Virtuelle Laufwettbewerbe

Altöttinger Hindernisläufer findet virtuelle Konkurrenz - „schon sehr anstrengend“

Hindernisläufer
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Der Altöttinger Carsten Armstroff nahm an einem virtuellen Laufwettberwerb teil.

Altötting - Der Altöttinger Halbmarathon fand in diesem Jahr zwar statt. Trotzdem waren wegen der behördlichen Auflagen deutlich weniger Teilnehmer dabei, als in den vielen Jahren zuvor. Ein Teilnehmer und begeisterter Läufer hat nun eine Möglichkeit gefunden, wie er trotz Corona an Wettbewerben teilnehmen kann.

Der Buchbinder Carsten Armstroff, der bei einer Altöttinger Druckerei beschäftigt ist, hat seit Jahren eine Leidenschaft im Laufen und beim Crossfit gefunden. Was den Hobby-Läufer derzeit umtreibt, ist nicht zuletzt die Tatsache, "dass man beim Laufen schon schief angesehen wird". Ein Problem, das viele Amateursportler derzeit treffen dürfte, weil sie sich weder in Studios, noch auf öffentlichen Sportplätzen fit halten dürfen. Doch der Sportbegeisterte hat jetzt für sich eine Lösung gefunden, an Wettbewerben teilzunehmen, ohne dabei gegen irgendwelche Auflagen zu verstoßen, oder ein Bußgeld zu riskieren: am vergangenen Wochenende war er beim "World's Toughest Mudder" dabei, und zwar virtuell.


So funktioniert die „Challenge“ online

Wie sowas geht, erklärt der Extremläufer, nachdem er am vergangenen Wochenende unzählige Runden um den Egglburger See bei Ebersberg gedreht hat, und dabei mehr als 80 Kilometer hinter sich gebracht hat. Nach der Registrierung auf der britischen Website des Tough-Mudder-Franchise wurden schnell die Anforderungen klar. Über eine Smartphone App waren den Veranstaltern sowohl die erbrachten Leistungen nachzuweisen, damit diese auch gewertet werden konnten. "Da haben insgesamt 850 Menschen aus 15 Nationen teilgenommen", erklärt der Hindernisläufer die außergewönliche Veranstaltung. Jede Runde, die drei Kollegen vom "OCR Munich", einem Verein der sich auf solche Hindernisläufe spezialisiert hat, in etwa abgemessen war, ging über die obligatorischen fünf Meilen, also etwa 8 Kilometer.


Nur komplett absolvierte Runden gingen am Ende in die Wertung des Veranstalters ein. Zeit hatten die Läufer dafür 24 Stunden und die Zeit nutzte Carsten Armstroff mit den Mitstreitern aus dem Münchener Raum, um möglichst viele Meilen zu machen. Für ihn brachte es am Ende mit 50 gewerteten Meilen Platz 248 ein. Der Sieger hatte sogar 110 Meilen auf dem Konto.

Verschiedene Aufgaben müssen absolviert werden

Die für "Tough Mudder" sonst üblichen Hindernisse, die oftmals nur gemeinsam in einem Team zu bewältigen sind, durfte es wegen der Lockdown-Beschränkungen diesmal nicht geben. Daher gab es andere Aufgaben, die zwischen den einzelnen Runden zu erledigen waren und die teils lustig, teils schwierig zu meistern waren. Zu den lustigeren Dingen gehörte es beispielsweise, mit einem Esslöffel im Mund, die drei darauf liegenden Würfel 50 Meter zu balancieren. Auch dass man mit einem Luftballon 10 Plastikbecher aus zwei Metern Entfernung von einer Bierbank schießen musste, gehörte zweifellos in die Kategorie "Auflockerung". Schwieriger wurde es dann schon, als man im Liegestütz aus 100 Streichhölzern den World's toughest mudder-Schriftzug nachzeichnen sollte, ohne diesen zu verlassen.

