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Reanimation erfolglos

Schlittenfahrer verunglückt tödlich an der Kampenwand

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Betroffene müssen schnell reagieren

Insolvenzen bei Erdgas-Anbietern: Altöttinger soll statt 88 Euro plötzlich 356 Euro pro Monat zahlen

Euro-Scheine liegen neben einer Gasflamme auf einem Küchenherd.
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Die Gaspreise steigen: Kochen und Heizen wird in einigen Haushalten teurer.

Die explodierenden Gaspreise sorgen für allgemeine Besorgnis und treffen vor allem Einkommensschwächere zum völlig falschen Zeitpunkt mitten im Winter. Ein Leser aus dem Landkreis Altötting berichtet innsalzach24.de von seinem ganz persönlichen Schockerlebnis. Wegen der Insolvenz seines privaten Anbieters rutschte er in die Grund- bzw. Ersatzversorgung.

Altötting - Stefan Kellermann (Name v.d. Red. geändert) hat den Telefonhörer am Ohr und ihm fehlen die Worte. Am anderen Ende der Leitung sitzt eine Mitarbeiterin im Servicecenter des Grundversorgers. „Sie haben schon richtig verstanden, das ist der fällige Monatsbeitrag“, sagt sie.

Umfangreiche Informationen und Tipps von der Verbraucherzentrale Bayern

Betrag wird auf dem Dokument nicht richtig erklärt

Kellermann hat einen Brief des Energieversorgers bekommen, in dem ihm die neuen Tarife für seine Gasversorgung aufgeschlüsselt werden. Er solle seinen Monatsabschlag immer im Voraus rechtzeitig zahlen, die Vertragslaufzeit betrage vorläufig nur drei Monate. Ein Betrag von 356 Euro für die Gaslieferung sei aus seinem bisherigen Verbrauch und Zählerstand berechnet worden. Der dreifache Familienvater aus dem Landkreis geht davon aus, dass es sich um einen Jahresverbrauchspreis oder den vierteljährlichen Abschlag handelt.

356 Euro wofür genau? Erdgas-Rechnung vom Netzbetreiber mit nicht klar erklärtem Zahlenwerk.

Denn die Summe von 356 Euro steht unvermittelt und unerklärt auf dem Papier. Zugrunde gelegt werden 18,5 Cent brutto pro Kilowattstunde (kWh). Kellermann quält sich durch das Zahlenlabyrinth. Nun hat er Klarheit. Und die tut verdammt weh. Ein Monatsbeitrag für seine Gasversorgung, der von 88 Euro auf 356 Euro (!) hochschnellt. Wie soll er das bezahlen? Ist das nicht Wucher? „Nein, wir wissen das, aber wir müssen die neuen Gaspreise an die Verbraucher weitergeben“, sagt die Callcenter-Mitarbeiterin am Telefon. Sie spricht von „einem mindestens fünffach erhöhten Einkaufspreis für Erdgas“.

Damit hatte Kellermann überhaupt nicht gerechnet

Denn ihn trifft dieser volle Preis-Hammer, weil er unverschuldet und ungewollt Neukunde ist. „Bestandskunden bekommen, falls überhaupt, eine moderate Preiserhöhung“, so die Dame von der Energieversorgung am Telefon. Kellermanns bisheriger Anbieter gas.de bzw. Gruenwelt AG ist in der Sparte Erdgas angeblich in Insolvenz gegangen. Dadurch wurde der Liefervertrag mit dem Betreiber der privaten Gasanschlüsse - die Energie Südbayern - automatisch gekündigt. Billiganbieter gehen aktuell reihenweise in Insolvenz und stellen tausendfach die Lieferung ein.

Damit Kellermann und mit ihm viele Kunden in Oberbayern nicht in einer kalten Wohnung sitzen, griff am 3. Dezember automatisch die Ersatzversorgung des regionalen Anschlussbetreibers. Und der diktiert in diesem Fall den Preis. 356 Euro für Erdgas im Monat. Eine kleine Ein-Zimmer-Wohnung im ländlichen Raum kostet das in der Gesamtsumme monatlich.

„Mal sehen, wie lange das Spiel weitergeht“

Was kann Kellermann tun, um nicht selbst insolvent zu werden? Sobald das Gespräch mit der Energieversorgung beendet ist, sitzt Kellermann am Rechner und sucht beim Vergleichsportal verivox alternative Gasanbieter. Die Monatspreise für seine Wohnung schwanken hier zwischen 116 Euro und 130 Euro pro Monat. „Mal sehen, wie lange Spiel mit den Insolvenzen und der Notversorgung noch weitergeht“, sagt die Service-Mitarbeiterin.

Verbraucherzentrale schwer zu erreichen

Ein Anruf bei der Verbraucherzentrale Bayern/Rosenheim führt zunächst einmal ins Leere: „Bis auf weiteres sind wegen der Pandemie alle regionalen Filialen geschlossen, persönliche Beratung finden ausschließlich per Telefon oder online statt“, tönt es vom Anrufbeantworter. Man soll bei der Zentrale in München anrufen. Auch über die zentrale Beratungs-Hotline 089 27940 wird man in eine Warteschleife geschickt. Nach circa drei Minuten Wartezeit wird man automatisch aus der Leitung geworfen.

Auf Anfrage von innsalzach24.de hat die Verbraucherzentrale dennoch umfangreiche Informationen zur Thematik „Verwerfungen am Energiemarkt“ herausgegeben, die Betroffenen Hilfestellung geben.

Sichtweise von Energie Südbayern

„Wir verstehen den Frust bei manchen Kunden, die es in solchen Situationen unvorbereitet trifft. Doch diese extreme Teuerung ist nur der Ersatzversorgung geschuldet“, gibt Claudia Torterotot von der Energie Südbayern (ESB) zu bedenken. Die Kunden sollten die Post vom Grundversorger „genau anschauen, denn wir machen den Kunden sofort Wechselangebote in günstigere Verträge mit Fixpreisen“. Diese Auswahl müssten sie aber selbst treffen.

Das Problem liegt aus ihrer Sicht auch darin, „der Versuchung von scheinbar so günstigen Tarifen der Billiganbieter wie gas.de zu erliegen“. Diese würden „je nach Marktlage kurzfristig billiges Gas am Markt einkaufen“. Bei den aktuellen extrem hohen Preisen für Erdgas sei „dieses Modell nicht mehr zu halten“.

Energie Südbayern setzt laut ihrer Argumentation „auf eine langfristige Beschaffungsstrategie“, um stabile Preise zu ermöglichen. „Alle unsere Privatkunden werden mit Öko-Strom versorgt, der zum Beispiel aus der Windkraft oder Solarenergie stammt“.

Preis für Erdgas bleibt wohl bis auf weiteres hoch

Ob die Gaspreise demnächst wieder nachlassen? „Das glaube ich nicht“, so Claudia Torterotot. Denn ein „Konglomerat von verschiedenen Ursachen“ trage zur Hochpreisphase beim Erdgas bei: „Politische Gründe, auch wegen North Stream II, eine hohe Nachfrage nach Erdgas aus asiatischen Ländern, die Förderung Erneuerbarer Energien und die CO2-Besteuerung wirken gemeinsam.“

Bio-Erdgas und CO2-neutrale Produkte von ESB kosteten „etwas mehr im Vertrag“. Aber dann leiste man auch „seinen Beitrag für den Klimaschutz und kann sicher sein, dass die Produkte halten, was sie versprechen, weil der TÜV überwacht und zertifiziert“.

Kostenloses Service-Telefon der ESB: 0800 0 372 372  und E-Mail: service@esb.de

-rok-

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