Kommunalwahl 2014 in Bayern

Kammhuber: "Seit Jahren Stagnation im Landkreis"

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Landratskandidat Franz Kammhuber (SPD)
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Burghausen - Ein neuer Politikstil, mobile Dienstleister und ein Ende der "Stagnation": Franz Kammhuber (SPD) hat sich für den Fall eines Wahlsiegs viel vorgenommen.

Aller Kritik zum Trotz findet Landratskandidat Franz Kammhuber (SPD) viele lobende Worte für seinen Mitbewerber, Amtsinhaber Erwin Schneider (CSU). Allen voran der parteiübergreifende Einsatz gegen die Rechten in Halsbach hat den Kreisrat beeindruckt: "Wenn sich die Rechten mit einem Zentrum niedergelassen hätten, wäre das fatal gewesen. Da haben wir alle an einem Strang gezogen. Das war sehr wertvoll."

Was Kammhuber in der aktuellen Landkreispolitik hingegen fehlt, sind Anstöße für das große Ganze. Der Landkreis profitiere von Infrastrukturen aus den achtziger und neunziger Jahren, wie etwa dem Krankenhaus in Neuötting und der Müllverbrennungsanlage in Burgkirchen. "Da ist in den letzten Jahren nicht viel dazugekommen", so Kammhuber. Die Fusion der Kreissparkassen und der Krankenhäuser in Burghausen und Altötting nennt der SPD-Politiker "eher Pflichtaufgaben". Darüber hinaus sei "Stagnation".

Gibt's im Kreistag ein Informationsdefizit?

Gerade bei sozialen Themen, etwa dem Engagement Ehrenamtlicher für Asylbewerber, wünscht sich Kammhuber mehr Impulse vom Landrat. "Es wäre für mich ein ganz elementarer Bestandteil, damit diese Menschen hier human und menschlich untergebracht werden können." Betreuung durch Ehrenamtliche finde zwar statt, diese seien aber auf sich alleine gestellt. "Es wäre möglich für den Landrat, Signale zu setzen."

Auch die politische Kultur möchte Kammhuber im Falle eines Wahlsiegs verbessern. Aus Mangel an Themen seien zuletzt zwei von fünf Sitzungen des Kreisausschusses abgesagt worden. In anderen Landkreisen, so Kammhuber, würden die Kreisräte im Ausschuss auch über die Landkreispolitik informiert. "Wir müssen Zeitung lesen, damit wir erfahren, was im Landkreis los ist." Für Kammhuber herrscht im Landkreis eine "politische Kultur, die bei weitem nicht die Qualität hat, wie sie unsere Demokratie verdienen würde".

"Wirtshäuser sperren zu, Pfarreien schließen"

Wichtige konkrete Themen in den kommenden Jahren sind für Kammhuber die Bildung im Landkreis, die Situation der Kreiskliniken und die Zukunft des ländlichen Raums. "Schulen verschwinden, Wirtshäuser sperren zu, Pfarreien schließen", so Kammhuber, der die Attraktivität der Region gefährdet sieht. Um diesen Trend entgegenzuwirken, möchte der SPD-Politiker einen öffentlichen Nahverkehr aufbauen und die Menschen vor Ort mit mobilen Dienstleistern, zum Beispiel in Form einer mobilen Lebensmittelversorgung oder einem mobilen Sparkassenschalter, versorgen - und zwar ohne immer ausschließlich auf die Rentabilität zu achten. "Wenn man schaut, ob sich Infrastruktur im ländlichen Raum rechnet - da ist der Markt brutal."

Bei der Suche nach Lösungen für das teils sanierungsbedürftige und überfüllte Schulzentrum in Altötting geht Kammhuber mit dem Landrat d'accord. Auch der SPD-Politiker plädiert dafür, Prognosen zu Schüler- und Lehrlingszahlen abzuwarten. Allerdings regt Kammhuber an, "Fachleute von außen" heranzuziehen. "Die haben die Erfahrung, wie man so etwas stärker zusammenführen kann." Grundsätzlich müsse aber eine Abstimmung mit dem Landkreis Mühldorf her, damit nicht beide Landkreise in Konkurrenz zueinander etwas bauen.

"Der Landrat hat immer ein offenes Wort"

Bei den im Moment defizitären Kreiskliniken pocht Kammhuber darauf, dass die Abteilungen wirtschaftlicher arbeiten - allerdings ohne die Mitarbeiter noch stärker zu belasten. "Ich schätze die Loyalität vom Pflegepersonal bisher enorm", so Kammhuber. "Obwohl es intern ganz schön Sand im Getriebe gibt und enorme Belastungen, lassen sie es den Patienten nicht spüren."

Gerade vom "Difaz", dem neuen Dienstleistungs- und Fachärztezentrum in Altötting, hat sich der Landratskandidat mehr erhofft. "Das erschien sinnvoll wegen der Synergien zwischen den Abteilungen." Jetzt aber sei ein Großteil der Fläche vom Gesundheitsamt belegt. "Da sehe ich die Synergien mit dem Krankenhaus gar nicht."

Ob Kammhuber seine Ideen künftig als Landrat in Angriff nehmen kann, entscheiden die Wähler am 16. März. Er ist der einzige Herausforderer von Amtsinhaber Erwin Schneider, den er vor allem für dessen menschliche Qualitäten schätzt. Zwar könne der Landrat bei Kreistagssitzungen "schon vom Leder ziehen. Aber wenn man sich später auf einer Veranstaltung über den Weg läuft, hat er ein offenes Wort und man kann sich in die Augen schauen", lobt Kammhuber.

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