Hunderte Gläubige feierten am Freitagabend

Rückkehr nach Altötting: Letzte Maiandacht mit Lichterprozession

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Altötting - Mehrere hundert Gläubige feierten in Altötting zusammen mit Bischof Stefan Oster am vergangenen Freitag eine besondere Andacht.

Zum Abschluss des Marienmonats waren Katholiken aus dem ganzen Landkreis im Altöttinger Franziskushaus zusammengekommen. Am 100. Jubiläumstag der Rückkehr des Gnadenbildes in den Wallfahrtsort, gedachten sie der Revolutionswirren in Bayern nach dem Ende des Ersten Weltkriegs. 

Denn am 31.Mai 1919 kehrte das seit dem 15. Jahrhundert als wundertätig bekannte Bildnis der Gottesmutter Maria, die ihren Sohn auf dem rechten Arm trägt, in das „Herz Bayerns“ zurück. Der Rückkehr des seit Jahrhunderten verehrten „Kristallisationspunkts des Glaubens und der Hoffnung“(Oster) ging damals eine Odyssee durch die ganze Diözese voraus.

"Heimkehr" der Schwarzen Madonna nach Altötting

Im Revolutionsjahr 1919: „Flucht“ der Marienstatue nach Passau

Vom 24.-26. April 1919 hatte der damalige Altöttinger Stadtpfarrer Franz Xaver Konrad die „Schwarze Madonna“ zunächst in ein unauffälliges Reisepaket geschnürt und anschließend mit Tiergespannen in die Domstadt nach Passau gebracht. Verängstig hatten den Geistlichen die blutigen Ausschreitungen zwischen antidemokratischen Freikorps und den „Spartakisten“ im Ringen um politische Macht. 

Gerade die linken Kräfte der Räterepublik waren als religionsfeindlich berüchtigt. Auf ihrer Reise machte die vermutlich im 13. Jahrhundert im Burgrund gefertigte Lindenholz-Statue Station in Reischach, Eggenfelden, Aidenbach und Vilshofen, bevor sie im Kloster Niedernburg in Passau eine Zuflucht fand. In seiner Predigt vom 10. Mai 1919 lobte der damalige Passauer Bischof Sigismund Felix von Ow-Felldorf Maria nicht nur als „Schutzfrau Bayerns“, sondern auch als „Königin des Friedens“. 

Um Sigismunds friedensstiftenden Worten Ausdruck zu verleihen, war das Altöttinger Gnadenbild zuvor aus seinem Versteck bei den „Englischen Fräulein“ in den Passauer Dom gebracht worden, wo es in den darauffolgenden Wochen von vielen Gläubigen aus Niederbayern und Österreich aufgesucht wurde. 

Die schlimmsten Befürchtungen von Stadtpfarrer Konrad waren in Altötting aber gar nicht eingetreten: lediglich 20, hauptsächlich aus Norddeutschland stammende „Spartakisten“, hatten in Altötting versucht, die Räterepublik am Leben zu erhalten und dabei die Stadtkasse geplündert. Nach 20 Tagen im Passauer Dom fand das Marienbildnis am 31. Mai 1919 schließlich mittels Auto und Zug den weniger beschwerlichen Weg zurück nach Altötting. Nur zweimal seit Beginn der Altöttinger Wallfahrt im Jahr 1489, hatte das Gnadenbild zuvor schon die Heilige Kapelle verlassen: 1632 und 1648, während des Dreißig Jährigen Krieges.

„Heimat: der Ort, an dem sich jeder wohl fühlt“

Auch für viele Altöttinger war der 31. Mai 2019 also ein einzigartiges Erlebnis. „So nah kommt man der „Schwarzen Madonna“ sonst nie“, freuten sich Mitarbeiter und Bewohner des Franziskushauses. Bischof Stefan Oster nutzte die Maiandacht unter Anderem dafür, um sich gemeinsam mit den Gläubigen in der überfüllten Kirche der 1893 gegründeten Einrichtung Gedanken über „das heute wieder in aller Munde befindliche Wort Heimat“ zu machen. Auch die Silbe „Ge“ analysierte der beliebte Oberhirte der Passauer Diözese: sie stehe in der Regel für eine „große Ansammlung von etwas“. 

So forme sich ein Gebirge aus vielen Bergen, das Gebiss bestünde aus den Zähnen; das Gebet wiederum ist ein großer Potpurri von Bitten, der sich aus den unterschiedlichsten Motivationen ergibt. Dass das Altöttinger Marienbildnis daher vor 100 Jahren schnellstmöglich an seinen angestammten Platz heimkehren sollte, wo es schon so viele Bitten erhört hatte, war „ge“boten. 

Oster gilt als großer Verehrer der Gottesmutter Maria, was nicht zuletzt auch in seinem Passauer Hirtenstab zum Ausdruck kommt: die Krümme zeigt den 1934 heilig gesprochenen Altöttinger Kapuzinerbruder Konrad, kniend vor der Altöttinger Madonna. Nach der Andacht zogen die Gläubigen über die Neuöttinger Straße in einer Lichterprozession zum Kapellplatz, wo sie gemeinsam sangen und beteten. Bischof Oster erteilte mit der „Schwarzen Madonna“ zum Abschluß den Segen.

Peter Becker

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