus

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Das Abbruchhaus und die Wellen, die es schlägt
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Altötting - In beschaulicher Lage, direkt an der Trostberger Straße, steht das Strauß-Haus. Um das stark verfallene Gebäude tobt ein bizarrer Streit, der bis in die Stadtspitzen geht.

Das Strauß-Haus hat wahrlich bessere Zeiten gesehen. Sieht der vordere Teil des Grundstücks noch relativ solide aus, gammelt der hintere Teil seit Jahren vor sich hin. Da fehlt der Boden ab dem ersten Stock, Fenster sind ohne Glas und auch das Dach ist nicht mehr dicht. Die Feuchtigkeit hat schon lange die Mauern des Anwesens durchdrungen. Im ganzen Haus mieft es nach Salpeter.

Der Bauträger über das Vorhaben und die Konsequenzen der Ablehnung im Stadtrat

Tobias Hinterberger, Geschäftsführer der Hans Hinterberger Wohnbau GmbH, möchte das Gebäude dem für ihn einzigen, noch sinnvollen Zweck zuführen: dem Abriss. In seiner Planung soll das Eckhaus samt des Hinterhauses einem modernen Wohngebäude weichen: vorne vier, hinten drei Stockwerke hoch, mit Aufzügen und in erster Linie barrierefrei.

Von der Stadt fühlte sich der Bauträger bis vor Kurzem bestätigt. "In Altötting herrscht Bedarf an seniorengerechtem Wohnraum", erklärt Herbert Hofauer, Erster Bürgermeister der Stadt. Seit 2012 wurden die Hinterbergerschen Baupläne in Absprache mit dem Stadtrat angepasst. So lange, bis sich der Bauträger sicher war, sein Vorhaben umsetzen zu dürfen. Die Hinterberger Wohnbau GmbH kaufte über eine Mittlerfirma schließlich das Strauß-Haus. Ein Segen für den damaligen Besitzer, der lange vergeblich versucht hatte, das Grundstück zu veräußern.

Dann plötzlich die Wende. Tobias Hinterberger blies auf einmal ein ungeahnter Sturm aus dem Stadtrat entgegen. Konrad Heuwieser, Stadtrat und Dritter Bürgermeister von Altötting, behauptete im öffentlichen Teil einer Ratssitzung nun, der frühere Eigentümer sei "getäuscht und ein Stadtrat unter Druck gesetzt" worden. Die prompte Antwort der Gegenseite kam in Form einer Unterlassungserklärung, die Heuwieser aber nicht abgab.

Der Bürgermeister über die Entwicklungen im Stadtrat

Einige Zeit vor diesem Eklat im Stadtrat, aber schon nach dem Kauf des Grundstücks durch Tobias Hinterberger war Konrad Heuwieser mit einem befreundeten Anwohner-Ehepaar und einem weiteren Altöttinger Stadtrat nach München zur Regierung von Oberbayern gereist. Dort hatte das Quartett abgeklärt, welche Sanierungsmaßnahmen auf dem Strauß-Grundstück für staatliche Förderungen in Frage kämen. Sie bekamen die gewünschten Information. Mehr passierte hier jedoch nicht mehr. Heuwieser nennt die Erhaltung des "alten Altötting" als Erklärung für diese Fahrt: "Erstes Anliegen muss sein, unsere alte Bausubstanz zu bewahren."

Der Rechtsanwalt über den Stadtrat und die Zukunft des Vorhabens 

Im Oktober 2013 hatten sich die Kosten für die Bauplanung für Tobias Hinterberger schließlich auf mehrere Zehntausend Euro summiert. Geld, das sich endlich rentieren sollte. Tat es jedoch nicht. Mit 13:11 stimmte der Stadtrat nun gegen die fertigen Pläne für das Bauvorhaben. Für Tobias Hinterberger ein Schlag ins Gesicht. Er habe immer wieder alle Vorgaben der Stadt umgesetzt, Bedenken von Anwohnern berücksichtigt. Der Bauunternehmer hat jetzt die Nase voll: "Wenn es nach mir geht, steht die Bruchbude jetzt weitere 30 Jahre leer." Er wolle sich nicht mehr auf die Stadt zubewegen, die müsse jetzt den ersten Schritt tun.

Das Anwesen von Außen

Strauß-Haus und angrenzendes Gebäude außen

Den Abbruch-Trupp soll Hinterberger jetzt aber trotzdem bestellen. Vor ein paar Tagen erreichte den Bauträger eine Abrissverfügung des Landratsamts Altötting. Ein Standsicherheitsnachweis könne nicht mehr geführt werden. Die Zwischendecken und auch der westliche Teil des Dachstuhls seien morsch. Die "Bausubstanz", die Heuwieser hatte bewahren wollen, ist damit nicht zu retten. Abriss ohne rentablen Neubau! Bauträger Hinterberger versteht die Welt nicht mehr.

Das Anwesen von Innen

"Strauß-Haus" und angrenzendes Gebäude Innen

Sein Rechtsbeistand, der ehemalige Stadtrat Dr. Rudolf Saller, appellierte jetzt in einem letzten Versuch an die amtierenden Stadträte in mehreren offenen Briefen. Sie sollten "private Interessen dem Gemeinwohl unterordnen". Weil er darin mit Vorwürfen und Emotionen nicht sparte, bekam er prompt die Quittung. Saller: "Meiner Frau wurde telefonisch bestellt, ich möge mich von den Briefen distanzieren, sonst könne man nicht gewährleisten, mich wieder auf die Liste der CSU-Stadtratskandidaten zu setzen." Der Rechtanwalt ist zutiefst empört. Er kündigte – wieder in einem offenen Brief – an, aus der Partei auszutreten und eine eigene Wählergemeinschaft namens "Alternative für Altötting" zu gründen.

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