Polizei warnt vor Schmerzpflaster-Missbrauch

Wenn Schmerzmittel zur Gefahr werden

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Landkreis - Am Montag starb ein junger Konsument von Methamphetamin. Das größte Kopfzerbrechen bereitet der Polizei aber eine ganz andere Substanz: ein Schmerzmittel.

Die traurige Pressemeldung verschickte das Polizeipräsidium Oberbayern Süd am Mittwochnachmittag: In der Region ist der erste Drogentote des Jahres zu beklagen. Am Montag hatten Angehörige einen 25-Jährigen leblos in seinem Zimmer in der elterlichen Wohnung in Altötting gefunden. Der Notarzt konnte nur noch den Tod des jungen Mannes feststellen. Wie ein Schnelltest ergab hatte der junge Mann Methamphetamin im Körper, zudem stellten die Ermittler Rauschgift und entsprechende Utensilien im Zimmer des 25-Jährigen sicher.

Schmerzpflaster größeres Problem als Crystal Meth

Methamphetamin hat in den letzten Jahren unter der umgangssprachlichen Bezeichnung Crystal Meth deutschlandweit traurige Berühmtheit erlangt. Die Droge schwappt vor allem aus Tschechien nach Deutschland, der Konsum hat in den letzten Jahren dramatisch zugenommen. Gerade in Grenznähe haben die Behörden zu kämpfen. Im Zuständigkeitsgebiet des Polizeipräsidiums Oberbayern Süd bereitet der Polizei aber in erste Linie eine ganz andere Substanz Kopfzerbrechen: das Schmerzmittel Fentanyl.

Die synthetische Substanz wird unter anderem in der Anästhesie eingesetzt, steckt aber auch in Schmerzpflastern. Süchtige kochen die Pflaster aus, um aus ihnen das Fentanyl zu gewinnen. Anschließend spritzen sie sich die Substanz intravenös. "Die Dosierung ist dabei äußerst schwierig", warnt Frank Konrad von der Pressestelle des Polizeipräsidiums Oberbayern Süd. Nach wie vor sei nicht Crystal Meth, sondern Fentanyl das größte Problem in der Region. Auch viele Todesfälle sind auf diese Substanz zurückzuführen.

Süchtige durchwühlen Mülltonnen

Fentanyl unterliegt in Deutschland dem Betäubungsmittelgesetz und ist verschreibungspflichtig. Die Konsumenten kommen deshalb nicht so ohne weiteres in den Besitz der Substanz. Mögliche Bezugsquellen sind Ärzte und Krankenhäuser. Die Kliniken seien zwar sensibilisiert, sagt Konrad. "Wir haben aber das Phänomen, dass gerade die Leute, die dieses Sachen konsumieren, die Symptome kennen." Die Konsumenten gingen von Arzt zu Arzt, um die entsprechenden Symptome zu beklagen. Schaffen es die Süchtigen, den Arzt zu täuschen, verschreibt ihnen dieser vielleicht ein Schmerzpflaster.

Die Pflaster würden inzwischen aber auch gehandelt. Zudem komme es vor, dass die Mülltonnen der Krankenhäuser nach gebrauchten Pflastern durchwühlt werden. "Da weiß man natürlich überhaupt nicht mehr, wie stark der Wirkstoff ist", warnt Konrad.

Überdosen, Suizide, tödliche Verkehrsunfälle

Gerade die schwierige Dosierung macht Fentanyl brandgefährlich. Eine Überdosis kann zum Koma oder gar zum Tod des Konsumenten führen. Ein großer Anteil der Drogentoten in der Region ist nach wie vor wegen Fentanylmissbrauch zu beklagen. Allerdings ist nicht immer eine Überdosis die Todesursache. Zu den in der Statistik aufgeführten Drogentoten zählen auch Menschen, die an den Langzeitfolgen ihres Drogenkonsums gestorben sind sowie Menschen, die sich aufgrund ihres Drogenkonsums in einer verzweifelten Situation befanden und sich deshalb das Leben nahmen. Hinzu kommen tödliche Verkehrsunfälle unter Drogeneinfluss.

Im Zuständigkeitsbereich des Polizeipräsidiums Oberbayern Süd gab es 2013 28 Drogentote (2012: 29). Endgültige Zahlen für 2014 gibt es noch nicht, nach Einschätzung Konrads könnte es 2014 in der Region tendenziell etwas weniger Drogentote gegeben haben.

Rubriklistenbild: © picture alliance / dpa

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