Altöttinger Wirte fordern am Tag der Arbeit mehr Unterstützung

"Pro 20 Quadratmeter ein Gast, da lassen wir lieber gleich zu!"

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Wirte kritisierten am 1. Mai in Altötting die Politik und fordern mehr Unterstützung für die Hotels und Gaststättenbetriebe

Altötting - Rund 50 Wirte aus der Region waren samt Familien am Freitag auf dem Altöttinger Kapellplatz zusammengekommen, um auf ihre schwierige Situation hinzuweisen. Der Einladung des Altöttinger Vorsitzenden des Deutschen Hotellerie- und Gaststättenverbandes(DeHoGa), Konrad Schwarz, waren aber nicht nur Wirtskollegen, sondern beispielsweise auch der parlamentarische Staatssekretär im Bundesinnenministerium, Stephan Mayer(MdB) gefolgt, um über Perspektiven und Probleme der Branche zu sprechen.

Wirtshäuser schon vor der Corona-Krise angeschlagen

Schon vor der Corona-Krise hatten es bekanntermaßen Wirtsleute in vielen bayerischen Dörfern nicht leicht. Vom Dorfwirtssterben ist Konrad Schwarz mit seinem 3-Sterne Hotel samt Gastwirtschaft nicht betroffen, auch wenn er auf dem Papier ein Dorfwirt ist. Mit den Schließungen infolge der Maßnahmen zur Eindämmung des Coronavirus sieht der Altöttinger Kreisvorsitzende der DeHoGa nun aber ganz andere Probleme auf die Branche zukommen: "Wir haben ja zum Beispiel auch viele Auszubildende, die jetzt seit Wochen weder richtigen Unterricht noch Arbeit haben", erklärt der Gastronom. Sicherlich gebe es noch den ein oder anderen Berufsreisenden und dank der vielen Menschen, die sich Mitnahmegerichte abholen würden, stehen auch die Küchen vieler Wirte nicht ganz still. "Dennoch brauchen wir langfristige Lösungen", so der Unternehmer.


DeHoGa-Kundgebung am "Tag der Arbeit" in  Altötting

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Schwerer Schlag für die Tourismusbranche

"Die Tourismusbranche, zu der ja auch die Gastwirte gehören, trifft es sicherlich mit am härtesten!", stimmt der Bundestagsabgeordnete Stephan Mayer(CSU) zu. Auch er war am 1. Mai zu der Kundgebung der DeHoGa auf den Altöttinger Kapellplatz gekommen, um sich die Sorgen und Nöte der Wirte anzuhören. Die Bundes- und die Regierung von Oberbayern haben zwar Förderprogramme aufgelegt, um strauchelnde Wirtsbetriebe zu unterstützen. "Das kann man zentral über die Regierung von Oberbayern beantragen", erklärt Mayer und versichert: "wenn es Probleme gibt, kann man sich gerne auch direkt an mich wenden". Um solche Förderungen zu erhalten, müssen die Betriebe mittels eidesstattlicher Unterschrift nachweisen, dass die Probleme konkret mit der Krise zusammenhängen. Trotzdem reichen die Fördergelder vielen Betrieben nicht aus, wie beispielsweise Marion Spirkl aus Kastl erklärt: obwohl der Spirklwirt neben der eigentlich gut laufenden Wirtschaft auch noch über eine gut laufende Metzgerei verfügt, könne man Mitarbeiter oder Auszubildende auf diese Weise nicht lange versorgen.


"Pro 20 Quadratmeter ein Gast, da lassen wir lieber gleich zu!"

Doch anstatt ein Auge zuzudrücken, achten die Behörden momentan genau auf die Umsetzung der Maßnahmen zur Eindämmung des Coronavirus. Klaus Heimeldinger beispielsweise ist Wirt in Erharting und bekam kürzlich zu spüren, inwiefern auch seine Verantwortung gegenüber den Gästen durch die Corona-Pandemie gestiegen ist: "Wir hatten da nur zwei Stehtische vor unserem Straßenverkauf stehen, auf denen Milch und Zucker für Kaffee waren", berichtet der "Pauliwirt" über einen Vorfall am vergangenen Sonntag. Diese Tische nutzten dann einige Radfahrer während und nach des Wartens auf ihre Mitnahmegerichte, woraufhin sie prompt mit einer Polizeistreife aneinander gerieten. Dass also auch Gäste künftig besser aufpassen müssen, machten die Beamten klar, als sie die "unerlaubte Versammlung" auflösten, indem sie die Personalien der Beteiligten aufnahmen und Anzeige erstatteten. Wie hoch genau die Strafe für Klaus Heimeldinger ausfallen wird, konnte oder wollte er bei der Kundgebung in Altötting nicht genau beziffern. 

