Angespannte Situation im Altöttinger Stadtrat  

Fraktionswechsel von Rosi Hermann zur CSU schlägt weiter hohe Wellen

Die Kräfteverhältnisse im Altöttinger Rathaus haben sich geändert.
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Die Kräfteverhältnisse im Altöttinger Rathaus haben sich geändert. Die CSU kommt jetzt auf elf Sitze, die Freien Wähler dagegen nur noch auf vier.

Rund einen Monat nach Bekanntgabe ihres Wechsels von den Freien Wähler zur CSU begründet Rosi Herrmann diesen in einem Schreiben an alle Stadträte, das in der jüngsten Sitzung am 10. März verteilt wurde. Sie könne sich nicht mehr mit den Zielen der Freien Wähler identifizieren und kritisiert zudem die Sticheleien der Fraktion innerhalb des Stadtrates. Die Freien Wähler lassen die Kritik nicht auf sich sitzen.  

Altötting - In ihren Haushaltsreden plädierten einige Fraktionssprecher für mehr Zusammenhalt. Doch gerade der jüngste Wechsel von Rosi Hermann von den Freien Wähler zur CSU sorgt für eine angespannte Situation im Altöttinger Stadtrat. Zum einen erhält die AfD durch die neuen Kräfteverhältnisse einen Sitz in den Ausschüssen, zum anderen kritisiert Hermann in einem Schreiben an alle Stadträte ihre ehemalige Fraktion.

Hermann begründet Wechsel zur CSU: Fehlende Identifikation und Sticheleien

Sie könne „die Ziele, Visionen und Ideen sowie Anträge dieser Fraktion nicht mehr“ mit ihrer Meinung und Gewissen vereinbaren. Zwar würden die Mitglieder den Grundgedanken der Freien Wähler – ohne Fraktionszwang mit zu bestimmen – klar beachten. Dennoch „war es immer ein Grund zur Kritik“, wenn sie sich nicht nach der Mehrheitsabstimmung gerichtet hätte.

Ein weiterer Aspekt wären „die ständigen Sticheleien aus der Fraktion innerhalb des Stadtrats“ - besonders die häufigen Angriffe auf Altbürgermeister Herbert Hofauer. Doch auch im neuen Gremium gebe es Sticheleien und Bedenken gegen jegliche vorgebrachte Anliegen und Anträge. „Dies beeinträchtigt die Harmonie und Zusammenarbeit innerhalb des Stadtrats und verhindert ein parteiübergreifendes Handeln“, so Hermann in ihrem Schreiben.

An den Zielen und Gedanken der CSU könne sich die langjährige Stadträtin (19 Jahre) besser orientieren. „Ich hoffe auf die Akzeptanz meiner Begründung und wünsche mir und uns allen weiterhin eine gute und konstruktive Zusammenarbeit innerhalb des Stadtrats zum Wohle der Stadt Altötting und deren Bürger“, so Hermann abschließend.

Freie Wähler wundern sich über Schreiben

Diese Kritik wollte Konrad Heuwieser, Fraktionssprecher der Freien Wähler, nicht unbeantwortet lassen. Das Schreiben zeuge nicht als zukünftige Grundlage guter Zusammenarbeit. Zudem bemängelte Heuwieser, dass Hermann erst nach der Kündigung das Gespräch gesucht habe.

Auch die Tatsache, dass sie die vermeintlichen Angriffe auf den ehemaligen Bürgermeister Hofauer als Grund nannte, sorgt bei Heuwieser für Unverständnis: „Wenn das der Fall war, verstehe ich nicht, wieso der Fraktionswechsel nicht bereits vor der Wahl im vorherigen Jahr vollzogen wurde.“ Auch die fehlende Identifikation mit den Zielen und Visionen der Freien Wähler verwundert den Fraktionssprecher. Hermann habe an der Zeitung für das Wahlprogramm mitgearbeitet. Dort hätte sie nie etwas in diese Richtung von sich gegeben.

Heuwieser: „Nicht die Zusammenarbeit, die wir uns vorgestellt haben“

Zudem wären ihr die Freien Wähler sehr entgegen gekommen. „Wir haben unsere Sitzungen extra nach hinten verlegt, damit sie teilnehmen kann. Doch eigentlich war sie nie vollständig anwesend, manchmal kam sie gar nicht“, so Heuwieser. In ihrer Funktion als Ausschussmitglied sei sie bei fünf von sechs Sitzungen nicht da gewesen. „Das war nicht die Zusammenarbeit, die wir uns vorgestellt haben“, erklärt der Fraktionssprecher.

Es scheint, als wäre die Trennung die beste Lösung. Dennoch wird der Fraktionswechsel vermutlich noch länger seine Kreise ziehen. Die Stimmung im Altöttinger Stadtrat dürfte vorerst angespannt bleiben. Deshalb hat Heuwieser auch einen Antrag gestellt, einen externen Moderator zu bestellen, um die Wogen im Gremium zu glätten.

jz

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