Frauenunion hält es für sexistisch

„Konnten wir nicht erstmal reden?" - Unternehmer zu Kritik an Plakat in Altötting

Dieses Werbeplakat der Firma Brunner Haustechnik sorgt für Missfallen bei der Frauenunion Altötting. Sie kritisiert es als sexistisch und diskriminierend. Der Chef der Firma entgegnet, er könne diese Kritik nicht nachvollziehen.
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Dieses Werbeplakat der Firma Brunner Haustechnik sorgt für Missfallen bei der Frauenunion Altötting. Sie kritisiert es als sexistisch und diskriminierend. Der Chef der Firma entgegnet, er könne diese Kritik nicht nachvollziehen.

Altötting - Die örtliche Frauenunion macht ihre Kritik an einem Werbeplakat einer Firma für Haustechnik öffentlich. Der Inhaber des Unternehmens sieht das anders.

„Am Mittwoch in der Früh schaue ich in mein E-Mail-Postfach und finde dort eine Mail ‚Sehr geehrter Herr Brunner. Ich finde ihre Werbung super. Lassen Sie sich von dem Zeitungsbericht nicht aus der Ruhe bringen!‘“, berichtet Thomas Brunner, Inhaber von Brunner Haustechnik aus Massing im Rottal gegenüber innsalzach24.de. „Da war ich erstmal überrascht. Was für ein Zeitungsbericht?"


Frauen Union Altötting kritisiert Werbeplakat von Brunner Heiztechnik als sexistisch und diskriminierend

Brunner Haustechnik wirbt, unter anderem in Altötting, mit Werbeplakaten für ihr Angebot. Darauf zu sehen ist eine Junge Frau in Dessous, daneben eine Biomasse-Heizung. Dazu geschrieben steht “Beides heisse Geräte – eine spart Geld und ist effizient – eine geht mit Ihnen shoppen“. Dieses Plakatmotiv missfällt der örtlichen Frauenunion.


„Das da eine junge Frau in Unterwäsche abgebildet ist, darum geht‘s uns ja gar nicht“, erklärt wiederum Monika Klein von Wisenberg, Vorsitzende der Frauen Union Altötting. „Das ist ja ganz normal, solche Motive sieht man ja allerorten in Werbung für Unterwäsche, Parfüms und so weiter. Es sei die Kombination mit der Aufschrift “Beides heisse Geräte – eine spart Geld und ist effizient – eine geht mit Ihnen shoppen“, welche Frauen zum Objekt erniedrige, so Klein von Wisenberg. „Ein irgendwie gearteter inhaltlicher Zusammenhang zwischen der Darstellung und dem Produkt ist nicht ersichtlich. Ich dachte, dass eine derart plumpe, sexistische Werbung längst der Vergangenheit angehört.“

Brunner: Man hätte erst mal mit mir reden können

Es sei auch nicht das erste Mal, dass diese Werbung in die Kritik gekommen sei. „Bereits 2016 hat der Deutsche Werberat dieses Motiv als als sexistisch und Frauen diskriminierend gerügt.Rügen des Werberats haben keine rechtliche Wirkung. Sie sollen allerdings durch ihre Öffentlichkeit ein Umbedenken bei betreffenden Unternehmen bewirken. „Wir haben uns dann mit einem Brief an Herrn Brunner gewandt", so Klein von Wisenberg.

„Ich finde es ja gut, dass sie auf sowas achten und man kann auch gerne mit mir reden“, erklärt Brunner. „Aber deren Mail kam an einem Sonntag.“ Sie sei dann zugegebenermaßen eventuell erstmal untergegangen. „Wir sind ein gut laufendes Unternehmen, wir kriegen täglich eine Menge E-Mails.“ Dann sei aber auch schon die Berichterstattung zuerst in lokalen, dann auch überregionalen Medien losgegangen. „Musste man die wirklich sofort einschalten, konnten wir nicht erstmal untereinander darüber reden?", klagt Brunner.

Neues Plakatmotiv als Lösung?

Nun stehe seit Tagen sein Telefon kaum noch still, ständig kämen neue Medienanfragen. „Ich müsste hier eigentlich meinen Betrieb führen“, so Brunner. Die Kritik am Plakat könne er im Übrigen nicht ganz nachvollziehen. „Ja, da steht ‚heisses Gerät‘, aber das ist doch nur positiv gemeint, sowas darf man doch wohl über eine hübsche Frau sagen?“ Biomasse-Heizungen zu bewerben sei gar nicht so einfach. „Ich wollte was witziges, pfiffiges, nicht nur eine trockene Aufzählung wie viel Co2-Ausstoß das hat oder so.“

Dieses alternative Plakatmotiv mit einem Mann statt einer Frau soll nun stattdessen in Altötting angebracht werden. Die Vorsitzende der Frauenunion kritisiert, es unterstreiche nur vielmehr die Problematik des anderen Plakats.

Die Plakate mit diesem Motiv würde er nun schon seit fünf Jahren aufhängen lassen. Zuletzt habe es 2016 nach der Rüge des Werberats so eine Aufregung gegeben. „Aber bisher habe ich auch nur vier Hassmails, daneben aber auch viel Zustimmung erhalten.“

Er hoffe, das Thema würde nun bald zur Ruhe kommen. „In Altötting kommt nun unser, auch schon seit fünf Jahren verwendetes, Alternativ-Plakat zum Tragen. Da sieht man einen halbnackten Mann der für eine Badewanne mit dem Spruch ‚Mmmhh lecker ... aber Entspannung und Ruhe ... haben Sie nur in Ihrem neuen Bad!‘ wirbt.“ Monika Klein von Wisenberg von der Altöttinger Frauen Union will das nicht ganz gelten lassen: „Das stellt ja gerade heraus, wie problematisch das andere Motiv ist“, bemerkt sie. Sie hoffe, dass das kritisierte Plakat nicht mehr weiter Verwendung findet.

Weitere Sexismus-Debatten in der Region

Es ist nicht das erste Mal, das Werbung in der Region wegen Sexismus-Vorwürfen diskutiert wird. Erst Ende Januar musste die Junge Union Mettenheim ordentlich Kritik einstecken. Ihre neue Plakatkampange kam nicht gut an. Dem CSU-Nachwuchs wurde wegen einer Plakatkampagne Frauenfeindlichkeit vorgeworfen. 

Auch ein Video der Altöttinger Firma „Holz Stengel“ sorgte im Jahr 2017 für eine Sexismus-Debatte. Für die Jusos Altötting stellte das Video ein absolutes „No-Go“ dar. „Wir können und möchten sexistische Werbung im Landkreis nicht tolerieren und fordern deshalb die Fima Holz Stengel auf, diese Werbung zu löschen und aus den digitalen Werbetafeln in Altötting zu entfernen“, hieß es damals. 

Wiederum den „Skandal-Bierdeckel“ des Hofbräuhaus Traunstein beklagte damals nicht nur der Deutsche Werberat. Die Frauenzeitschrift „Emma“ rief sogar zu einem Shitstorm gegen die Brauerei auf, der dann aber völlig ausblieb. Grund war ein Bierdeckel, der eine Bedienung mit sichtbar „Holz vor der Hütt‘n“ zeigte.  Das Plakat der Steinhöringer Burschen, welches die „Maiglöckerl-Party“ bewarb, wurde im April 2019 von Unbekannten nachts überklebt - mit einem riesigen Penis. Dieser prangte über der Oberweite der Frau und die „Maiglöckerl-Party“ wurde kurzerhand in „Maiklöten-Party“ umbenannt.

Auch hier wurden Sexismus-Vorwürfe laut. 

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