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Neben Burghausen auch Haag, Fridolfing, Grassau und Ruhpolding

„Das kann es nicht sein“: Notarztstudie stellt fünf Standorte in der Region in Frage

Mangelware Notarzt: Um die Versorgung sicherzustellen, wurde vom Bayerischen Innenministerium eine Studie beauftragt.
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Wirbel um eine sogenannte Notarztstudie: Standorte werden in Frage gestellt.

Eine Studie schlägt vor, insgesamt fünf Standorte in den Landkreisen Altötting, Berchtesgadener Land, Mühldorf und Traunstein zu schließen und zwei neue in Übersee und Tittmoning zu öffnen. Die Ergebnisse sind allerdings nicht bindend.

Landkreis Altötting – Bei der Integrierten Leitstelle(ILS) Traunstein war man überrascht, als der Bayerische Innenminister Hermann Anfang Oktober die Ergebnisse einer „Notarztstudie“ an die breite Öffentlichkeit trug. „Wir haben die Studie formell zur Kenntnis genommen“, sagt Geschäftsführer Josef Gschwendner, „aber wir haben nichts von dieser Studie gewusst und wurden vor der Veröffentlichung auch nicht beteiligt oder informiert. Wir haben nicht damit gerechnet, dass so eine Untersuchung durchgeführt wird, ohne dass Gespräche mit uns geführt werden“, so Gschwendner. Zwar habe die Studie keinen bindenden Charakter, doch die ILS, der Zweckverband für Rettungsdienst und Feuerwehralarmierung (ZRF) müsse sich jetzt damit auseinandersetzen, ob die Ergebnisse realisierbar sind.

Notarzt-Mangel ist Anlass für Studie

Joaquin Kersting, Ärztlicher Leiter des Rettungsdienstes sagt: „Wir haben uns die Studie im Detail angeschaut: Weil man in Bayern erkannte, dass Notarztstandorte personell nicht mehr um die Uhr besetzt werden können, musste man untersuchen, wie man die Notarztstandorte optimieren kann. Ziel dabei war, dass ein Notarzt jeden Notfallort innerhalb von 15 bis maximal 20 Minuten erreichen kann – unabhängig vom Rettungsdienst.“ Am Standort Burghausen seien regionale Strukturen wie beispielsweise Kliniken und ortsansässige Notärzte nur bedingt berücksichtigt worden, so Kersting. Die Studie schlug beispielsweise vor, die Standorte Burghausen, Haag, Fridolfing, Grassau und Ruhpolding zu schließen und dafür zwei neue in Tittmoning und Übersee zu schaffen. „Das kann es nicht sein!“, hatte der Burghauser Bürgermeister dies bereits bei der vergangenen Stadtratssitzung kommentiert.

Telenotarzt ohne Netzabdeckung?

Der große Haken sei laut Gschwendner und Kersting aber, dass die Studie ein Telenotarztsystem voraussetzt: Dabei begleitet ein per Video zugeschalteter, erfahrener Notarzt die Rettung in Echtzeit. Außerdem setzt die Studie eine flächendeckende und qualitativ hochwertige Netzqualität aus. „Erst wenn diese beiden Faktoren erfüllt sind, kann man sich gedanklich mit dem Gutachten auseinandersetzen“, so Gschwendner. „Der nächste Schritt wäre dann, vorhandene Notartztstandorte zu optimieren. Die bestehenden Strukturen und Ressourcen sind maßgeblich.“ Der Notarztmangel werde sich in den nächsten Jahren allerdings nicht erheblich verbessern, prognostiziert Kersting. Es gebe Mangel an Nachwuchs. „Das Gutachten geht von grüner Wiese und genügend Notärzten aus, was de facto nicht gegeben ist“, so Gschwendner.

„In Burghausen herrscht eine gute Ausgangslage. Dort nehmen derzeit – noch – 15 Notärzte, engagiert am Notarztdienst teil“, so der ILS-Geschäftsführer. „Sie sind allerdings stark an ihre Arztpraxen und ihren Wohnort gebunden.“ Im Landkreis Altötting sei laut Gschwendner die Geografie so gut, dass eine Hilfszeit von 12 Minuten im Durchschnitt sogar unterschritten wird. Auch der Transport zum Krankenhaus funktioniere hier reibungslos und der Patient erreicht seine Klinik in der Regel innerhalb von 50 Minuten. „Bei der Notarztbesetzung in Dorfen bestehen aktuell große Lücken, weshalb schon allein aus diesem Grund auf Haag momentan nicht verzichtet werden kann“, so Gschwendner. Kersting fügt hinzu: „Bei den empfohlenen neuen Standorten ist eine durchgehende notärztliche Besetzung aus heutiger Sicht keineswegs sichergestellt. Bei einer möglichen Umsetzung der Studienergebnisse muss auch dies zuvor gegeben sein.“ Für die notärztliche Besetzung sei in Bayern die Kassenärztliche Vereinigung zuständig.

Wie geht es nun weiter?

Die ILS prüfe nun die Rahmenbedingungen, sagt Gschwendner. „Dazu werden wir Gespräche mit allen Notarztstandorten führen. Für uns ist aber klar, dass das bestehende System nicht geändert wird, solange nicht sicher ist, dass es durch die Empfehlungen zu einer Verbesserung in allen Landkreisen kommt.“ Bei der nächsten Versammlung des Zweckverbandes (ILS) – wo als politische Vertreter auch die Landräte anwesend sind – werde man empfehlen, dass die Ergebnisse der Notarztstudie aufgrund der fehlenden Komponente „Telenotarzt“ aktuell nicht weiter verfolgt werden. Mit einem etablierten Telenotarzt rechnet Kersting frühestens im Jahr 2024.

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