Fünfter Verhandlungstag am Amtsgericht

Tochter geschlagen: Urteil gegen 68-Jährigen gefallen

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Altötting - Ein 68-Jähriger stand insgesamt fünf Tage vor dem Amtsgericht. Er soll seine Tochter massiv geschlagen und gewürgt haben. Am Mittag ist nun das Urteil gefallen:

UPDATE, 14.10 Uhr:

Gleich zu Beginn des fünften Verhandlungstages vor dem Amtsgericht in Altötting gegen den 68-Jährigen ließ der Verteidiger des Angeklagten ein Schriftstück aus einem früheren Verfahren vor dem Familiengericht verlesen. Darin gibt die Schwester der Geschädigten an, Schläge ihrer Mutter gegenüber ihrer Schwester mitbekommen zu haben. Ihr Vater habe sie hingegen nicht angegangen, lediglich beim Fußballschauen sei er ab und zu etwas lauter geworden.

Zeugin bestätigt die Aussage nur teilweise

Als erste Zeugin des Tages wurde anschließend die Ärztin vor Gericht gehört, die der Geschädigten die Verletzungen nach dem vermeintlichen Vorfall im April attestiert hatte. "Sie kam ziemlich aufgeregt zu mir und hat von Streitigkeiten mit dem Vater berichtet, anschließend von Handgreiflichkeiten", so die Hausärztin. Bei der Untersuchung stellte die Medizinerin Schwellungen sowie einen Bluterguß am Unterkiefer und leichte, längliche Einblutungen an der linken Halsseite fest.

Laut Angaben der Ärztin deckten sich diese Verletzungen mit den Beschreibungen der Geschädigten, körperlich angegangen, geschlagen und gewürgt worden zu sein. Verletzungen im Augenbereich der Geschädigten habe die Ärztin nicht wahrgenommen. Ein Hämatom in diesem Bereich könne es nicht gegeben haben, ansonsten wäre es auch am nächsten Tag noch sichtbar gewesen, erklärte die Medizinerin.

Auf Nachfrage des Verteidigers gab die Zeugin weiter an, dass sich die Geschädigte schon länger in Behandlung bei ihr befinde. Aufgrund psychosomatischer Beschwerden habe die Geschädigte bereits einen Klinikaufenthalt hinter sich gebracht. Anzeichen dafür, dass sich die Geschädigte die diagnostizierten Verletzungen selbst beigebracht haben könnte, will die Ärztin nicht beobachtet haben.

Nachbarn der Geschädigten erneut vernommen

Im weiteren Verlauf der Verhandlung am Donnerstag wurden die Nachbarn der Geschädigten erneut vor Gericht gehört. Richter Günther Hammerdinger fragte in diesem Zusammenhang nach, ob man sich vor dem Gerichtstermin in Bezug auf die Aussagen abgesprochen habe. "Nein, überhaupt gar nichts", erwiderte die Nachbarin dabei nachdrücklich. Und auch ihr Ehemann verneinte die Frage mehrmals.

Die Schwester der Geschädigten hatte an einem früheren Verhandlungstag angegeben, ein abstimmendes Gespräch der beiden Nachbarn auf der Terrasse belauscht zu haben.

Familienhilfe über die Beziehung des Angeklagten

Nach den Nachbarn der Geschädigten machte eine Sozialpädagogin Angaben zur Sache. Sie hatte bereits während der Scheidung und des Sorgerechtsstreits des Angeklagten während dessen zweiter Ehe Kontakt zu ihm und seiner Familie. An Äußerungen zu Gewalt in der Beziehung könne sie sich nicht erinnern. Auch Anzeichen für Misshandlungen und daraus resultierende psychische Belastungen habe die Pädagogin nicht beobachtet. "Die Frau ist mir psychisch sehr belastet in Erinnerung geblieben. Er war hingegen eher ruhig und entspannt", rekapitulierte die Zeugin.

Nach einem anfänglichen Kennenlernen, habe die Tochter des Angeklagten, die heutige Geschädigte, dann aber schließlich den Kontakt zur Familienhilfe auf eigenen Wunsch hin abgebrochen.

