Töginger (42) angeklagt - Prozess am Amtsgericht Altötting  

Sexuelle Nötigung? 21-Jährige: „Aus Angst habe ich nicht direkt Nein gesagt“

Einem 42-jährigen Mann aus Töging wird vorgeworfen, eine damals 19-Jährige im Sommer 2019 gegen ihren Willen sexuell belästigt zu haben. Die Verhandlung am Montag, 22. März, am Amtsgericht Altötting war jedoch geprägt von vielen Gedächtnislücken.  

Altötting/Töging – Der Angeklagte soll das Mädchen am 6. Juli 2019 in einer Bar in Töging kennengelernt und sie in sein Auto gelockt haben. In seinem Fahrzeug sowie an einem Feldweg hätte er sie geküsst und an allen Intimbereichen angefasst. Zusätzlich habe er während der Fahrt ihre Hand an seinen Penis gedrückt. So lautet der Vorwurf der Staatsanwaltschaft zu Prozessbeginn am 22. März am Amtsgericht Altötting.

Prozess wegen sexueller Nötigung am Amtsgericht Altötting: Töginger schweigt, Geschädigte berichtet

Der Töginger selbst wollte sich nicht zu den Vorwürfen äußern. Warum die heute 21-Jährige in das Auto gestiegen ist, könne die Geschädigte nicht genau beantworten. „Ich habe schon einiges getrunken und ich mag Audis“, vermutet sie. Der Angeklagte habe einen Freund vom Bahnhof abholen wollen und sie hätte ihm den Weg zeigen sollen. An diesem wären sie aber vorbeigefahren. „Dann hatte ich schon ein bisschen Angst“, so die 21-Jährige.

Anschließend habe der Angeklagte gesagt, den Freund vom Krankenhaus abholen zu wollen. Auf der Fahrt habe er dann ihre Brüste entblößt und berührt. An einem nicht näher bekannten Feld weg habe der Töginger sie dann entschlossen aus dem Auto gezogen und sie gegen das Auto gedrückt und geküsst und an allen Intimbereichen angefasst. „Aus Angst habe ich nicht direkt Nein gesagt. Ich wusste nicht was passiert, wenn ich es verweigert hätte. Daher habe ich den Kuss auch nicht abgeblockt. Aber man hat gemerkt, dass ich das nicht wollte“, so die Geschädigte. Zudem habe sie beispielsweise erwähnt, sie wäre verlobt und sie hätte ihre Periode.

Geschädigte: „Er hat mich zum Objekt gemacht“

Kurze Zeit später hätten die beiden die Fahrt fortgesetzt, wo der Angeklagte mit seiner Hand unter ihr Kleid ist. Dabei habe er wohl auch versucht mit dem Finger in ihr einzudringen. So habe es die damals 19-Jährige bei der Polizei angegeben. Auf Nachfrage der Staatsanwaltschaft bestätigte die Geschädigte dies unter Tränen: „Das habe ich wohl verdrängt“. Er habe zudem auch ihre Hand auf seinen Penis gedrückt. Aufgehört hätte es erst, als sie an einem ihr unbekannten Krankenhaus den Freund des Angeklagten angetroffen haben.

Nach einer kurzen Raucherpause hätten sich die drei Personen auf den Rückweg nach Töging gemacht. Dort habe sich die 21-Jährige im Fußraum aufgehalten, da es sich bei dem Audi um einen Zwei-Sitzer gehandelt hatte. Dort habe er ihre Brust nochmals entblößt und angefasst. Zudem hätte er seinen Freund aufgefordert, sie auch mal zu berühren. „Er hat viele eklige und abwertende Bemerkungen geäußert und mich zum Objekt gemacht“, beschreibt die Geschädigte. Noch heute hätte sie Unwohlsein und Flashbacks, wenn sie einen Audi sieht.

Angeklagter sei entschlossen, aber nicht gewaltsam vorgegangen

Auf Nachfrage der Verteidigung, warum sie nicht die Flucht ergriffen habe, entgegnete die Geschädigte: „Ich wusste nicht, wo wir sind. Mein Handy hatte zudem kein Guthaben. Beim Krankenhaus hätte sie nur noch Gedanken an die Heimfahrt gehabt. Ich habe nicht überlegt und würde vieles anders machen. Ich wollte nur noch schnell nach Hause.“ Sie habe sich schutzlos gefühlt. Dennoch betonte sie, der Angeklagte wäre nicht gewaltsam, sondern entschlossen vorgegangen.

Ein weiterer Zeuge, ein Bekannter der Geschädigten mit dem sie in der Tatnacht unterwegs waren, konnte sich im Gegensatz zu den Vernehmungen bei der Polizei wie die Geschädigte selbst an nicht mehr viele Details erinnern. Zum einen liege der Vorfall fast zwei Jahre zurück, zum anderen war auch Alkohol im Spiel. „Als sie mich gesehen hat, ist sie mir in die Arme gelaufen und hat geweint“, erinnert sich der Bekannte. Sie habe ihm dann erzählt, was vorgefallen wäre. Anschließend habe er die Polizei angerufen.

Erzählungen glaubhaft für Polizei

Der damals zuständige Beamte berichtete, dass die damals 19-Jährige sehr aufgewühlt gewesen wäre. Bei der Vernehmung allerdings hätte sie einen strukturierten Handlungsablauf wiedergegeben. „Das hat für mich Sinn ergeben. Vom Alkohol habe ich nichts gemerkt“, so der Polizist. Zur Tatzeit hat die Geschädigte vermutlich einen Promillewert von 1,5 gehabt. Zwar wären einige Punkte anders als bei einer späteren Vernehmung, aber das könnte er auch falsch verstanden haben.

Auch die Beamtin von der Kriminalpolizei, die den Fall übernommen hat, sprach von einem sehr detaillierten Geschichte. „Als ich ihr das Bild des Angeklagten gezeigt habe, hat sie gezuckt und geweint. So etwas habe ich selbst noch nicht erlebt“, berichtet die Zeugin. Auf den Töginger sei man durch ein Foto eines Audis des Bekannten und des Freundes der Geschädigten aufmerksam geworden, das sie noch in der Nacht in der Nähe der Bar aufgenommen haben. Die dritte Person im Auto hätte die Polizei allerdings nicht ausfindig machen können.

Da ein weiterer Zeuge sich zum Verhandlungstermin noch in Quarantäne befand und dieser laut Verteidigung noch wichtige Hinweise für den Prozess liefern könnte, wurde noch kein Urteil gefällt. Zudem soll am Fortsetzungstermin am 6. April die beschriebene Szene im Fußraum mit der Geschädigten rekonstruiert werden. Die Verteidigung habe Zweifel daran, dass dort die 21-Jährige den nötigen Platz gehabt hätte. Eine Rekonstruktion durch die Polizei erfolgte nach Angaben der Beamtin nur in einem Dienstauto.

jz

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