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Gerüchte aus Apotheken und Pflegeheimen

Positiv getestet zur Arbeit? Gesundheitsamt Altötting: „In wenigen Einzelfällen ja, aber...“

Alten- und Pflegeheim
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Eine Mitarbeiterin mit Schutzkleidung zieht einen Wagen mit Wäsche in einem Seniorenheim.

Es klingt unglaublich. Kann es wirklich wahr sein? Mitarbeiter von Pflegeheimen oder Apotheken werden positiv auf Covid-19 getestet und müssen trotzdem zur Arbeit gehen - wenn sie (noch) keine Symptome haben. Am Anfang der Pandemie gab es tatsächlich eine ähnliche Ausnahmeregelung, die abenteuerlich anmutet. innsalzach24.de auf Spurensuche.

Altötting/Mühldorf - Mitten in der vierten Welle der Corona-Pandemie und zahllosen gesellschaftlichen Einschränkungen machen solche Gerüchte sprachlos: Weil akuter Personalmangel in bestimmten „systemrelevanten“ Branchen - wie Pflegeheimen und Apotheken - herrscht, sollen Mitarbeiter sogar positiv auf Covid-19 getestet zum Arbeiten gedrängt worden sein. Hauptsache, sie tragen eine FFP2-Maske. Oder man beschäftige sie mit Laborarbeiten, abgesondert vom Rest der Belegschaft.

Arbeiten, bis man Symptome hat

Dass sie ja arbeiten könnten, solange sie noch keine Symptome haben, klingt wie purer Sarkasmus. Solch ein Handeln wäre nicht nur fahrlässig, sondern sehr gefährlich. Das betont der Siegsdorfer Allgemeinmediziner Dr. Lothar Seissiger im Interview mit chiemgau24.de.

Es setzt - so es dieses Gebaren tatsächlich gibt - die Gesundheit einer ganzen Belegschaft und der Betroffenen aufs Spiel. Alle gültigen Vorschriften des Infektionsschutzgesetzes würden missachtet.

Die vertraulichen Informationen sind innsalzach24.de von einem Whistleblower aus dem Landkreis Altötting zugetragen worden, der anonym bleiben möchte und im Pflegebereich arbeitet.

Dazu gibt es eine Stellungnahme vom Landratsamt Altötting:

Positiv getestete Pflegekräfte bei Corona-positiv-getesteten Bewohnern

In wenigen Einzelfällen wurde der Beschäftigung von symptomfreien, positiv auf SARS-CoV 2 getesteten Pflegekräften in der Pflegeeinrichtung zugestimmt, wenn dies zur Sicherstellung der pflegerischen Versorgung unabdingbar war“ - diese Regelung bezieht sich aber ausdrücklich auf den Beginn der Pandemie im Frühjahr/Sommer 2020 und ist jetzt nicht mehr gültig (Anm. d. Red) -

Fortsetzung der offiziellen Stellungnahme: „Diese Pflegekräfte durften ausschließlich in Bereichen eingesetzt werden, in denen nur positiv getestete Bewohner zu versorgen waren. Außerhalb dieser umschriebenen beruflichen Tätigkeit war die angeordnete Isolation einzuhalten“, so lautet eine Information des Gesundheitsamts Altötting, übermittelt von Dr. Robert Müller, Pressesprecher des Landratsamts.

Zynische Umkehrung der Covid-Kreuzimpfung

Es wirkt - aus heutiger Sicht - wie eine zynische Umkehrung der Covid-Kreuzimpfung: Man „züchtet“ fahrlässig neue Varianten, indem man Infizierte vergesellschaftet. Fragwürdige Aktionen wie ein „absichtliches Anstecken“ von Ungeimpften - um als genesen zu gelten - wurden von allen Fachleuten scharf verurteilt (wir berichteten).

Angeblich gibt es - so der Whistleblower - auch Fälle, in denen Mitarbeiter(-innen) mit positivem Covid-PCR-Test in Betrieben klammheimlich in Quarantäne geschickt würden, um eine Schließung des gesamten Betriebs durch das Gesundheitsamts zu umgehen. Viele vorbildliche Firmen in der Region mit größeren Büroräumen agieren in der Regel, indem sie die gesamte Belegschaft bei akuter Infektionslage vorbeugend ins Home Office schicken.

Quarantäne-Ausnahme bei „kritischer Infrastruktur“

Pflegeheime und Apotheken können ihr Personal nicht einfach so nach Hause schicken: Sie müssen geöffnet bleiben. Scheinbar um (fast) jeden Preis. Ob zum Beispiel das gesamte Apothekenteam unter Quarantäne gestellt wird, obliegt allein dem zuständigen Gesundheitsamt. Bei drohendem Personalmangel in medizinischen Einrichtungen oder bei Personal, das zur kritischen Infrastruktur (KritIS) gehört, kann in Ausnahmefällen keine Quarantäne für das gesamte Apothekenteam angeordnet werden. 