WhatsApp-Nachrichten sollen helfen

Auch die Freundin der Geschädigten, die bereits Angaben an einem früheren Verhandlungstag gemacht hatte, wurde am Donnerstag nochmals vor Gericht geladen. Günther Hammerdinger befragte die Zeugin erneut zu den zeitlichen Abläufen am vermeintlichen Tat-Abend. Anhand des Verlaufs der Nachrichten, die die Zeugin und die Geschädigte an diesem Tag ausgetauscht hatten, konnte das Gericht schließlich einen möglichen Ablauf der Geschehnisse rekonstruieren. Neben den Text-Nachrichten, schickte die Geschädigte der Zeugin auch ein Foto, das nach den vermeintlichen Schlägen durch den Vater entstanden sein soll.

An den folgenden Tagen habe die Zeugin die Geschädigte beinahe täglich besucht und dabei beobachtet, wie die roten Stellen im ganzen Gesicht und am Hals nach und nach blau geworden seien.

Nach einem kurzen Rechtsgespräch zwischen Richter Günther Hammerdinger, der Verteidigung und dem zuständigen Staatsanwalt, folgten die Plädoyers der Prozessbeteiligten.

Das sagt der Staatsanwalt

"Aufgabe des Strafverfahrens war es nicht, die familiären Verhältnisse hier darzustellen. (...) Aufgabe war es, die Vorwürfe wegen Körperverletzung zu klären", so der Staatsanwalt, was am Ende auch passiert sei. Seiner Ansicht nach seien die Anschuldigungen gegen den Angeklagten bestätigt worden. Trotz keinerlei unbeteiligter Zeugen, sehe er die Tat als erwiesen an. Die festgestellten Verletzungen und die glaubhaften Aussagen der Geschädigten, hätten zu diesem Bild geführt.

Ein "abgekartetes Spiel", das Szenario, dass die Geschädigte sich die Verletzungen selbst zugefügt haben könnte, lehnte der Staatsanwalt ab. "So war es nicht", folgerte er nach den Erkenntnissen aus der Beweisaufnahme und forderte, den 68-Jährigen wegen vorsätzlicher Körperverletzung zu einer Geldstrafe von 90 Tagessätzen zu je 100 Euro zu verurteilen.

Verteidiger plädiert auf Freispruch

"Wir sind hier im Strafprozess aktiv und nicht vor dem Familiengericht", pflichtete der Verteidiger seinem Vorredner bei. Anders als der Staatsanwalt sehe er die familiären Umstände aber durchaus als hilfreich zum Verständnis an. Seien die Schilderungen von Vater und Tochter am Anfang noch deckungsgleich, gehen diese zum eigentlichen Vorwurf doch stark auseinander. Zusammenfassend sei schließlich zu erkennen, dass es mindestens "Aussage gegen Aussage" stehe, spätestens wenn man die Vorgeschichte der Familie betrachte und somit eindeutig dem Angeklagten mehr Glaubwürdigkeit zuteil werden lasse. Seien die Verletzungen der Geschädigten zwar unbestreitbar vorhanden, sei deren Ursprung nicht zwangsläufig auf seinen Mandanten zurückzuführen.

Stattdessen könne er sich zwei weitere Möglichkeiten vorstellen, wie die Verletzungen entstanden sein könnten. Als Verursacher kämen sowohl die Geschädigte selbst als auch ihre Mutter in Frage. "Diese Möglichkeiten sind mindestens genauso wahrscheinlich wie die, die uns die Zeugin genannt hat", folgerte der Verteidiger. Er forderte deshalb, seinen Mandanten freizusprechen.

Das letzte Wort liegt beim Angeklagten

 "Ich möchte ausdrücklich betonen, ich habe sie nicht geschlagen, ich habe sie nicht einmal berührt", so der Angeklagte in seinen letzten Worten. Und weiter: "Ich habe mich, und tue es heute noch, für meine Kinder aufgeopfert. (...) Es gibt keinen Grund ein Kind zu schlagen!" Woher die Verletzungen stammten, könne er nicht sagen. Ihm selbst seien sie im Gespräch mit seiner Tochter nicht aufgefallen: "Ich habe nichts getan," so der Angeklagte wiederholt lautstark am Ende seiner Ausführungen.

