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Wegen 8 Euro vor dem Amtsgericht Altötting angeklagt

Warum eine Schachtel Kippen einen Unterneukirchner jetzt fast ins Gefängnis gebracht hätte

Zigaretten-Dieb in Altötting vor Gericht - knapp am Gefängnis vorbei
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Wegen Diebstahls von Zigaretten im Wert von 8 Euro musste sich nun ein Unterneukirchner vor dem Amtsgericht Altötting verantworten

Am Donnerstag (11. August) musste sich ein Mann aus Unterneukirchen wegen einer Schachtel Zigaretten im Wert von 8 Euro vor dem Richter verantworten. Nur knapp entging er dabei einer Gefängnisstrafe; die Kippen kommen dem Mann jetzt allerdings richtig teuer zu stehen.

Altötting/Töging/Unterneukirchen - Gelegentlich verhandeln die heimischen Gerichte Fälle, die zumindest auf den ersten Blick mit Verwunderung zurücklassen. So auch am Donnerstagvormittag (11. August) am Amtsgericht in Altötting: Ein 29-Jähriger aus Unterneukirchen soll Anfang Oktober 2021 seiner Begleiterin beim Feiern in der Töginger Diskothek „Silo“ eine Schachtel Zigaretten im Wert von 8 Euro entwendet haben. Im Rahmen seiner Verhandlung kamen dann aber schließlich Details ans Licht, die den Mann aus dem westlichen Landkreis Altötting um ein Haar in Gefängnis gebracht hätten.

Zigaretten beim Feiern gestohlen - doch was steckte dahinter?

Ich habe lange nachgedacht, ob in ihrem Fall nicht eine Freiheitsstrafe in Betracht kommen sollte“, stieg Richter Dr. Steffen Kramer in seine Urteilsbegründung ein. Dass sich der Vorsitzende am Ende „nur“ für eine saftige Geldstrafe entschied, sei einerseits einer nicht geringen Alkoholisierung seitens des Angeklagten zum Tatzeitpunkt und der Tatsache geschuldet, dass die Geschädigte die Zigaretten schließlich wiederbekommen hätte.

Gleich zu Beginn der öffentlichen Hauptverhandlung am Altöttinger Amtsgericht machte der Unterneukirchner Angaben zur ihm vorgeworfenen Sache.: Er gab an, mit der Geschädigten bereits geraume Zeit gefeiert zu haben, als sich die junge Frau eine Zigarette aus der Schachtel in ihrer Handtasche nahm und nach draußen zum Rauchen ging. „Ich hab mir dann auch eine rausgenommen und bin hinterher“, so der 29-Jährige. Die Tasche der Frau sei zurückgeblieben; „da hab ich mir keine Gedanken gemacht, dass niemand aufpasst“, so der Mann auf Nachfrage des Richters. Und weiter: „Dazu berechtigt war ich vielleicht nicht, aber auf die eine wird es nicht ankommen, hab ich gedacht.“

An besagtem Abend habe man sich gut verstanden - die Geschädigte habe dem Unterneukirchner zuvor schon Zigaretten abgegeben. Nach rund sechs bis zehn Bier habe er sich „sehr rauschig“ gefühlt, weswegen seine Erinnerungen an den Verlauf des Abend etwas lückenhaft seien, so der 29-Jährige. Gesehen habe er die Frau an diesem Abend nach der Zigarette nicht mehr. Erst ein paar Tage später habe sie ihn bei seiner Arbeit aufgesucht und nachgefragt, ob er ihren Geldbeutel gesehen habe. „Der ist aber mittlerweile wieder da. (...) Dann hatten wir lange keinen Kontakt. Bis gerade eben. Da hat sie mir draußen beim Rauchen wieder eine angeboten“, so der 29-Jährige abschließend.

Geschädigte zeichnete ein gänzlich anderes Bild der Vorgänge in der Diskothek Silo

Eine 22-jährige Frau aus Marktl - die ursprüngliche Eigentümerin der Zigaretten - widersprach den Angaben des Mannes umfassend: „Wir haben zusammen etwas getrunken. Dann habe ich mir eine Zigarette aus der Schachtel und bin zum Rauchen“, so die Geschädigte. Als sie wieder zurück war, habe sie gemerkt, dass die Schachtel nicht mehr in ihrer Handtasche lag. „Da habe ich in seiner Jackentasche gesehen, dass er die Schachtel hat. (...) Ich habe sie genommen, war sauer und bin weg.“ Kurze Zeit später - beim Versuch ein Getränk zu kaufen - habe sie dann noch gemerkt, dass auch ihr Geldbeutel verschwunden war. Von ihrem Bekannten fehlte ebenfalls jede Spur.

„Ein bis zwei Wochen“ später habe die Geschädigte den Unterneukirchner auf dessen Arbeit aufgesucht. Auf den Geldbeutel angesprochen, habe dieser nur abgewunken und erklärt, von nichts zu wissen. „Ich bin mir fast sicher, dass er auch den Geldbeutel genommen hat, aber beweisen kann ich das nicht“, so die Zeugin. Mittlerweile sei die Geldbörse wieder aufgetaucht: „Ohne Bargeld aber mit Ausweis und sämtlichen Karten“, sei das Portemonnaie eines Tages in der Post gelegen.

Saftige Strafe für den Kippen-Diebstahl: Unterneukirchner trotzdem nur mit einem blauem Auge

Nach der Aussage eines weiteren, unbeteiligten Zeugen schloss Richter Dr. Steffen Kramer schließlich die Beweisaufnahme und verlas den Auszug aus dem Bundeszentral-Register (kurz: BZR) für den Unterneukirchner - mit insgesamt 10 Einträgen: Neben Trunkenheit im Straßenverkehr, dem Erschleichen von Leistungen sowie Bedrohung fanden sich darin gleich mehrere Einträge wegen Diebstahls. „Hinzu kommt noch, dass er zum Tatzeitpunkt eine offene Bewährung hatte“, so de zuständige Staatsanwältin in ihrem Schlussantrag.

Am Ende verurteilte Richter Dr. Steffen Kramer den Unterneukirchner zu einer Geldstrafe in Höhe von 3000 Euro nebst den Kosten für das Verfahren - und argumentierte: „Die Zeugin ist absolut glaubhaft, es ist keinerlei Belastungseifer zu erkennen. (...) Es ist ganz offensichtlich, dass es ihnen schwerfällt, das Eigentum Anderer zu achten.“ Bei der Berechnung der Geldstrafe ließ der Richter dennoch Gnade walten, denn: Statt seines vollen Lohns rechnete Dr. Steffen Kramer lediglich die monatlichen Einkünfte an, die nach den umfangreichen Lohnpfändungen aus den bereits abgeschlossenen Verfahren gegen den 29-Jährigen übrigblieben.

sl

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