Klassensprecher starten Petition

Schüler der FOS/BOS Altötting gegen Wechselunterricht: „War gut gemeint, aber...“

Die Klassensprecher der FOS/BOS Altötting treffen sich regelmäßig in virtueller Runde, um über die aktuelle Situation zu sprechen. Über den Wechselunterricht sind sie nicht erfreut.
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Die Klassensprecher der FOS/BOS Altötting treffen sich regelmäßig in virtueller Runde, um über die aktuelle Situation zu sprechen. Über den Wechselunterricht sind sie nicht erfreut.

Seit kurzem findet auf Anlass des Bayerischen Kultusministerium wieder Wechselunterricht für die Abschlussklassen statt – sehr zum Unmut vieler Schüler. Für den Distanzunterricht würden viele Gründe sprechen. Deshalb haben sie nun auch eine Petition gestartet, um Gehör zu finden. 

Altötting - „Wir haben uns auch mit einigen Lehrern unterhalten. Sie sehen große Herausforderungen beim Wechselunterricht“, so Jenny Hansjürgen (24), Klassensprecherin einer Abschlussklasse an der BOS, gegenüber innsalzach24.de. Das große Problem dabei sei nämlich, dass im Wechselunterricht, der seit 1. Februar stattfindet, die eine Hälfte in den Klassenzimmer betreut werden müssen, die andere Hälfte vor dem PC. Der Unterricht könnte also nicht so gestaltet werden, dass es viel bringt.


Klassensprecher der FOS/BOS Altötting gegen Wechselunterricht: „Nicht optimal“

„Es war sicher gut gemeint von der Politik und uns ist unser Abschluss auch wichtig. Aber in der aktuellen Situation ist der Wechselunterricht nicht optimal“, schildert Hansjürgen. Generell stelle sich die Frage, ob es nicht sinnvoller wäre, alle Abschlussklassen zu Hause zu lassen, so der Tenor der Klassensprecher, die sich virtuell darüber austauschen. „Daher hoffen wir sehr, dass dieser Wechselunterricht für Abschlussklassen vollständig aufgehoben oder zumindest verändert wird“, so die Klassensprecherin. Dafür haben sie auch bereits eine Online-Petition gestartet.


Seit kurz vor Weihnachten waren die Schüler im Distanzunterricht. „Anfangs waren die Sorgen darüber auch groß, ob das funktioniert. Aber es klappte hervorragend. Wir hatten ganz normal Unterricht, nur eben über Audio- oder Videokonferenzen“, schildert die 24-jährige Schülerin. Sogar Gruppenarbeiten und mündliche Noten waren möglich. Voraussetzung hierfür sei aber, dass sich alle darauf konzentrieren können.

Großes Problem Prüfungen

Natürlich sei es für die Schüler schade, wenn man nur alleine zu Hause sitzt und keinen persönlichen Kontakt zu den Mitschülern hat. „Angesichts der aktuellen Situation waren aber alle zufrieden mit dem Distanzunterricht. Und wenn die Schüler nur zu den Prüfungen anwesend sein müssten, könnte besonders darauf geachtet werden, die Abstände zu wahren“, so die Klassensprecherin.

Aufgrund von Quarantänen fielen auch viele Prüfungen aus und müssen nachgeholt werden. An sich wäre dies kein Problem, da das erste Halbjahr verlängert wurde. „Dafür ist die zweite Hälfte umso kürzer. Wenn sich dann wieder ein Schüler infiziert, müssen wieder ganze Klassen in Isolation“, erläutert Hansjürgen die Schwierigkeit.

Gedanken über einen Streik wie in Nürnberg oder Wasserburg habe es in Schülerkreisen auch gegeben. „Die Sorge über Verweise ist dafür aber einfach zu groß. Wir versuchen alle einen Studienplatz zu bekommen. Das Risiko, wegen einem Streik dies auf das Spiel zu setzen, wollen viele verständlicherweise nicht eingehen“, erklärt die 24-Jährige. Der Wechselunterricht ist für alle Abschlussklassen verpflichtend und es herrscht eine Anwesenheitspflicht. Bei fünf unentschuldigten Fehltagen wird man nicht zum Abitur zugelassen.

Viele Schüler arbeiten nebenbei und wollen Infektionsrisiko gering halten

An der BOS würden viele Schüler noch nebenbei arbeiten. Die Gefahr sich in der Schule zu infizieren und dann in die Einrichtungen mitzunehmen mache vielen Schülern Angst. „Es hängen auch andere Menschen daran, die wir nicht gefährden wollen“, so die Klassensprecherin, die selbst in einem Altenheim tätig ist.

Auch die neue Mutation, die bereits in der Region nachgewiesen ist, spiele dabei eine Rolle. „Eine solche Gefahr wird gar nicht berücksichtigt. Natürlich lüften wir auch, aber ein Restrisiko besteht weiterhin. Die Klassen wurden zwar halbiert, aber für schriftliche Prüfungen kommen doch wieder alle zusammen“, so Hansjürgen. Bei Fächern wie Religion oder Ethik werden zudem mehrere Klassen zusammen unterrichtet. Auch die Anfahrt mit Bus oder Zug lasse möglichst wenig Kontakt kaum zu.

Schulleitung mit aktueller Regelung nicht zufrieden

Der Schulleitung sind dabei die Hände gebunden. „Der Wechselunterricht wurde vom Kultusministerium angeordnet. Als Sprecher der Direktorinnen und Direktoren der FOSBOS war ich am Montag beim sogenannten Bildungsgipfel mit Herrn Dr. Söder und Prof. Piazolo dabei und habe natürlich auch diese Dinge angesprochen“, erklärt Schulleiter Rudolf Geier gegenüber innsalzach24.de.

Die Sorgen einiger Schülerinnen und Schüler könne er nachvollziehen. Schließlich sei er ja auch ständig mit den Schülersprechern im Austausch. „Man muss aber auch die andere Seite sehen: Es gibt nicht wenige Schüler, die den Wechselunterricht begrüßen, weil sie dadurch wieder den direkten Kontakt mit den Lehrkräften haben“, gibt Geier zu Bedenken.

Dennoch: Mit der derzeitigen Regelung ist der Schulleiter nicht zufrieden. „Ich wünsche mir mehr Flexibilität für die Schulleitungen vor Ort, damit man möglichst passgenaue Lösungen anbieten kann. Allerdings wird man nicht jeden Einzelwunsch erfüllen können“, so Geier. Man wolle den Abiturientinnen und Abiturienten eine möglichst gute Vorbereitung auf die anstehenden Abiturprüfungen bieten. „Dafür setzen wir uns mit aller Kraft ein“, so Geier abschließend.

jz

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