Das Urteil

Nach insgesamt fünf Verhandlungstagen kam der vorsitzende Richter am Amtsgericht zu einem Urteil: Er sprach den 68-Jährigen schuldig im Sinne der Anklage und verurteilte ihn zu den vom Staatsanwalt geforderten 90 Tagessätzen zu je 100 Euro wegen vorsätzlicher Körperverletzungen. "Kann man der Tochter glauben, oder nicht?" stieg der Richter in die Beweiswürdigung ein. Logische Brüche seien in der Aussage der Geschädigten nicht erkennbar gewesen. Auch weitere Tatsachen stützen ihre Aussage. Auf allen angefertigten Bildern seien die Verletzungen deutlich erkennbar. Auch das Verletzungsmuster an sich sei, nach den Angaben der behandelten Ärztin, stimmig, so Hammerdinger weiter.

In den Aussagen der verschiedenen Zeugen konnte der Richter schließlich ebenfalls keine Wiedersprüche erkennen. Auch dafür, dass sich die Zeugin die Verletzungen selbst zugefügt habe oder die eigene Mutter dafür verantwortlich gewesen war, sah der Richter keine Anhaltspunkte und abschließend: "Dinge, die eindeutig für die Wahrheit der Schilderung der Zeugin sprechen."

Der Vorbericht:

Hat ein 68-Jähriger Familienvater aus dem Landkreis Altötting im April diesen Jahres seine Tochter geschlagen und sie anschließend mit dem Schal gewürgt? Eine Frage, die das Amtsgericht in Altötting heute weiter zu beantworten versucht. Unter dem Vorsitz von Richter Günther Hammerdinger werden am fünften Prozesstag ab 9 Uhr weitere Zeugen im Fall gehört. Ein Nachbars-Ehepaar, dass bereits von den Vorkommnissen berichtet hat, wird dabei erneut vernommen.

Aussage gegen Aussage

Der bisherige Verhandlungsverlauf im Überblick:

Bereits am ersten der bisher vier Verhandlungstage äußerte sich der Familienvater zu den gegen ihn erhobenen Vorwürfen. Er zeichnete ein ganz anderes Bild von den Vorkommnissen. Die 19-Jährige stammt aus seiner zweiten Ehe. Der Angeklagte erklärte, dass er nach der Scheidung in weit größerem Maß finanziell für seine Familie gesorgt habe, als er dies hätte tun müssen. Dennoch sei er von seiner Ex-Frau gegenüber seiner Tochter schlecht gemacht worden. Seine Tochter begegne ihm mit "unglaublichem Hass und Abneigung", so der 68-Jährige vor Gericht.Am vermeintlichen Tat-Tag habe man sich lediglich gestritten, handgreiflich sei er nicht geworden.

Ganz anders die Schilderung der Tochter. Die 19-Jährige bestritt im Zeugenstand, dass sie ihren Vater um ein Gespräch gebeten habe. Dieser sei unvermittelt vor der Tür gestanden. Nach einem Streit sei er schließlich auf sie losgegangen. Unter Tränen erklärte die 19-Jährige vor Gericht, die Faustschläge hätten sie im Gesicht getroffen. Dann habe ihr Vater noch an ihrem Halstuch gezogen, sodass die Atemnot bekommen habe.

Neben einer Freundin des mutmaßlichen Opfers, machten im bisherigen Verlauf der Verhandlung unter anderem auch die Schwester, Nachbarn, die Mutter der Geschädigten und unbeteiligte Polizeibeamte Aussagen vor Gericht. Am fünften Verhandlungstag sollen die Nachbarn der Familie erneut gehört werden.

Fällt am Donnerstag das Urteil?

Ursprünglich war die Verhandlung gegen den 68-Jährigen nur auf einen Verhandlungstag angesetzt. Nachdem mehrere Zeugen von der Verteidigung nachträglich benannt wurden, kann derzeit noch nicht abgeschätzt werden, ob das Urteil am fünften Verhandlungstag fällt. innsalzach24.de ist auch am Donnerstag wieder im Gerichtssaal und berichtet von den Ergebnissen nach der Verhandlung.

Rubriklistenbild: © sl/pa

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