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Bürgermeister aus Altötting zu aktuellen Themen

Stephan Antwerpen über die Stimmung im Stadtrat: „Bekommen das wieder hin“

Altöttings Bürgermeister Stephan Antwerpen sitzt im Büro
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Stephan Antwerpen hat klare Ziele für die kommenden Jahren. Trotz der hohen Schulden will er lieber in neue Projekte investieren.

Altötting - Zum einjährigen Amtsjubiläum hat Bürgermeister Stephan Antwerpen innsalzach24.de Rede und Antwort gestanden. Im zweiten Teil spricht das Stadtoberhaupt über den Fraktionswechsel von Rosi Hermann, die hohe Verschuldung und die kommenden Aufgaben.

Der Fraktionswechsel von Rosi Hermann zur CSU hat sich von außen betrachtet auch auf die Stimmung im Gremium niedergeschlagen. Wie haben Sie die ganze Situation wahrgenommen?

Es ist eine Sache von Rosi Hermann, die sich in der Fraktion der Freien Wähler nicht mehr wohl gefühlt hat und wechseln wollte. Ich kann aber auch die Freien Wähler sehr gut verstehen, die jetzt nur noch vier Sitze im Stadtrat haben. Zwar sind sie weiterhin die zweitstärkste Fraktion, aber die Möglichkeit etwas zu bewegen ist hier natürlich geschmälert. Ich kann die Verstimmung nachvollziehen. Es sollte hier aber auch ein Schritt rückwärts gemacht werden, um die Situation zu reflektieren. Warum habe ich ein Mitglied verloren? Diese Frage sollte sich die Fraktion stellen und die Schuld nicht nur bei anderen suchen, vielleicht auch mal bei sich selbst. Generell will ich es aber nicht beurteilen. Das ist Sache der Rosi Hermann und der Freien Wähler.

Mit der Stimmung hat das vielleicht nur indirekt zu tun. Ich persönlich bin harmoniebedürftig und bestrebt, dass wir das wieder hinbekommen. Ich sehe das alles aber an vergangenen Dingen. Vielleicht hat es auch was damit zu tun, dass die Fraktion der Freien Wähler in Person von Konrad Heuwieser nicht das Amt des dritten Bürgermeisters erhalten haben. Dies hat meiner Meinung nach viel tiefer gewirkt als der Austritt. Auch dafür habe ich großes Verständnis. Herr Heuwieser hat große Verdienste für die Stadt Altötting geleistet und dieses Amt lange ausgeübt. Die Enttäuschung ist verständlich und menschlich.

Ich bitte aber auch hier um Verständnis, dass ich hier einen Generationenwechsel haben wollte, auch wenn Hubert Rothmayer mit 56 Jahren nicht viel jünger ist. Ich muss dabei immer selbst schmunzeln, aber 30-Jährige haben wir leider nicht. Das wäre auch ein Anliegen von mir, dass durch attraktive Arbeit im Stadtrat auch jüngere Menschen dafür begeistert. Nichtsdestotrotz war es der richtige Weg, dass wir den zweiten und dritten Bürgermeister mit neuen und jüngeren Personen besetzt haben. Herr Sellner war jahrelang zweiter Bürgermeister und hat meine Entscheidung akzeptiert. Dies erwarte ich auch von Herrn Heuwieser.

Bei der Haushaltsverabschiedung wurde u.a. die hohe Verschuldung kritisiert. Sie haben im Anschluss Zeit und Kreativität gefordert. Wie wollen Sie langfristig den Schuldenberg abbauen?

Der Schuldenberg ist ja auch immer etwas relatives. Er belastet uns umso stärker, je höher das Zinsniveau ist. Momentan ist das nicht so schlimm und wir haben dies deutlich reduzieren können. Dennoch ist eine hohe Verschuldung eine Belastung für einen Haushalt. Mittelfristig müssen wir da runterkommen. Das ist für mich aber nicht das primäre Ziel. Ich will die Verschuldung nicht erhöhen, aber ich möchte handlungsfähig bleiben und sein. Ich sehe einige Aufgaben auf die Stadt zukommen, die mir wichtiger sind wie der Abbau des Schuldenberges. Wir werden dies zwar die nächsten Jahre immer im Blick haben, aber wir wollen weiterkommen und auch unsere Pflichtaufgaben, zum Beispiel Kindergarten und Schulen, erledigen. Wir haben in den letzten Jahren eine sehr gute Arbeit geleistet, der Stadtrat, das Stadtoberhaupt und die Verwaltung. Wir haben unsere Liegenschaften energetisch erneuert, wir haben in der Energieversorgung einiges geleistet, was PV-Anlagen betrifft. Wir haben immer wieder investiert, leider ist dabei die Verschuldung nicht weniger geworden. Aber was ist jetzt wichtiger? Diese Verschuldung gegen Null zu fahren und nichts getan oder auch im Sinne des Klimawandels unsere Hausaufgaben gemacht zu haben. Da muss ich sagen ist mir Zweites wichtiger.

Schmerzen die Mehrkosten für den Hochwasserschutz daher nicht so sehr?

Der Hochwasserschutz ist für uns eine ganz hohe Hypothek. Da wird einiges auf die Stadt Altötting zukommen. Ich sehe es aber auch immer von beiden Seiten. Wenn wir es in den Griff bekommen, dann fällt auch eine ganz große Last von der Stadt, v.a. für die Bürgerinnen und Bürger, die hier Hab und Gut haben und es geschützt wissen. Das ist mindestens genauso wichtig.

Es gibt viel zu tun in den nächsten Jahren. Welches Thema liegt Ihnen persönlich am Herzen, dass Sie möglichst bald angehen wollen?

Wir brauchen weiterhin Kindergartenplätze, da haben wir großen Bedarf. Wir haben einen Naturkindergarten geplant, der im Herbst seine Arbeit aufnehmen möchte. Aber auch Sozial- und Geschosswohnungsbau wäre ein Traum für mich. Am liebsten in einer verträglichen Architektur mit begrünten Hinterhöfen, wo sie die Menschen gerne aufhalten. Dies möchte ich auch Menschen ermöglichen, die sich sonst keinen Garten leisten können.

Genauso wichtig ist es, dass Gewerbe in Altötting zu halten. Es ist nicht immer unbedingt das vorderste Ziel Arbeitsplätze zu schaffen, in erster Linie muss ich die vorhanden Arbeitsplätze erhalten. Das ist heute nicht mehr selbstverständlich. Wir möchten die Gewerbetreibenden unterstützen und wollen neue Gewerbeflächen schaffen. Wenn dann Firmengelände aufgegeben werden, könnten dort Wohnquartiere geschaffen werden.

Vielen Dank für das Interview.

Im ersten Teil unseres Interviews zieht das Stadtoberhaupt ein erstes Fazit, berichtet von seinen persönlichen Erfahrungen als Bürgermeister und welche Aufgaben er bislang nicht erledigen durfte.

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