Auch Beispiel aus Altötting: Sortimentsumstellung als Chance für Einzelhändler?

„Solange es sich um sinnvolle Erweiterungen des Angebots handelt, ist das ja nur legitim“

Klopapier und Modeartikel liegen in einem Modehaus in den Regalen und auf der Verkaufsfläche. (Symbolbild). Bernd Ohlmann, Pressesprecher des Handelsverbands Bayern betont, solange es sich um sinnvolle Erweiterungen des Angebots handle, sei das nur legitim. Auch Protest aus Frust sei nur verständlich.
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Klopapier und Modeartikel liegen in einem Modehaus in den Regalen und auf der Verkaufsfläche. (Symbolbild). Bernd Ohlmann, Pressesprecher des Handelsverbands Bayern betont, solange es sich um sinnvolle Erweiterungen des Angebots handle, sei das nur legitim. Auch Protest aus Frust sei nur verständlich.

Das Sortiment um Lebensmittel und Hygieneartikel erweitern, um wieder öffnen zu können? Immer mehr Einzelhändler gehen diesen Schritt. Manche, wie ein Modeladen aus Altötting, als Erweiterung des bestehenden Sortiments, andere eher symbolisch aus Protest.

Altötting - „Neben Kleidung bieten wir ab sofort auch abgepackte Lebensmittel, wie holländische und dänische Süßigkeiten, ungarische Spezialitäten sowie ausgewählte Weine/Brände an. Auch Drogerie-Produkte für die Handtasche finden Sie bei uns“, wirbt ein Bekleidungsgeschäft für Damen aus Altötting in einem Facebook-Post. Dieser erhielt bereits zahlreiche „Gefällt mir“-Angaben und zustimmende Kommentare. Auf Anfrage von innsalzach24.de wollten sich die Inhaber nicht dazu äußern.

Sortiment überwiegend auf Lebensmittel und Hygieneartikel umstellen um geöffnet bleiben zu können?

Offen haben dürfen im erneuten Lockdown teils nur Läden, die überwiegend Lebensmittel, Waren des täglichen Bedarfs und Hygieneartikel bieten. Die Idee, durch eine Sortiment-Umstellung weiter beziehungsweise wieder offen bleiben zu können ist nicht neu. Schon im ersten Lockdown im vergangenen Jahr probierte es beispielsweise der Rosenheimer Buchladen „Bücher Johann“ mit einer Sortiment-Umstellung, die nur teils abgepackte Lebensmittel und Klopapier umfasste. Da er sich dabei allerdings auf eine aus dem Kurierdienst des Ladens stammende Gewerbezulassung für die Handhabung für Lebensmittel berief, wurde dem damals von den Behörden rasch ein Riegel vorgeschoben.

Marcel Jundt steht in seinem Modehaus neben einer Palette Klopapier. Die Inhaber des Modehauses Blum-Jundt haben auf ihrer Verkaufsfläche große Mengen Klopapier, Nudeln und Desinfektionsartikel abgestellt, um so als Discounter zu gelten und damit auf den Verkauf von beispielsweise Textilien durch Discounter oder Drogeriemärkte während des Corona-Lockdowns aufmerksam zu machen.

Nun sorgen wieder Einzelhändler mit ähnlichen Ideen für Schlagzeilen. Allen voran ein Bekleidungsgeschäft aus Freyung, das als „Klopapier & Fashion Store“ wieder eröffnete, wie pnp.de (Plus-Artikel) berichtet. Er habe diesen Schritt gewählt „Um zu überleben“ aber auch „um aufmerksam zu machen“, erklärte der Inhaber Norbert Kremsreiter gegenüber pnp.de. Wie das Portal berichtet (Plus-Artikel) fand das rasch Nachahmung in Breitenberg im Landkreis Passau. Dort bietet die Inhaberin des „IS-Fashion“ nun auch Klopapier, Desinfektionsmittel, Cremeseife und auch Wein an. Auch beispielsweise das Modehaus „Blum-Jundth“ aus Bad Mergentheim hat auf seiner Verkaufsfläche große Mengen Klopapier, Nudeln und Desinfektionsartikel abgestellt, um als Discounter zu gelten, wie die Fränkischen Nachrichten schreiben (Plus-Artikel). Er wolle damit auf den Verkauf von beispielsweise Textilien durch Discounter oder Drogeriemärkte während des Corona-Lockdowns aufmerksam machen, berichtete der Inhaber.

„Behörden und Gesetzgeber haben das im Blick“

„Wir haben von diesen Fällen in den Nachbarlandkreisen schon gehört“, berichtet Dr. Robert Müller, Pressesprecher des Landratsamts Altötting mit dem Sachgebiet Gewerberecht gegenüber innsalzach24.de. „Im Fall des Geschäfts in Altötting haben das sowohl die Stadt als auch das Landratsamt geprüft und für zulässig befunden. Das ist ja auch völlig legitim, wenn da jemand wie in diesem Fall einfach sein Sortiment erweitert. Der Laden führte bereits dänische und holländische Mode und nun eben noch Lebensmittel aus diesen Ländern.“ Falls aber jemand hier ein Schlupfloch entdeckt zu haben meint und beispielsweise einfach nur einen Teil seiner Verkaufsfläche mit passender Ware vollstellt, sei das sehr kritisch zu betrachten. „Für so etwas ist es jetzt einfach nicht die Zeit!“

Ähnlich sieht das auch Bernd Ohlmann, Pressesprecher des Handelsverbands Bayern. „Solange es sich um sinnvolle Erweiterungen des Angebots handelt, ist das ja nur legitim. Aber Behörden und Gesetzgeber haben das ja im Blick. Wenn es da zu viele zu bunt treiben, wird es entsprechende Reaktionen geben und das ist dann unter Umständen schlecht für alle!“, warnt er. Er könne andererseits den Frust vieler Einzelhändler verstehen. „Wenn die im Großmarkt einkaufen und da ist beispielsweise eine ganze Abteilung nur für Bekleidung, während ihr Modegeschäft geschlossen bleiben muss, ist es klar wenn da der Frust steigt und man nach Auswegen sucht!“

hs

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