Eine ganze Region ist betroffen

PFOA-Problem im Landkreis Altötting: Kommt jetzt endlich Schwung rein? 

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Landkreis Altötting - Besorgte Bürger wollen Antworten auf ihre Fragen, Bürgermeister brauchen Hilfe, Kommunen warten auf finanzielle Unterstützung: Kommt jetzt Schwung in die PFOA-Problematik in der Region?

Dem Bedürfnis der Bevölkerung nach Transparenz und Information wird Rechnung getragen (werden).“ Das versprach Staatsminister Dr. Marcel Huber (CSU) am Freitag nach einem Termin am Umweltamt in Altötting, zu dem heimische Landtagsabgeordnete Dr. Martin Huber (CSU) geladen hatte. Neben den Bürgermeistern aus den betroffenen Kommunen hat auch Landrat Erwin Schneider (CSU) daran teilgenommen.

"Der Schutz der Bevölkerung steht im Mittelpunkt" (Dr. Marcel Huber)

Wir wollen laut unsere Stimmen erheben, damit wir in der Öffentlichkeit Gehör finden.“ Das war der Plan der Aktion von Mitgliedern der "Bürgerinitiative Netzwerk Trinkwasser" (BINT) am Freitagvormittag vor dem Umweltamt in Altötting. Antworten auf ihre Fragen haben sie gefordert. „Die rückhaltlose Aufklärung der Boden- und Wasserverseuchung durch PFOA muß jetzt beginnen.“

Diese Maßnahmen hat der Minister angekündigt:

  • Eine Informationsstelle am Landesamt für Gesundheit und Lebensmittelsicherheit (LGL) sowie eine Informationsstelle am Landesamt für Umweltschutz (LfU),
  • das von Landrat Schneider und MdL Martin Huber vorgeschlagene Forschungsprojekt zum geschlossenen Wasserkreislauf in Industrieanlagen und
  • eine mobile Aktivkohlefilteranlage für den Brunnen in Kastl. Da das Trinkwasser von dort den Leitwert für PFOA übersteigt, soll die Gemeinde darüber hinaus beim Bau der geplanten, dauerhaften Aktivkohlefilteranlage finanzielle Unterstützung erhalten.
  • Weiter sollen die betroffenen Kommunen von einer Expertengruppe aus den betroffenen Ministerien Hilfe in offenen Rechtsfragen erhalten. Darüber hinaus soll eine Studie zur zukünftigen Trinkwasserversorgung im Landkreis angestrengt werden.

Rückblick: So ging der "Kampf um gesundes Wasser" weiter

Nach der Senkung des Leitwertes für PFOA im Trinkwasser von 0,3 auf 0,1 Mikrogramm pro Liter gab es in der Region grundsätzlich zwei Möglichkeiten:

  • Entweder man nimmt betroffene Flachbrunnen vom Netz vom Netz und steigt auf Wasser aus Tiefbrunnen um weil dieses Wasser PFOA-frei ist
  • oder man mischt Wässer aus verschiedenen Brunnen so weit, bis beim Endverbraucher Trinkwasser ankommt, dass den Leitwert einhält.

Kastl kann beides nicht: Es gibt keinen Tiefbrunnen mit PFOA-freiem Wasser und es gibt keine Möglichkeit zu mischen. Ergo: Das Kastler Trinkwasser hält den Leitwert nicht ein. Dadurch, dass Burgkirchen seinen Brunnen im Öttinger Forst vom Netz genommen hatte, wurde das Kastler Wasser durch Grundwasserströmungen noch stärker belastet. Es fehlte eben ein ´Abnehmer´ wodurch sie das PFOA im Kastler Brunnen stärker anreicherte

Der Markt Tüßling bezog sein Wasser bis vor kurzem noch ausschließlich aus Kastl. Nach Bekanntwerden der PFOA-Problematik hat man dort, versucht, weitere zwei Möglichkeiten in Sachen gesundes Trinkwasser auszuschöpfen. Zum einen hat Tüßling einen Notverbund in punkto Trinkwasserversorgung mit Teising und zum anderen eigene Brunnen. Probleme: Der Notverbund reicht nicht. Teising kann nicht genügend Wasser für ganz Tüßling liefern und die eigenen Brunnen sind schon lange stillgelegt

Einer schien reaktivierbar. Problem hier: Auch diese Fördermengen reichen nicht für ganz Tüßling. Letztendlich hat es Tüßling durch Mischwasser dennoch geschafft, den Leitwert für PFOA im Trinkwasser einzuhalten. "Das ganze freilich nur, bis die Aktivkohleanlage in Kastl steht", so heißt es. 

Wasserwerte einhalten, eigene Blutwerte kennen: 

Während in der jüngsten Zeit auf der einen Seite um die Einhaltung der Leit- und Grenzwerte für Stoffe im Trinkwasser gekämpft wurde und weiter wird, war und ist das Bedürfnis der besorgten Bevölkerung nach persönlicher Aufklärung weiter gewachsen. Hieß es am Anfang noch "Sie sind alle betroffen" als Begründung gegen ein Monitoring, so werden entsprechende Blutproben von Freiwilligen bereits analysiert. Darüber hinaus hat das Landratsamt Altötting am Freitag Informationen für stillende Mütter aus Kastl und Tüßling herausgegeben. Sie können Muttermilch auf PFOA untersuchen lassen

Rubriklistenbild: © picture alliance / dpa

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