Doch der Vorfall macht klar, dass die Behörden die Schutzmaßnahmen zur Eindämmung des Virus sehr ernst nehmen. Im schlimmsten Falle könnte die Wiedereröffnung der Lokale, die sich Heimeldinger für "Anfang Juni, also nach Pfingsten" erhofft, vielleicht sogar an spezielle Maßnahmen gebunden sein. Wie sich die Situation für die Wirte aktuell darstellt, machte auch Erwin Hinterecker klar: "Pro 20 Quadratmeter ein Gast, da lassen wir lieber gleich zu!", sagt der Wirt des Ampfinger Hofs zu den aktuellen Lockerungen der Corona-Maßnahmen. Er forderte mit einem Transparent von Ministerpräsident Markus Söder, baldmöglich wieder Geselligkeit und Gastlichkeit in die Wirtsstuben einkehren zu lassen.

Mehrwertsteuersenkung nur ein Tropfen auf dem heißen Stein?

Insofern scheint auch die von der Bundesregierung nun für ein Jahr gewährte Senkung der Mehrwertsteuersätze für Speisen von 19 auf 7 Prozent, die zum 1. Juli in Kraft treten soll, nur ein Tropfen auf dem heißen Stein, wie Sabine Detter vom Graminger Weißbräu erklärt: "Das war doch eine Forderung, die wir schon lange an die Politik stellen! Das Ganze dann auch noch befristet!", klagt die stellvertretende Kreisvorsitzende der DeHoGa. In ein ähnliches Horn stößt Gerhard Plankl. Der Chef eines großen Altöttinger Wirtsbetriebs und ebenfalls stellvertretender Kreisvorsitzender der DeHoGa hatte schon in früheren Gesprächen mit innsalzach24.de klargemacht, dass es besonders in der Grenzregion zu Österreich schwierig sei, weil dort andere steuerliche Bedingungen herrschten. So könnten die Betriebe im Nachbarland bessere Löhne zahlen und würden auf diese Weise das hier gut ausgebildete Personal abwerben.

Reisebeschränkung  als Hoffnungsschimmer für lokale Betriebe

Hoffnung machen sich die Wirte in Altötting allerdings noch für das laufende Jahr: da das Reisen ins Ausland auch in den kommenden Monaten nur bedingt möglich sein wird, hoffen die Hotels und Gaststätten auf viele Einheimische und deutsche Urlauber, die beispielsweise mit dem Rad ihre Region erkunden wollen. Auf diese Möglichkeit hatte auch der Tourismusverband Inn-Salzach kürzlich auf seiner Verbandsversammlung hingewiesen(https://www.innsalzach24.de/innsalzach/region-alt-neuoetting/altoetting-ort484666/altoetting-tourismusverband-inn-salzach-ruft-zusammenhalt-13734811.html). "Würden wirklich alle Auslandsurlauber des letzten Jahres hier Urlaub machen, gäbe es in Deutschland sogar zu wenig Gästebetten", erklärt Konrad Schwarz die Möglichkeiten der Branche. 

Ungewissheit auch nach dem Sommer noch

Doch auch der passionierte Radfahrer und neue Altöttinger Bürgermeister Stephan Antwerpen sieht mittelfristig weitere Probleme kommen. Nachdem zum Beispiel die großen Fußwallfahrten nach Altötting abgesagt wurden, bei denen "nach dem Kirchgang auch die Einkehr und die guten Gespräche bei einem Wirt gehören", hält auch er für prekär. Da zudem bereits die Altöttinger Hofdult abgesagt werden musste, die traditionell von Altöttinger Festwirten mit Leben erfüllt werden, fürchtet Stephan Antwerpen auch für den deutlich kleineren Kirta ein ähnliches Schicksal: "Der findet ja immer zeitgleich mit dem Münchner Oktoberfest statt, das ja bereits abgesagt wurde", erklärte das neue Stadtoberhaupt vorsichtig. Ob dem veranstaltenden Altöttinger Wirtschaftsverband dann im September immer noch die Hände gebunden sein werden, ist daher derzeit unklar.

Peter Becker

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