„Für mich ist die Corona-Pandemie beendet“

Nach verbaler Attacke von Söder: So verteidigt der Altöttinger Arzt Dr. Mayr seinen Praxisaushang

Aushang an Praxis von Dr. med Hans-Ulrich Mayr in Altötting
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Dr. med Hans-Ulrich Mayr ist praktizierender Arzt in Altötting. Wegen eines Aushangs bezüglich der Corona-Pandemie hat ihn nun Ministerpräsident Markus Söder kritisiert und das Landratsamt ein Ordnungswidrigkeitenverfahren eingeleitet.

Altötting - „Die Pandemie ist beendet“ - eine Wortwahl in einem Aushang, die an der Praxis von Dr. med. Hans-Ulrich Mayr hohe Wellen schlägt. Selbst Ministerpräsident Markus Söder fand deutliche Worte in seiner jüngsten Regierungserklärung. Wir haben uns bei Dr. Mayr erkundigt, was hinter der Aktion steckt.

Was war geschehen? An der Altöttinger Praxis von Dr. Hans-Ulrich Mayr, Facharzt für Innere Medizin und Nephrologie, war Anfang Dezember kurzzeitig ein Aushang zu lesen, der für ordentlich Wirbel sorgt. „Die Pandemie ist beendet“, wart dort in gefetteten Buchstaben zu erkennen. „Und wenn Sie weiter eine Maske tragen, sind Sie selber schuld. Aber bitte nicht in unserer Praxis.“


Der 70-Jährige stellte mit diese Zeilen die Aussagekraft der PCR-Tests in Frage: Eine Experten-Kommission (externe peer review) habe die Arbeit zur Zulassung des PCR Testes als „ungeeignet“ disqualifiziert. Diese aber nehme die Politik seit Monaten als Grundlage für ihre Entscheidungen „und fährt damit unser ganzes Land an die Wand“, wettert Dr. Mayr im Gespräch mit innsalzach24.de. „Der PCR-Test kann nämlich nicht zwischen Gesunden und Kranken unterscheiden, ist nicht spezifisch für Covid-19 und produziert haufenweise falsch-positive Befunde.“

Dieser Aushang hing Anfang Dezember an der Praxis von Dr. med. Hans-Ulrich Mayr in Altötting. (Für größere Ansicht bitte auf das Bild klicken.)

Dr. Mayr: „Für mich ist die Corona-Pandemie beendet, weil es nie eine gegeben hat“

Besagter Aushang an seiner Praxis habe Dr. Mayr zufolge „einen fiktiven Charakter“, weil dieser nur kurzzeitig außerhalb der Sprechzeiten angebracht und nicht für die Öffentlichkeit oder Patienten gedacht gewesen sei. Der Altöttinger Arzt stellt auch auf seiner Homepage klar, es sei „eine Verleumdung“, zu behaupten, er würde seinen Mitarbeitern oder Patienten verbieten, die Maske zu tragen: „Das ist eine Unwahrheit. Ich bin seit über 40 Jahren Arzt und mir der Verantwortung für meine Patienten im vollem Umfang bewusst. Ich widersetze mich aber dem Zwang, meine Patienten durch sinnlose Maßnahmen unnötig in körperlicher und seelischer Hinsicht noch kränker zu machen als sie eh schon sind. Für mich ist die Corona-Pandemie beendet, weil es nie eine gegeben hat.“

Scharfe Kritik von Ministerpräsident Söder an „Corona-Leugner“ Dr. Mayr aus Altötting

Worte, die Ministerpräsident Markus Söder sauer aufstoßen. In seiner jüngsten Regierungserklärung am 8. Dezember waren ohnehin die „Corona-Leugner“ scharfer Kritik ausgesetzt: Es grassiere im Land neben Corona noch ein anderes Virus, eines, das sich „durch das Land frisst und sich vor allem über Verunsicherung, Hetze und Unwahrheit artikuliert“. Dies würde in Wahrheit die Akzeptanz der Bevölkerung so sehr untergraben. „Besonders schlimm und unethisch“ empfinde Söder diese ablehnende Haltung gegenüber der Pandemie bei einzelnen Ärzten.

In seiner Rede (im untenstehenden Video ab Minute 31) fand er deutliche Wort bezüglich des Aushangs des Altöttinger Arztes und AfD-Stadtrat Dr. Mayr, den der Ministerpräsident zunächst im Wortlaut vorlas und im Anschluss unterstrich: „Wer so etwas verbreitet, macht sich mitschuldig an der derzeitigen Corona-Situation.“ Er sei froh, dass hier ein Verfahren von den zuständigen Stellen eingeleitet worden sei. Söders Worte wurden von Applaus aus den Reihen der Mitglieder des Bayerischen Landtags begleitet.

Kritik, auf die Dr. Mayr im Einzelnen nicht eingeht. Für ihn sei der Knackpunkt die unzureichenden PCR-Tests: „Nachdem dies alles bekannt geworden ist, sollte sich Herr Dr. Söder bitte erst einmal mit diesen grundsätzlichen Fakten befassen bevor er fortfährt Bayern an die Wand zu fahren. Gerade die neueren wissenschaftlichen Daten über die Covid-19 Diagnostik sollten ernst genommen werden und würden eine Lockerung der gesetzlichen Auflagen hinreichend begründen.“

Die Covid-19-Erkrankung sei dem Altöttinger Arzt zufolge „eine teuflische, ansteckende Krankheit“, die von den Ärzten genauso ernst genommen werde wie jede andere schwere, ansteckende Erkrankung. „Man sollte aber die Kirche im Dorf lassen und unsere Bevölkerung nicht durch völlig überzogene und medizinisch unbegründete Maßnahmen verängstigen, einsperren, ganze Branchen in den Ruin treiben, die medizinische Versorgung durcheinanderbringen und so tun, als wäre man der große Retter“, schließt Dr. Mayr seine Erklärung.

Landratsamt Altötting leitet Ordnungswidrigkeitenverfahren ein

Das Landratsamt Altötting hat gegen Dr. Mayr ein Ordnungswidrigkeitenverfahren eingeleitet nach Paragraph 12, Absatz 3 der Zehnten Bayerischen Infektionsschutzmaßnahmenverordnung (10. BayIfSMV). Darin heißt es: „In Arzt- und Zahnarztpraxen und in allen sonstigen Praxen, soweit in ihnen medizinische, therapeutische und pflegerische Leistungen erbracht oder medizinisch notwendige Behandlungen angeboten werden, gilt Abs. 1 Satz 1 Nr. 1 und 3 mit der Maßgabe entsprechend, dass die Maskenpflicht auch insoweit entfällt, als die Art der Leistung sie nicht zulässt. Weitergehende Pflichten zum Tragen eines medizinischen Mund-Nasen-Schutzes bleiben unberührt.“

„Wenn ein Praxisbetreiber sich diesen Anordnungen widersetzt, handelt er ordnungswidrig und deshalb haben wir ein Verfahren eingeleitet“, erklärt Markus Huber vom Landratsamt Altötting gegenüber innsalzach24.de. Der Ausgang des Ordnungswidrigkeitenverfahrens sei noch ungewiss, da der Fall an verschiedene Stellen wie die Ärztekammer oder die Regierung von Oberbayern weitergeleitet und um Stellungnahmen beziehungsweise Beurteilung gebeten wurde.

mb

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