Christian von Sommoggy, Pressesprecher des Bayerischen Apothekerverbands im Landkreis Altötting, zertifiziert als Auditor zahlreiche Apotheken. Er kennt „die akuten Personalprobleme, unter denen viele Apotheken leiden“. Vor allem „bei Ausschreibungen von PTA-Stellen bekommen wir fast keine Rückmeldungen“.

Auch ApothekerInnen würden „händeringend gesucht“. Eine provisorische Berufserlaubnis in Präsenz von Covid-positiv-getesteten MitarbeiterInnen „lehne ich aber strikt ab“, so der Inhaber der Marien-Apotheke in Reischach. Er schließt nicht aus, „dass es schwarze Schafe auch in unserer Gegend gibt“. Dass es zu einem frühen Zeitpunkt der Pandemie „offenbar eine Ausnahmeregelung gab“, daran erinnere er sich, „um die Versorgung der Bevölkerung sicherzustellen“.

Multiples Infektionsgeschehen im Altenheim

Eine zweite anonyme Quelle berichtet innsalzach24.de von einem „multiplen Übersprungs-Infektionsgeschehen“ in Pflege- bzw. Altenheimen. Laut Aussage der betreffenden Person - selbst Pflegefachkraft in einem oberbayerischen Seniorenheim - koppeln sich phasenweise Covid-Infektionen von ungeimpftem Personal, geimpftem Personal bzw. geimpften Bewohnern (Impfdurchbrüche). Mitarbeiter(-innen) dürfen laut ihrer Aussage „nur im Akutfall der Arbeit fernbleiben. Zum Beispiel, wenn sie an Folgewirkungen der Impfung oder Nachwirkungen der Corona-Erkrankung leiden.“

Offizielle Stellungnahme des Gesundheitsamts im Landratsamt Altötting

„Im Rahmen eines SARS-CoV-2-Ausbruchsgeschehens in einem Seniorenheim des Landkreises werden die positiv getesteten Bewohner und Mitarbeiter gemäß den aktuellen rechtlichen Vorgaben unverzüglich isoliert. Parallel dazu erfolgt die Ermittlung von engen Kontaktpersonen unter Bewohnern und Mitarbeitern sowie deren Absonderung, falls diese nicht geimpft sind. Zur Verifizierung des Umfangs / der Größe des Ausbruchsgeschehens und zur Detektion asymptomatischer Virusträger werden Reihentestungen von Bewohnern und Mitarbeitern veranlasst. Zudem wird die Einrichtung zur korrekten Umsetzung von Hygienevorgaben, wie z.B. der Bildung von Pandemiezonen, beraten. Im Einzelfall und insbesondere bei größeren Ausbruchsgeschehen schließen sich Begehungen der Einrichtung an.“

Gesundheitsamt im Landkreis Altötting

Gesundheitsamt verweist auf strikte Einhaltung der Vorschriften

Nach offiziellen Angaben des Gesundheitsamts im Landratsamt Altötting stimmt ein weiteres Gerücht nicht: dass positiv getestete gegen Covid-19-Geimpfte nicht in Quarantäne bzw. häusliche Isolation müssten. „Dem Gesundheitsamt Altötting ist nicht bekannt, dass positiv auf SARS-CoV 2 getestete MitarbeiterInnen in Apotheken im Landkreis Altötting beschäftigt wurden. Ausnahmen für die Beschäftigung von positiv auf SARS-CoV 2 getestete MitarbeiterInnen von Apotheken im Landkreis Altötting wurden nicht erteilt.“

Immenser Druck, den Laden am Laufen zu halten

Laut Aussagen der beiden anonymen Whistleblower von innsalzach24.de gebe es in der täglichen Praxis jedoch zahlreiche Möglichkeiten, die Vorschriften zu umgehen bzw. zu unterwandern. Der Druck der Betreiber, ihren Betrieb am Laufen zu halten, sei ungeheuer groß. Abgesondert würden vom Team im Regelfall nur die positiv-getestete Person, nicht aber deren Kontaktpersonen.

Dazu gibt es eine Stellungnahme vom Gesundheitsamt im Landkreis Mühldorf: „Seit ausreichend Personal in diesen Bereichen geimpft ist, entfallen jegliche Ausnahmegenehmigungen für Kontaktpersonen, da geimpfte Kontaktpersonen nicht in Quarantäne geschickt werden. Grundsätzlich gelten für alle Personen die jeweils gültigen Quarantäneregelungen. Positiv getestete Geimpfte und Genesene mit einer Impfung können sich bei symptomlosem Verlauf nach 7 Tagen aus der Quarantäne freitesten, falls dann der Test negativ ist. Ungeimpfte müssen generell mindestens 14 Tage in Quarantäne.“

-rok-

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