Altöttinger nahm an virtuellem Laufwettbewerb teil

Hindernisläufer
Der Altöttinger Carsten Armstross nahm an einem virtuellen Laufwettberwerb teil. © privat/pbj
Hindernisläufer
Der Altöttinger Carsten Armstross nahm an einem virtuellen Laufwettberwerb teil. © privat/pbj
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Der Altöttinger Carsten Armstross nahm an einem virtuellen Laufwettberwerb teil. © privat/pbj
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Der Altöttinger Carsten Armstross nahm an einem virtuellen Laufwettberwerb teil. © privat/pbj
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Der Altöttinger Carsten Armstross nahm an einem virtuellen Laufwettberwerb teil. © privat/pbj
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Der Altöttinger Carsten Armstross nahm an einem virtuellen Laufwettberwerb teil. © privat/pbj
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Der Altöttinger Carsten Armstross nahm an einem virtuellen Laufwettberwerb teil. © privat/pbj

Oder dass man sich im "wall sit", also in Sitzposition an die Wand gelehnt, mit den beiden freien Armen einen Luftballon 150 Mal um den eigenen Oberschenkel herumreichen sollte, ohne die anstrengende Position zu verlassen. Zumal alles per Foto dokumentiert und über die App an die Veranstalter zu senden war. "Also wenn man nach 76 Kilometern dann eine Runde lang jede Meile 50 Jumping Jacks (Hampelmann, Anm.d.Red) machen muss, dann ist das schon sehr anstrengend", erinnert sich Carsten Armstroff. Die gestellten Aufgaben kamen in ihrem Schwierigkeitsgrad also durchaus den echten, herausfordernden Challenges in den echten "Tough Mudder"-Läufen nahe.

So hat sich Carsten Ambross vorbereitet

Vorbereitet hatte sich der extreme Hindernisläufer unter Anderem beim "getting tough" in Oberhof, bei den xletix in Berlin und als Teilnehmer des Altöttinger Halbmarathon in diesem Jahr. Natürlich war er in den letzten Jahren auch immer bei der "Lettengaudi" in Ampfing dabei gewesen. Dies sei bereits sein 23. Lauf gewesen, obwohl Carsten Armstroff selbst diesen virtuellen Lauf gar nicht dazu zählen will. Dennoch ist er damit nur noch zwei Teilnahmen von den silbernen Finisher-Stirnbändern entfernt, die man ab dem 25. Start bis zum 30. dann erhält.

Auf die Frage, ob das nicht ein wenig extrem sei, was er da treibe, verweist er, dass er über Pulsmesser und Handyapp jederzeit seinen Gesundheitszustand im Blick habe. Klar seien Sonntag und Montag zum Regenerieren nötig gewesen, "aber jetzt ist Mittwoch und mich juckts schon wieder, einen Trainingslauf zu machen", erklärt der Läufer über sein momentanes Wohlbefinden.

Viele virtuelle Laufwettbewerbe wegen Corona

Derartige virtuelle Laufkonkurrenzen fänden übrigens zu Hauf statt, erklärt Armstroff mit Verweis auf den Kalender der "Runner's World", einem bekannten Szenemagazin. Tatsächlich findet man dort alleine bis Jahresende weitere 16 virtuelle Laufwettbewerbe aus der ganzen Welt. Diese finden dabei keineswegs nur in Übersee statt, sondern beispielsweise auch der "Herbstwaldlauf", organisiert aus Berlin, der in verschiedene Konkurrenzen mit Laufstrecken bis 11 Kilometer aufgeteilt ist.

Oder aber der "Nikolauslauf" aus Tübingen und der "Königsforstlauf" von Bergisch Gladbach, der gleich an zwei Wochenenden nacheinander ausgetragen werden soll. Nicht zu vergessen diverse Silvesterläufe, wie Griesheim, Frankfurt oder Gießen. Die Aufgaben des Tough Mudder wird es dort zwar nicht geben und auch nicht die unglaublichen Distanzen, aber immerhin können sich Läufer auf diese Weise konkurrenzfähig halten.

pbj

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